Inhaltsverzeichnis
- Die Heidelbeeren Bestäubung und Befruchtung
- Selbstunfruchtbarkeit – in der Natur der Normalfall
- Selbstinkompatibilität bei Heidelbeeren
- Eine kurze Geschichte der Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum)
- Andere Heidelbeerarten: häufig auf Fremdbestäubung angewiesen
- Rabbiteye-Heidelbeeren (Vaccinium virgatum)
- Lowbush-Heidelbeeren (Vaccinium angustifolium)
- Warum dennoch selbstfruchtbare Pflanzen auftreten
- Warum Fremdbestäubung für grössere Beeren sorgt
- Konsequenzen für den Garten
Zusammenfassung
Ob aus einer Blüte eine grosse, gut entwickelte Beere entsteht, entscheidet die Heidelbeeren Bestäubung. Zunächst übertragen Insekten wie Hummeln, Wildbienen oder Honigbienen den Pollen auf die Narbe der Blüte. Besonders effektiv sind Hummeln, weil sie die Blüten durch Vibrationsbestäubung in Schwingung versetzen und so den Pollen freisetzen. Nach der Bestäubung wächst ein Pollenschlauch zum Fruchtknoten, wo die Befruchtung stattfindet und sich Samen entwickeln. Diese Samen spielen eine wichtige Rolle für die Fruchtgrösse: Je mehr Samen entstehen, desto mehr Wachstumshormone werden gebildet und desto grösser kann die Beere werden. Viele Heidelbeerarten sind nicht selbstfruchtbar und profitieren von Fremdbestäubung durch eine zweite Sorte. Besonders Rabbiteye- und Lowbush-Heidelbeeren benötigen häufig Fremdpollen. Auch bei selbstfruchtbaren Kulturheidelbeeren führt Fremdbestäubung meist zu grösseren, früher reifenden Früchten.
Praxis-Tipps
Auf Selbstfruchtbarkeit achten: Nicht alle Heidelbeeren sind selbstfruchtbar. Besonders Rabbiteye-Heidelbeeren (Pinkbeere® 'Pink Lemonade'®, Heidelbeere 'Buddy Blue') und Lowbush-Heidelbeeren (Lowberry® Heidelbeere 'Little Blue Wonder', Heidelbeere ‘Hello AGAIN’®) benötigen eine zweite, kompatible Sorte für eine gute Bestäubung.
Zwei oder mehr Sorten pflanzen: Auch bei selbstfruchtbaren Heidelbeersorten führt Fremdbefruchtung meist zu höherem Fruchtansatz, grösseren Beeren und einer früheren Reife.
Bestäuber gezielt fördern: Hummeln und Wildbienen sind besonders effiziente Bestäuber. Du kannst sie fördern, indem du im Garten Blumenmischungen oder Bienenweiden aussäst. Diese liefern über viele Monate hinweg Nektar und Pollen und locken so mehr Bestäuber in deinen Garten – auch während der Heidelbeerblüte.
Die Heidelbeeren Bestäubung und Befruchtung
Damit aus einer Heidelbeerblüte eine Frucht entstehen kann, müssen zwei Schritte stattfinden: Bestäubung und Befruchtung. Die Heidelbeeren Bestäubung erfolgt meist durch Insekten wie Honigbienen, Hummeln oder Wildbienen. Die Heidelbeerblüten sind glocken- bzw. urnenförmig aufgebaut, und die Staubblätter liegen relativ verborgen im Inneren der Blüte. Besonders effizient wird der Pollen von Insekten freigesetzt, die die Blüten in Schwingung versetzen. Vor allem Hummeln und bestimmte Wildbienen nutzen dabei die sogenannte Vibrationsbestäubung (Buzz Pollination): Sie klammern sich an die Blüte und bringen sie durch Muskelvibrationen zum Schwingen, sodass der Pollen aus den Staubbeuteln herausgeschüttelt wird und auf die Narbe gelangt oder am Körper der Insekten haften bleibt und zu anderen Blüten transportiert wird. Hummeln und grosse Wildbienen gehören deshalb zu den wichtigsten Helfern bei der Heidelbeeren Bestäubung. Honigbienen sind weniger effizient, weil sie keine echte Vibrationsbestäubung durchführen und häufig mehrere Blütenbesuche nötig sind.
