Zusammenfassung
Die Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais entscheidet über volle Kolben, süsse Körner und eine hohe Erntequalität. Jede Maisseide muss ein Pollenkorn erhalten, damit sich an ihrer Stelle ein Korn entwickeln kann. Für eine gute Befruchtung sollten Zuckermaispflanzen deshalb in Blöcken mit mehreren Reihen angebaut werden. Eine Besonderheit des Maises ist der Xenia-Effekt: Der Pollenspender kann bereits die Eigenschaften der aktuellen Ernte beeinflussen. Fremdpollen von Feldmais, Popcornmais oder ungeeigneten Zuckermaissorten kann die Körner weniger süss und stärker stärkehaltig machen. Wer Sortenwahl, Blühzeitpunkt und Standort bereits vor der Aussaat plant, schafft die besten Voraussetzungen für volle Kolben und aromatischen Zuckermais.
Praxis-Tipps
Mindestens 9–12 Pflanzen anbauen: Einzelne Pflanzen oder kleine Gruppen bestäuben sich oft schlecht. Je grösser der Bestand, desto zuverlässiger funktioniert die Bestäubung.
Zuckermais immer im Block pflanzen: Statt einer langen Reihe sollte Zuckermais in mehreren Reihen nebeneinander angebaut werden. So gelangt mehr Pollen auf die Maisseiden und die Kolben werden gleichmässiger gefüllt.
Auf benachbarten Mais achten: Stehen in der Umgebung andere Maispflanzen, kann dessen Pollen die Qualität deines Zuckermaises beeinträchtigen. Frühe Sorten, vorgezogene Pflanzen oder Zuckermais-Jungpflanzen helfen, die Blüte zeitlich vorzuziehen.
Fahne, Kolben und Maisseide – Der Aufbau der Maisblüten
Mais gehört zu den einhäusigen Pflanzen. Das bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze vorkommen, jedoch räumlich voneinander getrennt sind. Diese Besonderheit fördert die Fremdbefruchtung und damit den genetischen Austausch zwischen verschiedenen Pflanzen. Obwohl Mais grundsätzlich auch Selbstbefruchtung ermöglicht, stammt ein grosser Teil des Pollens von benachbarten Pflanzen.
Die männliche Blüte: Die Fahne
Die männliche Blüte befindet sich an der Spitze der Pflanze und wird als Fahne oder Rispe bezeichnet. An ihren zahlreichen Seitenästen sitzen die Blüten, in denen die Pollenkörner gebildet werden. Sobald die Fahne vollständig entwickelt ist, hat die Maispflanze ihre maximale Wuchshöhe erreicht und beginnt mit der Kornbildung.
Bild: An der Spitze der Maispflanze sitzt die männliche Blüte, die sogenannte Maisfahne.
An trockenen Tagen öffnen sich die Staubbeutel und setzen grosse Mengen Pollen frei. Eine einzelne Pflanze produziert mehrere Millionen Pollenkörner. Diese enorme Menge ist für die Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais notwendig, da Mais ausschliesslich vom Wind bestäubt wird und nur ein kleiner Teil des Pollens tatsächlich auf einer geeigneten Maisseide landet.
Die weibliche Blüte: Der Kolben
Die weibliche Blüte entwickelt sich in den Blattachseln und bildet den späteren Maiskolben. Aus seiner Spitze ragen die sogenannten Narbenfäden oder die Maisseide heraus. Jeder einzelne Faden ist mit einer Samenanlage verbunden, aus der nach erfolgreicher Befruchtung genau ein Maiskorn entsteht.
Die Narbenfäden erscheinen meist wenige Tage nach Beginn des Pollenflugs. Ihre klebrige Oberfläche fängt vorbeifliegenden Pollen auf. Nach erfolgreicher Bestäubung welken die Fäden und verfärben sich braun. Jede einzelne Maisseide gehört zu genau einem Korn. Fehlt der Pollen, fehlt später auch das Korn. Wer sich schon einmal über Lücken im Kolben gewundert hat, sieht hier die Ursache.
Bild: Die weibliche Blüte entwickelt sich in den Blattachseln entlang des Stängels und bildet den späteren Maiskolben. Aus ihrer Spitze ragen die langen Narbenfäden, die sogenannte Maisseide.
