Diese Reaktion ist verständlich. Gleichzeitig zeigt sie ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie Pflanzen und Gärten eigentlich funktionieren. Viele erwarten, dass Pflanzen möglichst makellos sind, frei von jeder Spur von Leben, die nicht zur Pflanze selbst gehört. Diese Erwartung stammt letztlich aus einer Zeit, in der Pflanzenschutzmittel jederzeit verfügbar und breit einsetzbar waren. Probleme konnten meist »weggespritzt« werden. Diese Zeit ist vorbei.
- Die verfügbaren Pflanzenschutzmittel werden immer weniger
- Viele Wirkstoffe verlieren ihre Zulassung
- Alternativen und neue Lösungen entstehen nur sehr zögerlich
- Gleichzeitig wächst der Wunsch nach ökologischer, nachhaltiger Produktion
Hier besteht Gefahr, dass Wunsch und Wirklichkeit auseinanderdriften. Einerseits wird in der gesellschaftlichen Diskussion Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit in nie dagewesenem Mass thematisiert, andererseits ist bei den Konsumenten der Wunsch nach makellosen Pflanzen geblieben. Das ist zwar verständlich, aber in der Praxis nicht immer realisierbar. Die Natur lässt sich eben nicht vollständig regulieren – schon gar nicht ohne Eingriffe. Es muss und wird sich die Erkenntnis durchsetzen: Ein Garten ist kein steriler Raum. Er ist ein lebendiges System. Damit verschiebt sich auch die Perspektive. Nicht alles, was sichtbar ist, ist ein Problem. Und nicht jedes Problem verlangt nach einer Lösung.
Nicht jedes sichtbare Problem ist ein echtes Problem
Wer sich intensiver mit Pflanzen beschäftigt, stellt schnell fest, dass viele Erscheinungen, die zunächst beunruhigen, biologisch kaum ins Gewicht fallen. Ein paar angefressene Blätter, ein leichter Befall im Frühjahr, kleine Unregelmässigkeiten im Wachstum – all das gehört zum normalen Leben einer Pflanze. Es sind keine Störungen, sondern Ausdruck eines funktionierenden Systems.
Besonders deutlich wird das an der Feige. Immer wieder erreichen uns Rückmeldungen zu kleinen Raupen, die Blätter deutlich sichtbar anfressen und an der Spitze zusammenspinnen. Es handelt sich um die Larven des Spreizflügelfalters, den wir in unserem Gartenbuch auch schon portraitiert haben. Sind viele Blätter auf einmal von derartigen Räupchen besetzt, kann das dramatisch wirken, fast schon wie ein Befall, der ausser Kontrolle geraten könnte. Und doch bleibt die Wirkung auf die Pflanze gering. Die Feige reagiert gelassen, ersetzt verlorene Blattmasse, wächst weiter und trägt Früchte, als wäre nichts geschehen. Wer hier sofort eingreift, reagiert vor allem auf die Optik. Die Pflanze hingegen kommt damit problemlos zurecht. Auf Früchte und Ertrag hat es in aller Regel keinerlei Einfluss.
Bild: Das Schadbild des Spreizflügelfalters (Choreutis nemorana) an Feigenblättern – die Sache sieht dramatischer aus als sie ist...
Warum wir nicht jede Laus bekämpfen (und auch nicht wollen)
Man könnte versuchen, all diese Erscheinungen konsequent zu bekämpfen. Wir könnten unsere Pflanzen so kultivieren, dass sie auf den Moment des Verkaufs hin optimiert sind – schnell gewachsen, gut genährt, optisch makellos.
Das würde aber bedeuten:
- häufigere Behandlungen
- stärkere Eingriffe
- mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel
Und genau das widerspricht dem, was wir langfristig erreichen wollen. Denn selbst im biologischen Anbau bedeutet «Bio» oft: mehr Spritzen – nur mit anderen Mitteln. Unser Ziel ist ein anderes.
Weniger ist mehr
Unter dem Strich darf mit Fug und Recht behauptet werden: eine perfekt gewachsene, gutaussehende Pflanze muss in der Praxis nicht automatisch besser wachsen als eine, der man auf den ersten Blick nicht allzu viel Kredit geben würde. Die Sache ist also komplizierter als man denkt. Eine unter Profis geläufige Bezeichnung zeigt die Problematik gut auf: Staudenqualität vs. Topfpflanzenqualität.
Stauden, die in der Staudengärtnerei im Freiland gezogen werden, sind abgehärtet. Sie haben gelernt, mit unterschiedlichem Wetter, mal zu viel, mal zu wenig Wasser, Nahrung, verschiedene Schaderreger etcpp. zurecht zu kommen. Im Garten, an ihren definitiven Platz, wachsen sie mehr oder weniger unbeirrt weiter. Sie haben auf jeden Fall keinen Wachstumsschock, sie kennen die Unbill der Natur, verkraften Wetterextreme.