Bild: Hummeln sind besonders effizient bei der Heidelbeeren Bestäubung.
Erst nach der Heidelbeeren Bestäubung beginnt die eigentliche Befruchtung. Das Pollenkorn keimt auf der Narbe, bildet einen Pollenschlauch und wächst durch den Griffel bis zum Fruchtknoten, wo die männlichen und weiblichen Geschlechtszellen miteinander verschmelzen. Aus den befruchteten Samenanlagen entwickeln sich später die Samen, während der Fruchtknoten zur Heidelbeere heranwächst. Die Anzahl der befruchteten Samen spielt auch eine wichtige Rolle für die spätere Fruchtgrösse. Jeder Samen produziert pflanzliche Wachstumshormone, die das Wachstum des Fruchtfleisches anregen. Je mehr Samen sich in einer Beere entwickeln, desto stärker wird das Fruchtwachstum stimuliert – und desto grösser kann die Heidelbeere werden.
Pflanzen unterscheiden sich jedoch darin, welcher Pollen zur Befruchtung geeignet ist. Selbstfruchtbare Arten können mit ihrem eigenen Pollen befruchtet werden und benötigen keine zweite Sorte. Nicht selbstfruchtbare Arten hingegen sind auf Pollen einer genetisch unterschiedlichen Pflanze derselben Art angewiesen. Diese Fremdbefruchtung ist in der Natur weit verbreitet, weil sie genetische Vielfalt schafft und damit die Anpassungsfähigkeit der Population erhöht. Selbst bei selbstfruchtbaren Kultursorten zeigt sich allerdings oft, dass Fremdbestäubung den Fruchtansatz sowie Fruchtgrösse und Fruchtqualität deutlich verbessern kann.
Selbstunfruchtbarkeit – in der Natur der Normalfall
In der Natur sind viele Pflanzenarten nicht selbstfruchtbar, sondern besitzen Mechanismen der sogenannten Selbstinkompatibilität. Dabei kann die Blüte zwischen eigenem und fremdem Pollen unterscheiden: Gelangt eigener Pollen auf die Narbe, wird eine Befruchtung verhindert. Selbstunfruchtbarkeit ist daher kein Defekt, sondern ein ausgeklügeltes genetisches Kontrollsystem. Schätzungen zufolge sind rund 40 % der Blütenpflanzen nicht selbstfruchtbar, bei langlebigen, verholzenden Arten sogar noch häufiger.
Der evolutionäre Vorteil dieses Systems liegt darin, dass es Fremdbefruchtung fördert und damit die genetische Vielfalt innerhalb einer Population erhöht. Würde sich eine Pflanze überwiegend selbst befruchten, käme es langfristig zu Inzucht. Dadurch könnten schädliche genetische Eigenschaften häufiger auftreten und die Anpassungsfähigkeit an Krankheiten, Schädlinge oder Umweltveränderungen sinken. Fremdbestäubung trägt deshalb wesentlich dazu bei, die genetische Vielfalt und Vitalität einer Pflanzenart zu erhalten.
Diese Auskreuzung wirkt gewissermassen als Motor der Evolution. Durch die ständige Neukombination des Erbguts entstehen Populationen mit einer grösseren Anpassungsfähigkeit gegenüber Krankheiten, Schädlingen und klimatischen Veränderungen. In stabilen Ökosystemen überwiegen daher meist die Vorteile der genetischen Vielfalt gegenüber dem Risiko, dass eine Fortpflanzung gelegentlich ausbleibt, wenn zu wenig Bestäuber vorhanden sind.
Selbstinkompatibilität bei Heidelbeeren
Auch bei den Heidelbeeren ist dieses Prinzip weit verbreitet. Viele Wildarten sind darauf angewiesen, dass der Pollen von genetisch unterschiedlichen Pflanzen stammt. Selbst wenn eigener Pollen auf die Narbe gelangt, wird die Befruchtung häufig blockiert oder führt nur zu einem sehr geringen Fruchtansatz. Deshalb spielen Bestäuber und der Pollentransfer zwischen verschiedenen Pflanzen in natürlichen Heidelbeerpopulationen eine entscheidende Rolle für die Fruchtbildung.
