Inhaltsverzeichnis
- Wie entstehen aus Gurkenblüten Früchte?
- Wie erkenne ich männliche und weibliche Gurkenblüten?
- Warum fallen so viele Gurkenblüten ab?
- Männliche, weibliche und zwittrige Gurkenblüten
- Einhäusige Gurken – männliche und weibliche Gurkenblüten an einer Pflanze
- Gynözische Gurken – Pflanzen mit ausschliesslich weiblichen Gurkenblüten
- Weitere Typen von Gurkenblüten
- Warum entstehen aus manchen Gurkenblüten auch ohne Bestäubung Früchte?
- Warum gibt es manchmal mehr männliche und manchmal mehr weibliche Gurkenblüten?
- Wie werden samenlose Gurken vermehrt?
- Fazit
Zusammenfassung
Nicht jede Gurkenblüte entwickelt sich zu einer Frucht. Traditionelle Gurkensorten bilden sowohl männliche als auch weibliche Blüten aus. Während männliche Blüten lediglich Pollen produzieren und nach kurzer Zeit abfallen, können nur weibliche Blüten Früchte bilden. Dafür ist bei den meisten Sorten eine Bestäubung durch Insekten oder von Hand notwendig. Moderne Gurkensorten unterscheiden sich teilweise deutlich von diesem natürlichen System. Viele Gewächshausgurken sind gynözisch und bilden fast ausschliesslich weibliche Blüten. Zudem sind zahlreiche Sorten parthenokarp, sodass sie auch ohne Bestäubung samenlose Früchte hervorbringen können. Die Bildung männlicher und weiblicher Blüten wird dabei nicht nur genetisch gesteuert, sondern auch von Umweltfaktoren beeinflusst. Durch spezielle Behandlung kann man auch rein weibliche Gurkensorten dazu bringen, männliche Blüten und Samen zu produzieren.
Praxis-Tipps
Nicht jede abgefallene Blüte ist ein Problem: Männliche Gurkenblüten fallen nach der Pollenabgabe ganz natürlich ab. Solange die Pflanze gesund wächst und neue weibliche Blüten bildet, besteht kein Grund zur Sorge. Erst wenn viele weibliche Blüten mitsamt dem kleinen Fruchtansatz abfallen, solltest du nach den Ursachen suchen.
Gleichmässig giessen: Gurken reagieren empfindlich auf Trockenstress. Eine regelmässige Wasserversorgung fördert die Bildung weiblicher Blüten und verbessert den Fruchtansatz. Vermeide deshalb starke Schwankungen zwischen Trockenheit und Staunässe.
Bestäuber fördern: Wenn du klassische Freilandgurken anbaust, lohnt es sich, Bienen und Hummeln in den Garten zu locken. Blühpflanzen in der Nähe der Gurken können die Bestäubung und den Fruchtansatz verbessern.
Wie entstehen aus Gurkenblüten Früchte?
Die Gurke (Cucumis sativus) gehört zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) und weist eine für diese Pflanzenfamilie typische Fortpflanzungsbiologie auf. Traditionelle Gurkensorten bilden getrennte männliche und weibliche Blüten auf derselben Pflanze. Damit aus einer weiblichen Blüte eine samenhaltige Frucht entstehen kann, muss Pollen von einer männlichen Blüte auf die Narbe der weiblichen Blüte gelangen. Erst nach dieser Bestäubung und anschliessenden Befruchtung entwickeln sich die Samen im Inneren der Gurke.
Moderne Gurkensorten zeigen jedoch eine grosse Vielfalt an Blüten- und Fruchtbildungstypen. Insbesondere bei Gewächshausgurken spielen parthenokarpe und gynözische Sorten eine wichtige Rolle, die von den natürlichen Verhältnissen teilweise deutlich abweichen.
Das Gurken Bestäuben übernehmen im Freiland vor allem Bienen, Hummeln und andere Insekten. Erst danach können sich Samen entwickeln und bei klassischen Gurkensorten wächst aus dem Fruchtknoten eine vollständig ausgebildete Gurke heran.
Wie erkenne ich männliche und weibliche Gurkenblüten?
Wer zum ersten Mal Gurken anbaut, wundert sich oft darüber, dass viele Blüten abfallen, ohne eine Frucht zu bilden. Der Grund wird schnell sichtbar, wenn man die beiden Blütentypen genauer betrachtet.
Männliche Gurkenblüten
Männliche Blüten erscheinen meist zuerst und oft in deutlich grösserer Zahl als weibliche Blüten. Sie sitzen an einem dünnen Blütenstiel und besitzen hinter der Blüte keine Verdickung. Ihre Aufgabe besteht ausschliesslich darin, Pollen zu produzieren, der von Insekten auf die weiblichen Blüten übertragen wird.
