Zusammenfassung
Stachelbeeren vermehren kann man auf verschiedene Arten – Steckhölzer, Stecklinge, Absenker, Abrisse und Veredelungen liefern zuverlässig sortenechte Jungpflanzen. Die einfachste Methode ist das Steckholzschneiden im späten Winter, während Sommerstecklinge eine schnelle Bewurzelung bei hoher Luftfeuchtigkeit ermöglichen. Mit Absenkern lassen sich besonders kräftige Jungpflanzen gewinnen, und durch Abrisse erhält man viele bewurzelte Triebe auf einmal – ideal für eine grössere Pflanzenanzahl. Für kompakte Balkon- und Terrassenpflanzen werden Stachelbeeren zudem als Hochstämmchen veredelt, wofür robuste Vierbeeren-Unterlagen genutzt werden. Unabhängig von der Methode gilt: Geduld, ein lockeres Substrat und gleichmässige Feuchtigkeit sind entscheidend für eine erfolgreiche Bewurzelung und gesunde, vitale Jungpflanzen.
Praxis-Tipps
Nur gesundes, einjähriges Holz verwenden: Ob Steckholz, Steckling oder Absenker – verwende immer kräftige, unverletzte einjährige Triebe. Schwaches oder krankes Holz bewurzelt deutlich schlechter.
Für hohe Luftfeuchtigkeit sorgen: Stecklinge im Sommer wurzeln am besten, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch bleibt: eine Folienhaube, ein Mini-Gewächshaus oder regelmässiges Besprühen wirken Wunder.
Jungpflanzen früh pinzieren: Sobald neue Austriebe etwa 5 cm lang sind, die Spitzen leicht einkürzen – das fördert die Verzweigung, sorgt für kompakte Pflanzen und führt später zu stabileren, fruchtbaren Sträuchern.
Kann man durch Aussaat Stachelbeeren vermehren?
Wie bei den meisten Obstarten ist auch bei der Stachelbeere eine Vermehrung über Samen theoretisch möglich – praktisch ist sie aber für den Hausgarten nicht sinnvoll.
Jede Blüte wird neu befruchtet, es entsteht also eine genetische Neukombination. Das bedeutet:
- Die jungen Pflanzen sind nicht sortenecht,
- jeder Sämling ist genetisch einzigartig – im Grunde eine völlig neue Sorte.
Auf dem Papier klingt das spannend, weil man so neue Stachelbeersorten „züchten“ könnte. In der Praxis ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass aus einem Sämling eine wirklich wohlschmeckende, gesunde und reich tragende Sorte wird. Die Züchtung von Obstsorten ist aufwendig erfordert die Auswahl aus tausenden Nachkommen – das ist nichts für nebenbei.
Bild: Aus mehreren tausenden Samen ist in intensiver Züchtungsarbeit die Sorte Crispa® 'Darling'® entstanden.
Stachelbeeren vermehren durch Steckholz
Die einfachste und zuverlässigste Methode für das Stachelbeeren Vermehren ist die Steckholzvermehrung. Am Ende des Winters werden kräftige einjährige Triebe geschnitten.
Die zarten Triebspitzen werden abgeschnitten, und aus dem übrigen Holz bereitest du 10–15 cm lange Stücke vor. Achte darauf, dass du jedes Steckholz jeweils direkt unter einer Knospe unten und direkt über einer Knospe oben abschneidest – so gelingt sowohl der Austrieb als auch die Bewurzelung am zuverlässigsten.
Die vorbereiteten Steckhölzer setzt du anschliessend entweder in ein schattiges Anzuchtbeet oder in Töpfe, die mit einem lockeren, gut durchlüfteten Substrat gefüllt sind – ideal ist zum Beispiel unsere Fruchtbare Erde Nr. 1. Wichtig dabei: Ein grosser Teil des Steckholzes muss in der Erde verschwinden. Mindestens die Hälfte, besser noch zwei Drittel, werden eingesteckt. Achte unbedingt darauf, dass alle Knospen nach oben zeigen – sonst treibt das Steckholz nicht richtig aus.