Ganz anders die (oft gleichen) Stauden, die im Gewächshaus unter kontrollierten Bedingungen bei optimaler Temperatur, Wärme, Düngung etc. in kurzer Zeit »gehätschelt« und entsprechend rasch verkaufsfertig wurden, meist perfekt aussehen: sie sind genau genommen Weichlinge, die noch nie Freilandluft geschnuppert haben, brauchen erst eine Eingewöhnungszeit und sehen nach ein paar Wochen oft schlechter aus als ihre abgehärteten Kollegen. Nicht zuletzt, weil sie wegen ihrem fast zu attraktiven Aussehen (...), rasch den einen oder anderen Schaderreger anziehen, auf den sie nicht vorbereitet sind.
Weniger ist also oft mehr. Weniger Komfort in der Aufzucht, mehr Abhärtung, mehr Nähe zu den Bedingungen, die sie später im Garten erwarten. Das Ergebnis sieht manchmal weniger perfekt aus, ist aber auf die Dauer belastbarer. Wer das akzeptiert, gewinnt etwas, das durch keinen Pflanzenschutz zu ersetzen ist: Gelassenheit.
Unser Weg: Probleme gar nicht erst entstehen lassen
Man könnte uns jetzt vorwerfen, dass wir einfach Kosten sparen in der Produktion und die Sache schönreden. Wir sehen das ganz anders – und handeln seit Jahrzehnten danach: statt Symptome zu bekämpfen, arbeiten wir an den Ursachen:
Wir investieren massiv in Züchtung und Selektion, um Pflanzen zu entwickeln, die von sich aus besser mit ihrer Umwelt zurechtkommen.
Das bedeutet konkret:
- robustere Sorten, die weniger anfällig sind
- Resistenzen gegen zentrale Krankheiten (z.B. Schorf, Mehltau)
- stabilere Pflanzen, die Stress besser verkraften
- Sorten, die auch ohne intensive Behandlung zuverlässig funktionieren
Diese Arbeit ist aufwendig, langwierig, oft unsichtbar und äusserst kostenintensiv. Aber sie ist aus unserer Sicht der einzige wirklich nachhaltige Weg.
Bild: Züchtungsarbeit ist sehr aufwändig, es ist viel Handarbeit und vor allem systematisches Vorgehen und Konstanz erforderlich. Nur wenige Betriebe haben diese Innovationskraft (im Bild manuelle Bestäubung von Apfelblüten).
Ein Beispiel? Der Stachelbeermehltau ist ein Klassiker unter den Pflanzenkrankheiten. Der Anbau empfindlicher Sorten ohne regelmässige Behandlung ist praktisch nicht möglich oder führt einfach zu Erntegut, das seinen Namen kaum verdient. Entsprechend gering ist die Beliebtheit von Stachelbeeren im Hausgarten. Es ist unserer Meinung nach allerdings die am meisten verkannte Beere im Garten. Markus hat dazu einen herrlichen Gartenbuch-Artikel geschrieben: Die Stachelbeere ist tot. Es lebe die Stachelbeere!
Bild: Dank neuer Züchtungen von Lubera gehört dieses Bild, von Stachelbeermehltau befallene Früchte, der Vergangenheit an.
Der konsequenten, langjährigen Züchtung von Lubera ist es zu verdanken, dass es heute mit den Crispa®-Stachelbeeren und der stachellosen Easycrisp®-Familie mehltauresistente Stachelbeeren gibt, die den Schrecken der Krankheit vergessen machen. Aber wie alles im Leben benötigt es noch Zeit, bis dies in der Gartenpraxis angekommen ist. In 10 Jahren werden (die Lubera) Stachelbeeren vermutlich ein Must-have im Garten jedes engagierten Pflanzenfreundes sein.
Es gäbe zuhauf weitere Beispiele erfolgreicher Lubera-Züchtungsarbeit. Resistente Kartoffeln, gesunde Apfelbäume, OpenSky® Tomaten und -Chilis, Freilandgurken, Melonen für unsere Breiten, etcpp. Lubera wird diesen Weg weitergehen. Die Investitionen in die Züchtung bleiben hoch, die Suche nach robusteren, besseren Sorten steht im Zentrum unserer Arbeit. Gleichzeitig halten wir an einer Produktion fest, die Pflanzen nicht schont, sondern stärkt. Das Ziel ist nicht die perfekte Pflanze im Moment des Verkaufs, sondern die Pflanze, die im Garten funktioniert.
Und vielleicht liegt genau darin der entscheidende Unterschied. Nicht in der Abwesenheit jeder Laus, sondern in der Fähigkeit der Pflanze, mit ihr zu leben...
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.