Kernloser Apfel 'Faibella'

Der samenlose Apfel 'Faibella' ohne Kerne und ohne Kerngehäuse, eine botanische Kuriosität - oder die Zukunft des Apfels?

Kernloser Apfel 'Faibella' Malus domestica 'Faibella'
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Der kernlose Apfel ‘Faibella’ ist eine botanische Kuriosität, die wir in der Schweizer Sortensammlung von Fructus gefunden haben. Die mittelgrossen bis grossen zweifarbigen Äpfel entwickeln keine Kerne, das Kerngehäuse ist fast vollständig mit Fruchtfleisch gefüllt, der Apfel kann bis auf den Stiel vollständig gegessen werden. Ein richtiger Apfelliebhaber sollte sich diese Spezialität nicht entgehen lassen. Und vielleicht sehen wir in dieser offensichtlich alten Sorte sogar einen Teil der Zukunft des Apfels…

Die Vorteile des kernlosen Apfels ‘Faibella’

  • ’Faibella’ bildet in der Regel keine Kerne aus, das Kerngehäuse ist weitestgehend mit Fruchtfleisch gefüllt
  • Der ganze Apfel kann gegessen, verwendet werden
  • Säuerlich würziger Geschmack, geeignet auch für Apfelmus, Smoothies und Kuchen

Wie kommt die Kernlosigkeit bei ‘Faibella’ zustande? 

Zuallererst liegt natürlich die Frage nahe, ob es sich bei ‘Faibella’ um ein GMO, um einen künstlich genmanipulierten Apfel handelt? Nein, ‘Faibella’ ist ganz im Gegenteil sogar eine alte Sorte, die wir zusammen mit anderen alten samenlosen Sorten wie Spencer Seedless oder Wellington Bloomless für die Züchtung neu entdeckt haben. Die Samenlosigkeit kommt durch einen auf den ersten Blick nicht zusammenhängenden Doppelmechanismus zustande: Die Blüten bilden keine Petalen/Blütenblätter aus, dadurch werden sie nicht von Insekten beflogen, es gibt also keine normale Befruchtung – damit erklärt sich zunächst einmal, dass keine Samen entstehen. Und der zweite Mechanismus: Das ist der parthenokarpe Fruchtansatz, das heisst auch ohne Befruchtung und ohne Kernproduktion und die entsprechenden Hormone beginnt die Frucht aus dem Blütenboden zu wachsen. ‘Faibella’ und auch Spencer und Wellington sind mittelgrosse bis grosse Äpfel, also gar nicht klein, wie man vielleicht erwarten würde. Die häufige Ausbildung parthenokarper Früchte kennen wir etwa von der Birnensorte Conference. Hier kann es gerade auch nach einem Frostfrühling zu einem Vollertrag kommen, weil sich parthenokarpe Früchte bilden. Diese sind dann bei Conference meist etwas kleiner als die normalen Früchte und vor allem deutlich langgezogener.  Zusammengefasst: Die Kernlosigkeit bei ‘Faibella’ entsteht durch die Kombination von Blüten ohne Blütenblätter und parthenokarper Fruchtbildung.

Aber wie kann man sich das Phänomen der Samenlosigkeit bei ‘Faibella’ und einigen anderen alten Sorten erklären?

Naja, evolutionär macht natürlich die Kernlosigkeit nicht sehr viel Sinn, darum kommt sie auch extrem selten vor und ist darüber hinaus als genetische Eigenschaft nur rezessiv verankert und vielleicht sogar noch etwas komplizierter. Das ist der gleiche Effekt, den wir zum Beispiel auch vom Zwergenwuchs bei vielen Pflanzenarten kennen: Was in der Natur eigentlich kaum überleben kann (ein Apfel ohne Samen, ein kleiner Himbeerstrauch, der laufend niedergetrampelt wird) überlebt genetisch nur als rezessive, normalerweise nicht sichtbare Eigenschaft. Diese wird nur sichtbar, wenn sie im Genom doppelt (bei einer diploiden Art auf beiden Chromosomensträngen) vorhanden ist. Und das wiederum kann nur geschehen durch die Kreuzung zweier Sorten, die diese negative rezessive Eigenschaft beide in sich tragen. Wir halten also fest: Genetisch ist das wohl eine rezessive Eigenschaft – aber was genau passiert da an der Oberfläche, in der Blüte? Wie genau kann es zu dieser Kernlosigkeit kommen?

