Ende September habe ich, Stefanie, mich in Gärten und öffentlichen Grünanlagen umgesehen. Sträucher waren reichlich vorhanden, aber Blüten leider eher selten. Ich möchte wissen, was die örtliche Bestäubergemeinschaft davon hält...
Die Bestäubergemeinschaft ist die Gruppe aus Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlingen und anderen Blütenbesuchern, die zu einer bestimmten Jahreszeit im Garten im Einsatz ist. Und diese sieht im September anders aus als im April.
Daher habe ich um einen Interviewtermin bei der zuständigen Einsatzleitung der “Bestäubergemeinschaft Herbst” gebeten. Erstaunlicherweise bekam ich sofort einen. Meine Gesprächspartnerin: eine junge Hummelkönigin, und die hat eine starke Meinung zur Blütenarmut im Spätsommer und Herbst.
Frau Hummelkönigin, wie beurteilen Sie die Blüherei in unseren Gärten?
Hummelkönigin: Durchwachsen.
Im Mai war die Versorgungslage ausgezeichnet. Flieder, Weigelien, Obstgehölze… die Gartenbesitzer haben aufgefahren, als käme die gesamte Insektenwelt gleichzeitig zum Mittagessen.
Jetzt haben wir September. Und plötzlich stehen wir vor geschorenem Rasen und sehr viel grünem Gebüsch. Nur leider kann man Grün nicht trinken.
Aber sind jetzt, Ende September, überhaupt noch viele Bestäuber unterwegs?
Hummelkönigin: Selbstverständlich. Schauen Sie mich an.
Bei den Hummeln sind jetzt unter anderem Arbeiterinnen, Männchen und die jungen Königinnen unterwegs. Letztere haben eine besondere Herausforderung vor sich: den kommenden Winter überleben**.**
Dafür müssen wir Energiereserven aufbauen. Im nächsten Frühjahr kommen die überwinternden Königinnen wieder hervor und gründen neue Völker.
Auch Honigbienen, verschiedene spät fliegende Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge können noch unterwegs sein. Die Bestäubergemeinschaft im September ist nicht dieselbe wie im April, aber wir Bestäuber sind keineswegs verschwunden.
Was wünschen Sie sich in unseren Gärten?
Hummelkönigin: Einen vernünftigen Schichtplan für die Sträucher, so eine Art Trachtfliessband bis zum Herbst.
Ihr Menschen pflanzt nämlich erstaunlich gerne Gehölze, die alle im Mai blühen. Dann steht ihr davor und sagt: „Ist das nicht herrlich?“ Ja. Ist es. Darum macht das doch einmal genauso für den Herbst!
Welche Gehölze würden Sie pflanzen?
**Hummelkönigin: “**Ich habe eine Liste mit schönen Beispielen vorbereitet.
Ich starte mit Heptacodium miconioides, dem Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch. Der blüht spät, und wir Hummeln wissen damit tatsächlich etwas anzufangen. In wissenschaftlichen Beobachtungen wurden sogar junge Hummelköniginnen noch Ende September an seinen Blüten festgestellt.”
Bild: Weisse Blüten am Heptacodium miconioides , auch Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch genannt, mit hungriger Honigbiene (Apis mellifera).
“Dann Abelie (Abelia × grandiflora). Lange Blütezeit und ebenfalls nachgewiesene Besuche durch Hummeln und andere Bienen. Da gibt es so wunderbare Sorten.”
Bild: Honigbiene (Apis mellifera) an Abelie (Abelia x grandiflora) 'Pinky Bells', dem reichblühenden Zierstrauch mit intensiven rosa Blüten. Die Biene dringt gezielt in die Blütenröhre ein, um an den tief liegenden Nektar zu gelangen.
“Weiter geht es mit der Bartblume (Caryopteris × clandonensis). Viele kleine Blüten, spätes Angebot, reger Bienenbesuch. Und diese Blautöne! Das macht uns Bienen und Hummeln Appetit, und euch vermutlich auch.”