Selbst- und Fremdbefruchtung von Zuckermais
Da sich männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze befinden, sind sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchtung möglich. Dennoch ist Mais biologisch auf Fremdbefruchtung ausgelegt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die männlichen Blüten der Fahne meist einige Tage früher reifen als die weiblichen Blüten des Kolbens. Diese zeitliche Verschiebung wird als Protandrie bezeichnet und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Selbstbestäubung.
In der Praxis wird der Pollen deshalb überwiegend zwischen benachbarten Pflanzen ausgetauscht. Das sorgt für genetische Vielfalt, führt aber auch dazu, dass sich verschiedene Maissorten leicht miteinander kreuzen können. Besonders bei Zuckermais spielen Pollenflug und Blühzeitpunkt eine wichtige Rolle.
Für eine erfolgreiche Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais müssen Pollenflug und Seidenbildung zeitlich zusammenpassen. Die Narbenfäden bleiben nur wenige Tage empfänglich. Bei Hitze oder Trockenheit können sie verspätet erscheinen oder schneller austrocknen, sodass nicht alle Samenanlagen bestäubt werden. Die Folge sind die typischen Lücken im Kolben, häufig an der Spitze.
Die Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais: Der Pollenflug
Mais wird fast ausschliesslich durch den Wind bestäubt. Die männlichen Blüten der Fahne produzieren Millionen von Pollenkörnern, von denen jedoch nur ein kleiner Teil auf einer Maisseide landet. An warmen, trockenen Tagen geben die Staubbeutel den Pollen frei, der anschliessend vom Wind zu den weiblichen Blüten getragen wird.
Bild: Obwohl Mais vom Wind bestäubt wird, interessieren sich Honigbienen manchmal für den nahrhaften Pollen.
Da Maispollen auch über grössere Entfernungen transportiert werden kann, können sich verschiedene Maissorten leicht miteinander kreuzen. Für die Saatgutgewinnung ist das wichtig. Bei Zuckermais kann Fremdpollen aber noch weiterreichende Folgen haben: Er kann bereits die Eigenschaften der aktuellen Ernte beeinflussen.
Der Aufbau des Maiskorns und der Xenia-Effekt
Ein Zuckermaiskolben kann perfekt aussehen und trotzdem weniger süss schmecken als erwartet – manchmal ist der Grund ein falscher Pollenspender in der Nachbarschaft. Die Süsse eines Zuckermaiskolbens hängt nicht nur von der Mutterpflanze ab. Beim Mais hat auch der Vater einen grossen Einfluss.
Ein Maiskorn besteht aus einer schützenden Aussenhülle (Perikarp), dem Keimling (Embryo) und dem Endosperm (Nährgewebe). Das Endosperm bildet den grössten Teil des Korns und enthält die Zucker- und Stärkespeicher. Eine Besonderheit des Maises ist, dass die verschiedenen Kornbestandteile nicht dieselbe genetische Herkunft haben. Während die Aussenhülle ausschliesslich von der Mutterpflanze gebildet wird, tragen Endosperm und Embryo auch die Gene des Pollenspenders in sich.
Bild: Der Querschnitt zeigt das schützende Perikarp, das grosse Endosperm sowie den Embryo, aus dem die neue Pflanze wächst.
Dadurch kann der Vater beim Mais die aktuelle Ernte beeinflussen – und nicht erst die nächste Generation. Dieses Phänomen wird als Xenia-Effekt oder Xenie bezeichnet. Anders als bei Tomaten oder Gurken können sich die Eigenschaften des Pollens bereits an den geernteten Körnern bemerkbar machen. Jeder Maiskolben erzählt damit auch eine kleine Geschichte seiner Bestäubung. Ob die Körner süss, voll ausgebildet und sortentypisch werden, entscheidet sich bereits während weniger Tage zur Blütezeit.
Der Xenia-Effekt tritt bei allen Maistypen auf. Bei Farbmais zeigt er sich oft in der Kornfarbe, bei Popcornmais oder anderen Spezialmaisen eher in ihren besonderen Nutzungseigenschaften. Beim Zuckermais fällt er jedoch besonders stark auf, weil sich Fremdpollen direkt auf den Zucker- und Stärkegehalt der aktuellen Ernte auswirken kann.