Bild: Männliche Gurkenblüten sitzen an einem dünnen Stiel ohne Verdickung.
Nach der Pollenabgabe vertrocknen die männlichen Blüten und fallen ab. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.
Weibliche Gurkenblüten
Weibliche Blüten lassen sich leicht erkennen, weil sich direkt hinter der Blüte bereits ein kleiner Fruchtknoten befindet. Dieser sieht aus wie eine winzige Gurke und enthält die Samenanlagen.
Bild: An weiblichen Blüten lässt sich bereits die spätere Fruchtform erkennen.
Bei klassischen Gurkensorten muss die weibliche Blüte bestäubt werden, damit sich daraus eine ausgewachsene Frucht entwickeln kann. Bei parthenokarpen Sorten wächst die Gurke dagegen auch ohne Bestäubung heran.
Warum fallen so viele Gurkenblüten ab?
Keine Sorge, das Abfallen zahlreicher Gurkenblüten ist in den meisten Fällen völlig normal. Besonders die männlichen Blüten haben ihre Aufgabe bereits erfüllt, sobald sie Pollen produziert und abgegeben haben. Da sie keine Früchte bilden, vertrocknen sie meist schon wenige Tage nach dem Aufblühen und fallen anschliessend ab.
Viele Hobbygärtner vermuten dann einen Pflegefehler, einen Nährstoffmangel oder eine Krankheit. Tatsächlich handelt es sich jedoch meist um einen ganz natürlichen Vorgang. Solange die Pflanze gesund wächst und regelmässig neue weibliche Blüten bildet, besteht kein Grund zur Sorge.
Anders sieht es aus, wenn auch viele weibliche Blüten mitsamt ihrem kleinen Fruchtansatz abfallen. Dies kann auf eine unzureichende Bestäubung, Trockenstress, starke Temperaturschwankungen oder andere ungünstige Wachstumsbedingungen hinweisen.
Männliche, weibliche und zwittrige Gurkenblüten
Die Gurke weist eine aussergewöhnlich grosse Vielfalt an Blühformen auf. Diese Unterschiede beeinflussen direkt, wie leicht sich Gurken bestäuben lassen und welche Rolle die Bestäubung für die Fruchtbildung spielt.
Einhäusige Gurken – männliche und weibliche Gurkenblüten an einer Pflanze
Die meisten traditionellen Gurkensorten sind einhäusig (monözisch). Das bedeutet, dass eine Pflanze sowohl männliche als auch weibliche Blüten trägt, allerdings in getrennten Einzelblüten.
Bild: Die meisten traditionellen Gurkensorten bilden männliche und weibliche Blüten an einer Pflanze.
Auf den ersten Blick wirkt Monözie ziemlich umständlich. Warum sollte eine Pflanze männliche und weibliche Blüten getrennt ausbilden, wenn viele andere Pflanzen einfach zwittrige Blüten besitzen, die beides zugleich enthalten?
Ein wichtiger Grund ist die Vermeidung von Selbstbestäubung. Bei einer zwittrigen Blüte kann Pollen leicht auf die eigene Narbe gelangen. Das funktioniert zwar und sichert die Samenbildung, führt aber oft zu einer geringeren genetischen Vielfalt. Bei monözischen Pflanzen ist eine direkte Selbstbestäubung innerhalb derselben Blüte ausgeschlossen, weil männliche und weibliche Organe in verschiedenen Blüten sitzen.
Gleichzeitig bleibt die Pflanze flexibel. Da sie sowohl männliche als auch weibliche Blüten trägt, ist sie nicht auf einen Partner angewiesen. Selbst wenn nur wenige Pflanzen in der Umgebung wachsen, kann noch Pollen zwischen den verschiedenen Blüten derselben Pflanze übertragen werden.
Ein weiterer Vorteil: Die Pflanze kann ihre männlichen und weiblichen Blüten unterschiedlich gestalten. Männliche Blüten sind oft zahlreicher und produzieren grosse Mengen Pollen, während weibliche Blüten ihre Energie stärker in die spätere Frucht- und Samenbildung investieren. Oft wird das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Blüten an die Umweltbedingungen angepasst. Bei guten Wachstumsbedingungen entstehen häufig mehr weibliche Blüten – und damit potenziell mehr Früchte.
In unserem Artikel «Einhäusige Pflanzen und zweihäusige Pflanzen - was sind die Unterschiede?» findest du weitere spannende Informationen.