In der Bewurzelungsphase braucht das Substrat eine gleichmässige, leichte Feuchtigkeit, darf aber keinesfalls vernässen. Im Frühjahr zeigen die Steckhölzer die ersten Austriebe. Erreichen die jungen Triebe etwa fünf Zentimeter Länge, werden ihre Spitzen leicht zurückgenommen – dieses Pinzieren regt die Verzweigung an und sorgt für kompakte, stabile Jungpflanzen. Nach rund einem Jahr sind die neuen Stachelbeersträucher kräftig genug, um an ihren endgültigen Platz im Garten umzuziehen.
In diesem Video erklärt Markus, wie wir Stachel- und Johannisbeeren durch Steckhölzer vermehren.
Stachelbeeren vermehren durch Stecklinge
Auch während der Sommermonate lassen sich Stachelbeeren sehr zuverlässig vermehren. Geeignet sind sowohl die frischen Triebspitzen (Kopfstecklinge) als auch mittlere oder untere Abschnitte eines diesjährigen Triebs.
Schneide dazu etwa 10 cm lange Stecklinge, entferne die Blätter im unteren Bereich und stecke sie in flache Kisten oder Töpfe mit einer lockeren, gleichmässig feuchten Anzuchterde. An einem warmen, hellen, aber nicht vollsonnigen Standort bilden die Stecklinge – idealerweise unter einer transparenten Haube oder Folie – rasch eigene Wurzeln, da die hohe Luftfeuchtigkeit das Anwachsen unterstützt.
Sobald sich ein kräftiges Wurzelsystem gebildet hat, werden die jungen Stachelbeeren einzeln in Töpfe gesetzt. Im Herbst können sie dann ohne Probleme an ihren endgültigen Platz im Garten umziehen.
Stachelbeeren vermehren durch Absenker
Eine weitere, sehr zuverlässige Möglichkeit, Stachelbeeren zu vermehren, ist die Absenkermethode. Sie erfordert etwas Geduld, liefert aber fast immer kräftige, gut bewurzelte Jungpflanzen.
- Trieb absenken:
Im späten Frühjahr biegst du einen kräftigen, einjährigen Trieb so weit nach unten, dass sein mittlerer Bereich den Boden berührt. - Fixieren und bedecken:
An dieser Stelle fixierst du den Trieb – beispielsweise mit einem Drahtbügel, einem Haken oder einem Stein – und deckst ihn dann mit einer Mischung aus lockerer Erde und etwas Sägemehl ab. Das Sägemehl sorgt für eine luftige Struktur und erleichtert die Wurzelbildung, während die Erde vor Austrocknung schützt. - Bewurzeln lassen und abtrennen:
Über den Sommer hinweg bildet der abgesenkte Abschnitt eigene Wurzeln. Sobald er im Herbst gut eingewurzelt ist, kannst du den neuen Jungstrauch direkt hinter dem bewurzelten Bereich vom Mutterstock abschneiden. Der fertige Stachelbeer-Absenker kann anschliessend sofort an seinen endgültigen Standort gepflanzt werden.
Stachelbeeren vermehren durch Abrisse
Auch durch Abrisse kann man Stachelbeeren vermehren – eine Methode, die vor allem in professionellen Vermehrungsbetrieben für Veredelungsunterlagen eingesetzt wird.
Du pflanz eine junge Stachelbeerpflanze an einen sonnigen, nährstoffreichen Platz und lässt sie eine ganze Saison ungestört wachsen. Im folgenden Winter oder zeitigen Frühjahr schneidest du alle Triebe konsequent bis knapp über dem Boden zurück.
Im zweiten Jahr reagiert die Pflanze mit einem besonders starken Austrieb und bildet zahlreiche neue, lange und gerade Jungtriebe. Sobald diese etwa 20 cm Höhe erreicht haben, häufelst du den unteren Bereich der Pflanze mit lockerer, humusreicher Komposterde an. Unter dieser Erdschicht entstehen an den Trieben sogenannte Adventivwurzeln, also zusätzliche Wurzeln, die den späteren Abrissen ein selbstständiges Leben ermöglichen.