Eine kurze Geschichte der Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum)
Heidelbeeren gehören heute zu den beliebtesten Beerensträuchern im Garten. Dabei ist die Kulturheidelbeere eine vergleichsweise junge Kulturpflanze: Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann der amerikanische Botaniker Frederic Vernon Coville, wilde Heidelbeeren systematisch zu untersuchen und daraus die ersten Sorten zu züchten. Die Grundlage dieser Domestikation bildete vor allem Vaccinium corymbosum, die nordamerikanische Northern Highbush Heidelbeere mit ihren vergleichsweise grossen Früchten. In der Natur sind Heidelbeeren – wie viele Wildpflanzen – meist nicht selbstfruchtbar. In der Züchtung wurden jedoch bevorzugt Pflanzen selektiert, die auch ohne fremden Pollen zuverlässig Früchte ansetzen. Deshalb gelten viele moderne Kulturheidelbeeren heute als selbstfruchtbar, auch wenn Fremdbestäubung Ertrag und Fruchtqualität häufig weiter verbessert.
In unserem Artikel «Kulturheidelbeeren» findest du weitere interessante Details über die Kulturgeschichte dieser beliebten Beeren.
Andere Heidelbeerarten: häufig auf Fremdbestäubung angewiesen
Während viele Heidelbeersorten auf Basis von Vaccinium corymbosum heute weitgehend selbstfruchtbar sind, gilt das für andere Heidelbeerarten oft nicht. Sie stehen den ursprünglichen Wildpflanzen genetisch noch deutlich näher und sind im Domestikationsprozess weniger stark auf Selbstfruchtbarkeit selektiert worden als Vaccinium corymbosum.
Rabbiteye-Heidelbeeren (Vaccinium virgatum)
Die Rabbiteye-Heidelbeeren stammen aus den wärmeren Regionen der südlichen USA und sind deshalb besonders gut an warme Klimazonen angepasst. Sie zeichnen sich durch robuste Pflanzen und hohe Erträge aus, sind jedoch in der Regel nicht selbstfruchtbar. Für eine gute Befruchtung müssen daher mindestens zwei kompatible Sorten gepflanzt werden, deren Blütezeiten sich überschneiden. Ohne passende Pollenspender bleibt der Fruchtansatz meist deutlich geringer. Untersuchungen an Rabbiteye-Heidelbeeren zeigten, dass der Fruchtansatz nach Selbstbestäubung im Durchschnitt nur bei 15 % lag, während er bei Fremdbestäubung auf 58 % anstieg. Unsere Sorten Pinkbeere® 'Pink Lemonade'® und die Heidelbeere 'Buddy Blue' tragen viel Rabbiteye-Genetik in sich und sind daher nur eingeschränkt selbstfruchtbar.
Bild: Die Heidelbeere Pinkbeere® 'Pink Lemonade'® profitiert von Fremdbefruchtung.
Bild: Die Heidelbeere 'Buddy Blue' ist kaum selbstfruchtbar.
Lowbush-Heidelbeeren (Vaccinium angustifolium)
Auch die niedrigen Lowbush-Heidelbeeren, eine nordamerikanische Wildart, sind überwiegend auf Fremdbefruchtung angewiesen. In ihren natürlichen Beständen wachsen viele genetisch unterschiedliche Pflanzen nebeneinander, sodass Bestäuber leicht Pollen zwischen den einzelnen Individuen übertragen können. Diese Struktur sorgt in der Natur für eine zuverlässige Fremdbestäubung. Unsere Lowberry® Heidelbeere 'Little Blue Wonder' und Heidelbeere 'Hello AGAIN'® sind Hybriden mit Vaccinium angustifolium und daher nur eingeschränkt selbstfruchtbar.
Bild: Die Lowberry® Heidelbeere 'Little Blue Wonder' fruchtet durch Fremdbefruchtung besser.
Bild: Die Heidelbeere 'Hello AGAIN'® braucht Fremdbefruchtung für einen guten Ertrag.