Die spezielle Blütenausbildung bei samenlosen Äpfeln

Die perfekte Ausbildung der Blüte ist eine diffizile Angelegenheit und aus Sicht der Pflanze auch extrem wichtig. So dezentral Pflanzen angelegt ein mögen (im Vergleich zum zentralen Nervensystem des Menschen, das alles steuert), eine ihrer Achillesfersen ist sicher die Frucht- und Samenbildung, die ja für die Fortpflanzung entscheidend ist. Die Gene, die für den Blütenaufbau verantwortlich sind, senden wohl so etwas wie Botenstoffe aus, die den Bau steuern und überwachen. Dabei kann es – allerdings ganz selten – zu Mutationen und Fehlern kommen, die das Gleichgewicht der Blüte stören. Häufig ist zu beobachten, dass die Blütenorgane zwar in der Summe gleich bleiben, aber dass sich die Schwerpunkte verändern. Beispielsweise bei gefüllten Blütenformen: Da werden ja Staubfäden zu Blütenblättern, die dann nach und nach die Blüte füllen und irgendwann auch die Befruchtung verunmöglichen. Auch eine ziemliche Sackgasse😉. Ein ähnlicher Effekt scheint bei ‘Faibella’ und bei den anderen meist aus dem 19. Jahrhundert stammenden amerikanischen Kernlos-Sorten vorzuliegen: Die Blütenblätter sind gänzlich verschwunden, dafür sind die Kelchblätter, die Sepalen viel stärker entwickelt, sie übernehmen bei der Blüte fast die Schutz-Funktion der allerdings sehr viel attraktiveren Blütenblätter. Bei einigen samenlosen Sorten sind auch die Staubfäden und vor allem die Staubbeutel weitgehend verdrängt, dagegen gibt es z.B. bei Spencer Seedless sogar mehrere Griffel. Wenn sich also doch mal eine Biene auf diese Blüte verirrt, gibt es ganz viele Samen😉.

Noch etwas weiter gedacht: Die Mutation, die sich bei den samenlosen Apfelsorten ganz offensichtlich zeigt, verstärkt ja die Sepalen, die Kelchblätter, die ihrerseits ganz nah beim Blütenboden angesiedelt sind, aus dem ja die eigentliche Apfelfrucht bzw. ihr Fruchtfleisch entsteht. Mit etwas botanisch -biologischer Phantasie kann man sich gut vorstellen, dass so die Blütenveränderungen und die Parthenokarpie sachlich verbunden sind und durch das gleiche Gen oder die gleiche kleine Gengruppe ausgelöst werden.

Machen samenlose Äpfel Sinn?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Züchtung samenloser Äpfel eine genetische Sackgasse darstellt: Es gibt keine Samen, kaum Pollen, wie soll man da weiterzüchten? Allerdings ist das zu kurz gedacht, bei einem samenlosen Apfel ist jederzeit eine künstliche Befruchtung mit dem Pinsel oder mit Hilfe einer fleissigen Biene oder Hummel möglich, und schon entstehen wieder Samen, und zwar im Überfluss. Wenn wir den Apfel mit anderen Früchten (Tafeltrauben, Zitrus, Gurken) vergleichen, so könnte die Entwicklung von samenlosen Sorten durchaus Sinn machen: Der Snackapfel kann ganz und ohne Abfall gegessen werden. In der Verarbeitung steht bis zu 30% mehr Fruchtfleisch zur Verfügung, es gibt also viel weniger Verlust, Foodwaste wäre ja der moderne Begriff dafür. Der Apfel ist ein Fremdbefruchter und darum muss auch in monokulturellen Apfelplantagen immer für Befruchter gesorgt werden; dies würde dann mit kernlosen Apfelsorten weitgehend wegfallen. Soviel auf der Habenseite… Auf der anderen Seite ist die Blüte sicher einer der Höhepunkte im Apfeljahr – darauf muss man bei samenlosen Apfelsorten definitiv verzichten.