Der Grund liegt im Endosperm, dem Nährgewebe des Maiskorns. Seine Zusammensetzung wird nicht nur von der Mutterpflanze, sondern auch vom Pollenspender beeinflusst. Die typische Süsse von Zuckermais beruht darauf, dass im Endosperm weniger Stärke und dafür mehr Zucker eingelagert wird. Gelangt jedoch Pollen von Feldmais, Popcornmais oder ungeeigneten Zuckermaistypen auf die Maisseide, verändert sich diese Zusammensetzung. Die Körner werden weniger süß, stärker stärkehaltig und oft auch etwas mehliger.
Besonders empfindlich reagieren moderne supersüsse Zuckermaissorten. Bei ihnen kann eine Fremdbestäubung die Qualität der Ernte deutlich beeinträchtigen.
Bild: Supersüsse Zuckermaissorten wie 'Damaun KS' sollten nur von anderen supersüssen Sorten bestäubt werden.
Auch bei der Saatgutgewinnung muss man aufpassen. Da Mais leicht auskreuzt, gehen die Sorteneigenschaften sonst verloren.
Welche Bestäubungen sind problematisch?
Der Xenia-Effekt wirft eine praktische Frage auf: Welche Bestäubungen sind für Zuckermais überhaupt problematisch? Für Zuckermais ist vor allem die Bestäubung durch andere Maistypen (Popcorn-Mais und andere) problematisch. Deren Pollen kann dazu führen, dass die Körner weniger süss werden und mehr Stärke bilden.
Auch innerhalb des Zuckermaises gibt es verschiedene Typen mit unterschiedlichen genetischen Grundlagen, die beeinflussen, wieviel Zucker und wieviel Stärke in den Körnern eingelagert werden. Einige besonders süsse Sorten reagieren empfindlich auf Fremdpollen anderer Zuckermaissorten und können dadurch an Süsse verlieren. Klassische Zuckermaissorten (su- und se-Typen) können meist problemlos zusammen angebaut werden. Supersüsse Zuckermaissorten (sh2-Typen) reagieren dagegen empfindlich auf Fremdpollen klassischer Zuckermaissorten. Umgekehrt können klassische Zuckermaissorten problemlos von supersüssen Sorten bestäubt werden. Die Qualität der Ernte wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Welche Zuckermaissorten können nebeneinander wachsen?
Klassische Zuckermaissorten (su- oder se-Typen) wie 'Golden Bantam', 'Ashworth', 'Ramondia', 'Arc en Ciel Inca' oder 'Lisanco' können im Hausgarten problemlos zusammen angebaut werden. Fremdbefruchtung innerhalb dieser Gruppen schadet der Qualität nicht. Anders verhält es sich bei supersüssen Sorten (sh2-Typen) wie 'Damaun KS'. Diese reagieren empfindlich auf Fremdpollen und sollten möglichst getrennt von anderen Zuckermaissorten blühen, damit die Kolben ihre volle Süsse entwickeln.
Tabelle: Zuckermaissorten im Vergleich: Welche können nebeneinander wachsen?
|
Sorte |
Typ |
Gemeinsam anbaubar mit |
| 'Arc en Ciel Inca' |
su |
su, se |
| 'Ashworth' |
su |
su, se |
| 'Golden Bantam' |
su |
su, se |
| 'Lisanco' |
su |
su, se |
|
'Puget Gold' |
su |
su, se |
|
'Ramondia' |
su |
su, se |
|
'True Gold' |
su |
su, se |
|
'Sweet Nugget' |
se |
se, su |
|
'Tuxana' |
se |
se, su |
| 'Damaun KS' |
sh2 |
möglichst nur sh2 |
|
'Tramunt' |
sh2 |
möglichst nur sh2 |
Was bedeutet das für den Anbau von Zuckermais im Garten?
Wer volle Kolben und möglichst süsse Körner ernten möchte, sollte bereits vor der Aussaat einige Punkte beachten. Für eine erfolgreiche Befruchtung von Zuckermais sind vor allem eine zuverlässige Bestäubung und die richtige Sortenwahl entscheidend. Am einfachsten ist es, nur einen Typen von Zuckermais anzubauen. Wenn du mehrere Maissorten anbauen möchtest, solltest du bereits vor der Aussaat überlegen, welche Sorten gleichzeitig blühen könnten und wo sie im Garten stehen sollen.