Bild: Eine vermutlich junge Erdhummel-Königin (Bombus terrestris) an Bartblume (Caryopteris) ‘White Surprise’. Im Spätsommer müssen die neu entstandenen Königinnen Energiereserven aufbauen, bevor sie zur Überwinterung verschwinden. Spät blühende Gehölze können ihnen in dieser Phase Nahrung anbieten.
“Und nicht zu vergessen die Blauraute, auch Perovskie (Salvia yangii). Früher hiess sie Perovskia. Darüber gab es offenbar eine grössere Diskussion unter Botanikern. Unter uns Hummeln nicht. Wir prüfen Pflanzen nicht nach ihrem Namensschild. Der Nektar ist für die Besucher erreichbar, und Wollbienen können sogar Pflanzenhaare als Material für ihre Nester verwenden.”
Bild: Eine prächtige Erdhummel (Bombus terrestris) trinkt Nektar an einer Blüte der Perovskie (Salvia yangii) ‘Blue Spire’.
Blaurauten als Kantine und Baustoffhandel in einer Pflanze. Sehr effizientes Konzept**.** Was halten Sie von Mönchspfeffer?
Hummelkönigin: “Vitex agnus-castus? Wird von der Bestäubergemeinschaft ohne Zweifel auch gerne genommen. Seine Blüten werden von verschiedenen Schmetterlingen, Bienen und Hummeln als Nektarquelle genutzt.
Sehen Sie: Das ist Gartenplanung. Man braucht nicht alle Blüten im Frühjahr. Man braucht auch solche, die die Spätschicht übernehmen.”
Bild: Ein Kohlweissling (Pieris brassicae) beim Nektarbesuch an Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ‘Latifolia’.
Bild: Ackerhummel (Bombus pascuorum), beim Nektarsammeln an Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus). Die Aufnahme zeigt, wie die Hummel mit ihren Mundwerkzeugen die Blütenröhre sondiert.
Und Efeu?
Hummelkönigin: „Efeu? Natürlich! Wenn Caryopteris und Heptacodium langsam die Blüten schliessen, macht Hedera helix noch einmal das Buffet auf. Und er hat noch einen Vorteil: Nach der Blüte produziert er Winterbeeren für Vögel und bietet mit seinem immergrünen Dickicht gleichzeitig Lebensraum und Überwinterungsmöglichkeiten.“
Bild: Die Blüten des Efeu (Hedera helix) ‘Arborescens’ stellen Nektar und Pollen leicht zugänglich bereit. Dadurch können ganz unterschiedliche Insekten sie nutzen: Honigbienen, Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen, Wespen, Schmetterlinge und Fliegen.
Dann fasse ich Ihre Empfehlung zusammen. Was sollen wir pflanzen?
**Hummelkönigin: “**Drucken Sie im Lubera-Newsletter ab:
Heptacodium miconioides. Abelia × grandiflora. Caryopteris × clandonensis. Salvia yangii. Vitex agnus-castus. Hedera helix.”
Noch eine abschliessende Botschaft an die Gartenbesitzer?
“Ein guter Garten ist nicht derjenige, in dem im Mai alles gleichzeitig explodiert.
Ein guter Garten hat einen Schichtplan. Ich überlasse Ihnen dazu eine Tabelle mit den Blühzeiten dieser Gehölze.
Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss bis zum Winter noch viel essen. Bitte haltet eure Gartenbuffet geöffnet. Vielen Dank!”
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Gehölz |
Hauptblüte |
|---|---|
|
Vitex agnus-castus – Mönchspfeffer |
Juli–September |
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Salvia yangii ‘Blue Spire’ – Blauraute/Perovskie |
Juli–September |
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Caryopteris × clandonensis – Bartblume |
August–September |
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Abelia × grandiflora – Grossblütige Abelie |
Juli/August–September |
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Heptacodium miconioides – Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch |
August–September |
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Hedera helix – Efeu |
September–November |
Bild: Das Blütenbuffet im Garten wird entscheidend bis in den Herbst verlängert mit Gehölzen wie dem Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus). Dadurch gewinnt auch der herbstliche Garten auch aus menschlicher Sicht optisch enorm.
Bild: Perovskie (Salvia yangii) 'Blue Spire’ mit ihrem fantastischen Blauton der Blüten im September. In ihren Blüten steckt viel wertvoller Nektar.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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