‘Faibella’ – Che cosa fai di bello

Leider habe ich keine weiteren Informationen zu ‘Faibella’ gefunden – ausser dem, was wir selber im Anbau gelernt haben. Es ist jedenfalls nicht unmöglich, dass es sich dabei um die Mutation oder auch nur um den Import einer der amerikanischen samenlosen Sorten aus dem 19. Jahrhundert handelt. Auch der Name gibt einige Rätsel auf: Auf Italienisch heisst 'Che cosa fai di bello' so viel wie: 'Hey was treibst du gerade?' Und das könnte man die so spezielle Apfelsorte 'Faibella' sehr wohl auch fragen, wenn man ihre komischen Apfelblüten betrachtet oder in den Apfel ohne Kernhaus beisst: Was treibst du da eigentlich?

Kurzbeschreibung der samenlosen Apfelsorte ‘Faibella’

Form /Aussehen: Mittel bis gross, rund, eher flach; Grundfarbe dunkelgrün, Deckfarbe braunrot, zu 40-60% streifig gefärbt. Der Apfel gefällt, ist im Gegensatz zu den verkrüppelten Blüten (siehe unten) durchaus akzeptabel, würde aber nach modernen Gesichtspunkten kaum ins Verkaufsgestell kommen. Das ist aber noch lange kein Grund, ihn nicht anzubauen und zu geniessen
Blüte: Die Blüten zeigen keine Blütenblätter, dafür sind die Sepalen, die Kelchblätter überstark entwickelt.
Textur/Festigkeit: Das Fruchtfleisch ist fest und saftig. Durchaus knackig. Gegen Schluss des Genusses wird der Apfel dann etwas 'chätschig', zäh. Also keine Textur, die etwa mit Sparkling oder Honeycrunch vergleichbar wäre, aber durchaus ok
Geschmack/Aroma: ‘Faibella’ ist ein säuerlich aromatischer Apfel, eindeutig auf der sauren Seite, aber dank der guten Würze auch ein guter Essapfel. Die betonte Säure macht ‘Faibella’ zum perfekten Kuchenapfel, die Kernlosigkeit vereinfacht aber natürlich auch die Verwendung als Apfelmus oder in Smoothies.
Wuchs: mittelstark, eher aufrechter Wuchs
Gesundheit: Wir haben ‘Faibella’ in unserer Züchtungsanlage ohne Pflanzenschutz kultiviert und die alte Sorte scheint gut widerstandsfähig gegen Schorf und Mehltau zu sein, ist jedenfalls nicht negativ aufgefallen
Ernte: in einem frühen Jahr Mitte September, in einem normalen Jahr wohl Ende September
Lagerfähigkeit: ca. 3 Monate, ‘Faibella’ ist ein später Herbstapfel oder ein früher Lagerapfel

Fragen, Antworten und Gartenstorys zu Kernloser Apfel 'Faibella' (0)

Name: Kernloser Apfel 'Faibella' Botanisch: Malus domestica 'Faibella'
Reifezeit: Mitte Sept. bis Anf. Okt. Blätterfarbe: grün
Blütenfarbe: weiss Endhöhe: 2m - 3m
Endbreite: 2m - 3m Sonne: Halbschatten, Vollsonne
Boden Feuchtigkeit: feucht, trocken Boden Schwere: schwer, mittelschwer, leicht
Boden pH-Wert: schwach alkalisch, neutral, schwach sauer Winterhärte: winterhart
Verwendung: Süd- und Westwände, Einzelpflanze Erhältlich: Februar bis November
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