Für die Fruchtbildung müssen die weiblichen Blüten von klassischen Gurkensorten bestäubt werden. Deshalb sind einhäusige Gurken im Freiland auf Insekten oder gegebenenfalls auf eine Handbestäubung angewiesen.
Gynözische Gurken – Pflanzen mit ausschliesslich weiblichen Gurkenblüten
Bei gynözischen Gurken entstehen ausschliesslich oder nahezu ausschliesslich weibliche Blüten. Da grundsätzlich jede Blüte eine Frucht bilden kann, besitzen solche Pflanzen ein besonders hohes Ertragspotenzial.
Gynözische Linien sind heute von grosser Bedeutung für die Hybridzüchtung. Viele moderne Gewächshausgurken kombinieren die Gynözie mit der Fähigkeit zur Parthenokarpie und setzen dadurch fast jede Blüte in eine marktfähige Frucht um.
Unter bestimmten Umweltbedingungen, etwa bei starken Temperaturschwankungen oder Stress, können jedoch auch gynözische Pflanzen vereinzelt männliche Blüten hervorbringen.
Weitere Typen von Gurkenblüten
Neben den beiden wichtigsten Formen kommen bei Gurken noch weitere Typen von Gurkenblüten vor, die vor allem für die Pflanzenzüchtung von Bedeutung sind:
- Andromonözische Pflanzen tragen männliche und zwittrige Blüten.
- Gynomonözische Pflanzen bilden weibliche und zwittrige Blüten.
- Trimonözische Pflanzen besitzen gleichzeitig männliche, weibliche und zwittrige Blüten.
- Hermaphroditische (zwittrige) Blüten vereinen männliche und weibliche Organe in einer einzigen Blüte.
- Andrözische Pflanzen bilden ausschliesslich männliche Blüten und dienen vor allem züchterischen Zwecken.
Diese Vielfalt zeigt, wie flexibel die Geschlechtsausprägung bei Gurken sein kann. Für Hobbygärtner sind jedoch vor allem monözische, gynözische und parthenokarpe Sorten von praktischer Bedeutung, da sie darüber entscheiden, ob und wie Gurken bestäubt werden müssen.
Warum entstehen aus manchen Gurkenblüten auch ohne Bestäubung Früchte?
Viele moderne Gurkensorten besitzen eine besondere Eigenschaft: Sie können Früchte bilden, ohne dass zuvor eine Bestäubung oder Befruchtung stattgefunden hat. Dieses Phänomen wird als Parthenokarpie (Jungfernfrüchtigkeit) bezeichnet und zählt zu den wichtigsten züchterischen Fortschritten im modernen Gurkenanbau.
Bild: Viele moderne Gurkensorten bilden ohne Befruchtung samenlose Früchte.
Bei einer herkömmlichen Gurke löst die Befruchtung der Samenanlagen die weitere Fruchtentwicklung aus. Die entstehenden Samen produzieren Pflanzenhormone, welche das Wachstum des Fruchtknotens anregen. Die Frucht dient biologisch betrachtet vor allem dazu, die Samen zu schützen und ihre Verbreitung zu ermöglichen. Ohne Bestäubung und Befruchtung würde der Fruchtansatz bei vielen Sorten verkümmern und abfallen.
Parthenokarpe Gurken umgehen diesen biologischen Zusammenhang. Sie sind in der Lage, die für das Fruchtwachstum notwendigen Hormonsignale selbst zu erzeugen. Vor allem die Pflanzenhormone Auxine und Gibberelline spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Fruchtknoten beginnt deshalb bereits kurz nach dem Aufblühen zu wachsen, obwohl keine Befruchtung stattgefunden hat.
Die Frucht entwickelt sich weitgehend normal und erreicht ihre typische Grösse und Form. Da jedoch keine befruchteten Samenanlagen vorhanden sind, bleiben die Kerne meist unentwickelt oder fehlen vollständig. Diese Eigenschaft ermöglicht einen sicheren Fruchtansatz auch unter Bedingungen, in denen kaum oder gar keine Bestäuber vorhanden sind.
Parthenokarpie bedeutet nicht, dass eine Befruchtung unmöglich wäre. Gelangt Pollen auf die weibliche Blüte, können die Samenanlagen durchaus befruchtet werden.
In diesem Fall entwickeln sich teilweise oder vollständig ausgebildete Samen. Je nach Sorte und Intensität der Bestäubung können die Früchte dann mehr Kerne enthalten als gewünscht. Teilweise verändert sich sogar die Fruchtform, da die Samenentwicklung das Wachstum einzelner Fruchtbereiche stärker anregt.