Im darauffolgenden Winter, wenn die Pflanzen ruhen, entfernst du die angehäufelte Erde wieder sorgfältig. Die inzwischen bewurzelten Jungtriebe lassen sich nun direkt unterhalb des neu gebildeten Wurzelansatzes sauber von der Mutterpflanze abtrennen. So erhältst du zahlreiche vitale Stachelbeer-Jungpflanzen, die sich entweder weiterkultivieren oder direkt auspflanzen lassen.
In diesem Video erklärt Markus, wie wir durch Anhäufeln und Abrisse Apfelunterlagen vermehren.
Stachelbeer-Hochstämme vermehren
Stachelbeer-Hochstämme eignen sich besonders für den Balkon, die Terrasse oder kleine Gärten. Ihre Vermehrung ist etwas anspruchsvoller als die übrigen Vermehrungsmethoden, da diese in der Regel veredelt werden.
Bild: Das Hochstämmchen Easycrisp® 'Lady Late' eignet sich gut für kleinere Gärten, Balkone oder Terrassen.
Unterlagen vorbereiten
Die Basis bildet eine kräftige Unterlage – bei Stachelbeeren verwendet man dafür in der Regel lange, gut bewurzelte Ruten der Vierbeere (Ribes aureum), da sie robust, langlebig und wüchsig sind.
Diese Unterlagen zieht man wie bei normalen Beerensträuchern über Steckhölzer, Absenker oder Abrisse heran. Sobald die jungen Pflanzen ausgepflanzt sind, entfernst du alle neuen Triebe bis auf den stärksten. Im darauffolgenden Frühjahr wird dieser einzelne Trieb knapp über einem Auge zurückgeschnitten. Dadurch entwickelt die Unterlage einen besonders kräftigen, geraden Haupttrieb – das spätere „Stämmchen“. Seitentriebe müssen konsequent entfernt werden.
Lubera-Tipp:
Die Vierbeere liefert übrigens nicht nur hervorragende Unterlagen – sie trägt auch aromatische Früchte. Im Lubera-Shop kannst du mehrere Sorten der Vierbeeren kaufen.
Bild: Vierbeeren liefern auch aromatische Früchte, wie hier die Vierbeere® 'Orangesse'®.
Veredeln
Nach rund zwei Jahren ist die Unterlage kräftig genug, um veredelt zu werden. Die Veredelung erfolgt idealerweise im Januar oder Februar per Kopulation, also in absoluter Winterruhe.
- Schnitt vorbereiten:
Schneide die Unterlage an der gewünschten Höhe für die spätere Krone schräg an. Das Edelreis – ein etwa 10 cm langer, einjähriger Trieb der gewünschten Stachelbeersorte – erhält ebenfalls einen glatten, schrägen Schnitt von ca. 2–3 cm Länge. - Kambium an Kambium:
Lege nun beide Schnittflächen exakt aufeinander. Entscheidend ist, dass sich die Kambiumschichten mindestens an einer Seite direkt berühren – nur dann kann die Veredelung sicher verwachsen. - Fixieren und schützen:
Binde die Stelle stramm mit Bast oder Veredelungsband ab und verschliesse sie anschliessend mit Baumwachs. So bleibt das Edelreis vor Austrocknung und Infektionen geschützt.
Bild: Die Kambiumschichten der Unterlage und des Edelreises müssen sich überlappen, damit sie gut zusammenwachsen.
Weiterkultur zum fertigen Hochstamm
Nach der Veredelung wird das Stämmchen wieder eingepflanzt – in ein Beet oder einen Topf. Im Frühling treiben die Edelreiser aus. Sobald die neuen Triebe etwa 5 cm lang sind, werden ihre Spitzen eingekürzt (pinzieren). Das fördert eine schöne, gleichmässige Kronenbildung.
Bis zum Herbst entsteht so eine kleine, stabil aufgebaute Krone. Nach dem Laubfall kann das Stachelbeer-Hochstämmchen an seinen endgültigen Standort gesetzt werden – und entwickelt sich in den folgenden Jahren zu einem dekorativen, platzsparenden und sehr fruchtbaren Naschobstgehölz.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.