Warum dennoch selbstfruchtbare Pflanzen auftreten
Auch bei Arten, die grundsätzlich selbstunfruchtbar sind, können gelegentlich Pflanzen entstehen, die sich mit ihrem eigenen Pollen befruchten können. Solche Individuen entstehen durch genetische Variation innerhalb von Sämlingspopulationen. In grossen Populationen treten immer wieder einzelne Pflanzen auf, bei denen die genetischen Mechanismen der Selbstinkompatibilität abgeschwächt sind und die dadurch selbstfruchtbar sind. Solche selbstfruchtbaren Individuen sind allerdings selten. Wir konnten bei Sämlingen nicht selbstfruchtbarer Arten beobachten, dass etwa ein Prozent der Pflanzen eine gewisse Selbstfruchtbarkeit zeigt.
Aus evolutionärer Sicht ist eine absolut strenge Selbstunfruchtbarkeit nicht immer vorteilhaft. Deshalb existiert in vielen Populationen eine sehr kleine Zahl von Pflanzen, die trotz der üblichen Barrieren selbstkompatibel sind. Dieses Phänomen kann man als eine Art evolutionären „Notausgang“ verstehen: Wenn Populationen stark schrumpfen oder isoliert werden, ermöglicht diese genetische Flexibilität weiterhin Fortpflanzung und damit das Überleben der Art. Für die Züchtung sind solche selbstfruchtbaren Exemplare besonders wertvoll.
Interessante Informationen, wie wir Heidelbeeren züchten, findest du in unserem Artikel «Heidelbeerzüchtung bei Lubera: Heidelbeeren kreuzen».
Warum Fremdbestäubung für grössere Beeren sorgt
Die Art der Bestäubung hat bei Heidelbeeren einen direkten Einfluss auf Fruchtgrösse, Reifezeit und teilweise auch auf die Fruchtstruktur. Der entscheidende Faktor dabei ist die Anzahl der entwickelten Samen in der Beere. Zwischen Samenzahl und Fruchtgrösse besteht eine klare Beziehung: Je mehr Samen entstehen, desto stärker wird das Wachstum des Fruchtfleisches angeregt. Die Samen produzieren nämlich Phytohormone, die die Zellteilung im Fruchtgewebe stimulieren. Bei Selbstbestäubung entwickeln sich häufig deutlich weniger Samen – oft nur 0 bis 5 pro Beere, während bei erfolgreicher Fremdbestäubung 18 bis 35 Samen entstehen können. Entsprechend fallen die Früchte meist grösser aus. In Versuchen mit Southern-Highbush-Sorten führte Fremdbestäubung durchschnittlich zu einer Steigerung der Fruchtmasse um etwa 40%.
Auch die Reifezeit wird durch die Befruchtungsart beeinflusst. Fremdbestäubte Beeren reifen im Durchschnitt rund eine Woche früher als selbstbestäubte Früchte. In manchen Experimenten verkürzte sich die Zeitspanne von der Blüte bis zur Reife sogar um mehrere Wochen. Für den Erwerbsanbau ist das besonders wichtig, weil früh reifende Früchte oft höhere Marktpreise erzielen und ein engeres Erntefenster die Ernteorganisation und maschinelle Ernte erleichtert.
Darüber hinaus kann auch die Struktur des Fruchtfleisches variieren. Fremdbestäubte Früchte zeigen häufig eine stärker ausgeprägte Zellstruktur im Fruchtfleisch. Während die Festigkeit der Beeren bei vielen Sorten ähnlich bleibt, können manche Sorten durch Fremdbestäubung festere und transportfähigere Früchte entwickeln.
Bild: Die Bienenmischung 'Nectar plus' bietet den Bestäubern auch ausserhalb der Heidelbeerblüte Nahrung.
Konsequenzen für den Garten
Für den Anbau im Garten bedeutet das vor allem eines: Eine gute Bestäubung entscheidet über die Erntemenge und die Fruchtgrösse. Wenn du die Möglichkeit hast, pflanze daher möglichst zwei oder mehr Heidelbeersorten mit ähnlicher Blütezeit. Auch wenn deine gewählte Sorte selbstfruchtbar ist, wird sie dir den Partner an ihrer Seite mit deutlich grösseren und früher reifenden Beeren danken.
Ebenso wichtig ist es, Bestäuber im Garten zu fördern. Hummeln und Wildbienen gehören zu den effizientesten Helfern bei der Heidelbeeren Bestäubung. Blumenmischungen (z. B. Bienenweiden, oder besonders nektarreichen Blüten) sorgen dafür, dass genügend Insekten im Garten aktiv sind – auch während der Heidelbeerblüte im Frühjahr.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.