Besonders im Gewächshaus wird deshalb darauf geachtet, den Kontakt zu bestäubenden Insekten möglichst gering zu halten.
Warum gibt es manchmal mehr männliche und manchmal mehr weibliche Gurkenblüten?
Die Geschlechtsausprägung von Gurken wird nicht nur durch die Gene bestimmt, sondern auch stark von den Umweltbedingungen beeinflusst. Besonders die Temperatur spielt eine wichtige Rolle.
Hohe Temperaturen, lange Tage und Trockenstress fördern tendenziell die Bildung männlicher Blüten. Gleichmässige Wasserversorgung und moderate Temperaturen begünstigen dagegen die Entwicklung weiblicher Blüten.Deshalb verändert sich das Verhältnis von männlichen und weiblichen Blüten oft im Verlauf einer Kulturperiode.
Auch bei gynözischen Sorten, die normalerweise fast ausschliesslich weibliche Blüten hervorbringen, können hohe Temperaturen oder andere Stressfaktoren dazu führen, dass einzelne männliche Blüten entstehen. Diese wenigen männlichen Blüten reichen unter Umständen bereits aus, um eine Bestäubung und damit die Bildung von Samen auszulösen.
Für die Saatgutproduktion kann dieser Effekt durchaus erwünscht sein. Beim Anbau parthenokarper Gewächshausgurken, bei denen möglichst kernlose Früchte erzeugt werden sollen, versucht man dagegen unerwünschte Bestäubungen zu vermeiden.
Die starke Abhängigkeit der Blütenbildung von Umweltfaktoren erklärt, warum dieselbe Sorte unter verschiedenen Anbaubedingungen unterschiedliche Anteile männlicher und weiblicher Blüten entwickeln kann. Für die Züchtung ist diese Eigenschaft besonders interessant, da sie gezielt genutzt werden kann, um die Vermehrung und Kreuzung von Gurkenlinien zu steuern.
Wie werden samenlose Gurken vermehrt?
Viele moderne Gurkensorten bilden fast ausschliesslich weibliche Blüten und entwickeln ihre Früchte auch ohne Bestäubung. Dadurch entstehen die kernarmen oder kernlosen Gurken, die heute vor allem im Gewächshausanbau weit verbreitet sind. Diese Kombination sorgt dafür, dass nahezu jede Blüte zu einer Frucht heranwachsen kann und ermöglicht die hohen Erträge moderner Schlangengurken.
Bild: Moderne Schlangengurkensorten können aus jeder Blüte eine Frucht bilden.
Für die Züchtung und Saatgutgewinnung stellt diese Eigenschaft jedoch eine besondere Herausforderung dar. Da die Pflanzen kaum männliche Blüten hervorbringen, steht normalerweise auch kein Pollen zur Verfügung, mit dem Samen erzeugt werden könnten.
Zwar können unter bestimmten Umweltbedingungen, etwa bei starken Temperaturschwankungen oder anderen Stressfaktoren, vereinzelt männliche Blüten entstehen. Für eine zuverlässige Saatgutproduktion reicht dies jedoch nicht aus.
Deshalb werden bei der Vermehrung solcher Linien gezielt männliche Blüten erzeugt. Dazu behandeln Züchter ausgewählte Pflanzen mit Silberverbindungen wie Silbernitrat oder Silberthiosulfat. Diese Stoffe beeinflussen die Blütenbildung so, dass an den normalerweise rein weiblich blühenden Pflanzen vorübergehend männliche Blüten entstehen.
Die männlichen Blüten liefern funktionsfähigen Pollen, der anschliessend für die kontrollierte Bestäubung verwendet wird. Erst durch diese Befruchtung entstehen Samen, aus denen die nächste Generation von Pflanzen heranwächst.
Auch wenn parthenokarpe Gurken für die Fruchtbildung keine Bestäubung benötigen, ist diese züchterische Technik unverzichtbar. Nur so lassen sich viele moderne Gurkensorten erhalten, vermehren und weiterentwickeln.
Fazit
Wer die verschiedenen Blütentypen kennt, versteht nicht nur besser, warum manche Blüten abfallen und andere Früchte bilden. Auch die spätere Entwicklung der Gurkenfrüchte, die Samenbildung und der richtige Erntezeitpunkt lassen sich dadurch besser nachvollziehen. Wann eine Gurke ihre optimale Genussreife erreicht und wie sich samenlose und samenbildende Gurken dabei unterscheiden, erfährst du in unserem Artikel «Wann ist eine Gurke reif?».
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