Blockanbau für sichere Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais
Einzelne Pflanzen oder kleine Reihen liefern oft schlecht gefüllte Kolben. Für eine sichere Bestäubung sollten mindestens 9 Pflanzen gemeinsam angebaut werden. Je grösser dein Zuckermaisbestand ist, desto besser bestäuben sich die Pflanzen gegenseitig. Pflanze Zuckermais möglichst in Blöcken mit mehreren Reihen statt in einer einzelnen Reihe. Drei Reihen mit je drei Pflanzen auf einem Quadratmeter haben sich bei mir im Garten als ideale Pflanzdichte für eine gute Bestäubung erwiesen.
Bild: Für eine sichere Bestäubung hat sich in Sortentests und in der Züchtung der Blockanbau bewährt.
Wie kann ich die Fremdbefruchtung bei Mais verhindern?
Zuckermais sollte generell von anderen Maistypen getrennt werden, besonders supersüsse Sorten sollten möglichst nur gemeinsam mit anderen aus derselben Sortengruppe angebaut werden. Maispollen können sehr weit fliegen. Achte daher auf Maispflanzen in der Umgebung – sowohl auf dem Acker als auch in den Gärten der Nachbarn. Um den Einfluss von Fremdpollen zu verringern, lohnt es sich, die Pflanzen vorzuziehen oder Zuckermais-Pflanzen zu kaufen. So blüht dein Zuckermais bereits, bevor der Mais in der Umgebung Pollen freisetzt.
Lassen sich verschiedene Maissorten weder durch ausreichend Abstand noch durch unterschiedliche Blühzeiten trennen, kann man die Fahnen unerwünschter Pollenspender vor der Pollenfreisetzung entfernen. Ohne männliche Blüten können Popcornmais oder andere Maistypen deinen Zuckermais nicht bestäuben.
Bild: Auch bei der Züchtung von Hybridmaissorten werden die Maisfahnen der Muttersorte entfernt. Mehrere Reihen der Muttersorte wechseln sich mit Reihen der bestäubenden Vatersorte ab.
Werden supersüsse und klassische Zuckermaissorten gemeinsam angebaut, empfiehlt es sich, die Fahnen der klassischen Sorten vor Beginn des Pollenflugs zu entfernen. So können sie die supersüssen Sorten nicht mit ihrem Pollen bestäuben und deren Süsse beeinträchtigen.
Wenn Fahnen entfernt werden, sollte darauf geachtet werden, dass genügend Pflanzen mit Fahnen verbleiben, um den gesamten Bestand zuverlässig zu bestäuben. Werden zu viele Fahnen entfernt, kann die Pollenmenge zu gering werden und die Kolben bleiben unvollständig gefüllt. Ideal ist es, wenn die supersüssen Sorten den Großteil des Pollens liefern, da diese die Qualität der klassischen Zuckermais-Sorten nicht beeinträchtigen.
Die Handbestäubung von Zuckermais
Alternativ kannst du den Zuckermais auch von Hand bestäuben. So stellst du sicher, dass die Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais ausschliesslich mit dem gewünschten Pollen erfolgt und kein Fremdpollen auf die Maisseiden gelangt. Dazu werden die männlichen und weiblichen Blüten kurz vor dem Aufblühen mit Papierbeuteln abgedeckt.
Bild: Männliche und weibliche Blüten werden vor der Blüte eingepackt.
Die männliche Fahne beginnt zwar meist einige Tage früher mit der Pollenabgabe als die weiblichen Blüten ihre Maisseiden zeigen. Da die Pollenfreisetzung jedoch mehrere Tage anhält, überschneiden sich beide Blühphasen ausreichend. Der frisch freigesetzte Pollen kann deshalb direkt von der Fahne auf die Maisseiden derselben oder einer ausgewählten Pflanze übertragen werden. Anschliessend wird der Kolben wieder mit dem Papierbeutel verschlossen, damit kein Fremdpollen eindringen kann.
Die männliche Blüte wird im Papierbeutel geschüttelt, sodass sich der Pollen im Beutel sammelt. Anschliessend wird der Beutel über die zu bestäubende weibliche Blüte gestülpt, damit der Pollen auf die Narbenfäden fällt.
Bild: Der im Papierbeutel gesammelte Pollen wird durch Überstülpen des Beutels auf die weibliche Blüte übertragen.
Mit einer gut geplanten Bestäubung und Befruchtung von Zuckermais sorgst du für gleichmässig gefüllte Kolben, hohe Süsse und eine sortentypische Ernte.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.