Inhaltsverzeichnis
- Warum wir einen Maulbeerbaum schneiden müssen
- Wo bildet ein Maulbeerbaum Früchte?
- Den Maulbeerbaum als Baum oder Strauch erziehen
- Die Wuchsgesetze
- Der Pflanzschnitt: nach der Pflanzung den Maulbeerbaum schneiden
- Der Pflanzschnitt bei der Erziehung als Baum
- Pflanzschnitt bei einem Maulbeerstrauch
- Erziehungsschnitt – Aufbau in den ersten Jahren
- Erhaltungsschnitt – Form, Vitalität und Ertrag sichern
- Der Winterschnitt
- Der Sommerschnitt
- Schnitt der Hängenden Maulbeere
- Maulbeerbaum als Hecke
- Fazit
Zusammenfassung
Ein Maulbeerbaum wächst sehr stark und kann ein stattlicher Baum werden – zu gross für die meisten Gärten. Damit er kompakt bleibt und leicht beerntet werden kann, muss man den Maulbeerbaum schneiden. Junge Bäume erhalten zunächst einen Pflanz- und Erziehungsschnitt, um eine stabile Struktur aufzubauen – entweder als Baum mit Stamm oder mehrtriebig als Strauch, ein Strauch ist in kälteren Regionen empfehlenswert. Ab etwa dem dritten Jahr folgt der Erhaltungsschnitt: Maulbeeren fruchten vor allem am einjährigen Holz, diese Triebe werden jährlich um 20–30 % eingekürzt. Alte Äste werden auf Stummel zurückgeschnitten, um neue, fruchttragende Kurztriebe anzuregen. Spezialformen wie die hängende Maulbeere (Morus alba 'Pendula') benötigen nur selten Schnitt, während eine Maulbeerhecke zweimal jährlich geschnitten wird – je nach Ziel stärker für Sichtschutz oder schonender für mehr Fruchtertrag. So bleibt der Maulbeerbaum vital, kompakt und fruchtbar über viele Jahre hinweg.
Praxis-Tipps:
Auf einjähriges Holz setzen: Die meisten Früchte entstehen am einjährigen Holz. Schneide im März die Triebe des Vorjahres um 20–30 % zurück und kürze ältere Äste auf kurze Stummel – dort treiben neue fruchtbare Kurztriebe aus.
Sommerschnitt als Wachstumsbremse: Sehr wüchsige und besonders winterharte Sorten können nach der Ernte im Sommer geschnitten werden. Durch den Verlust an Blattfläche wird das Wachstum gebremst.
Pflanzschnitt nicht vergessen: Nach dem Einpflanzen unbedingt einen Pflanzschnitt durchführen. Das stellt das Gleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone her und sorgt dafür, dass sich eine stabile Baum- oder Strauchform entwickeln kann.
Warum wir einen Maulbeerbaum schneiden müssen
Maulbeeren können bis zu 15 m hoch werden – viel zu gross für die meisten Gärten. Wir müssen daher den Maulbeerbaum schneiden, um ihn kompakt zu halten. Durch regelmässigen Schnitt kann der Baum auf 2–3 m Höhe gehalten werden, lässt sich leichter pflegen und trägt dennoch reichlich Früchte. Der zweite Grund für den Schnitt ist mehr Ertrag. Alte oder überalterte Triebe werden entfernt, wodurch der Baum angeregt wird, neues Fruchtholz zu bilden. Zudem verbessert der Schnitt die Belichtung und Belüftung der Krone, was die Fruchtqualität erhöht und Krankheiten vorbeugt.
Bild: Maulbeerbäume können sehr gross und alt werden.
Wo bildet ein Maulbeerbaum Früchte?
Maulbeerbäume fruchten vor allem am einjährigen Holz, also an den Trieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Dort entstehen die meisten Blütenknospen, meist im mittleren Bereich des Triebs, etwa 10–20 cm von der Basis entfernt. Einige Sorten, die Dauerträgersorten wie 'Mojo Berry', Bombyx® 'Sisiphus® Everbearing' und Bombyx® 'One Million Everbearing', können zusätzlich auch am diesjährigen Holz Blüten bilden und so über eine besonders lange Zeit Früchte tragen. Manche alte Triebe bringen ebenfalls noch Früchte hervor, doch der Hauptteil der Ernte entsteht immer an jungem, kräftigem Holz.
Den Maulbeerbaum als Baum oder Strauch erziehen
Maulbeerbäume lassen sich als mehrtriebiger Strauch oder als Baum mit Stamm erziehen. Für die meisten Gärten und besonders in kälteren Regionen empfehlen wir, die Maulbeere ähnlich wie die Feige in Strauchform wachsen zu lassen. Mehrere Haupttriebe teilen dabei die Wuchskraft auf und reduzieren das Risiko von Frostschäden, da einzelne erfrorene Triebe leichter ersetzt werden können.
Bild: Maulbeeren als Sträucher erzogen sind robuster.
Absolut winterharte Sorten wie 'Illinois Everbearing', 'Galicja', Bombyx® 'Shades of Red', Bombyx® 'Zuckersüss', eignen sich auch für die Erziehung als Baum. Dabei wird beim Einpflanzen nur der stärkste Trieb als Stamm stehen gelassen und an einem Pfahl fixiert. Alle Seitentriebe entfernt man, bis die gewünschte Stammhöhe erreicht ist. Im Frühjahr (April) kappt man die Spitze oberhalb dieser Höhe, sodass sich die Krone verzweigt und sich ein stabiler Aufbau bildet. In den Folgejahren werden Bodentriebe und tief ansetzende Seitentriebe konsequent entfernt, damit die Baumform erhalten bleibt.
Die Wuchsgesetze
Beim Maulbeerbaum schneiden müssen wir die Wuchsgesetze beachten:
- Schnitt regt Verzweigung an: An jeder Schnittstelle treibt die Pflanze neue Seitenzweige.
- Starker Schnitt führt zu starkem Wachstum: Ein starker Rückschnitt treibt kräftige Äste und Langtriebe aus, während ein schwacher Rückschnitt zu einer Vielzahl kleinerer Triebe führt.
- Apikaldominanz beachten: Die oberste Knospe eines Triebes wächst am stärksten und hemmt die darunterliegenden. Deshalb entwickeln sich aufrechte Triebe besonders kräftig, während waagrechte Triebe an Wuchskraft verlieren – dafür aber mehr Blüten- und Fruchtknospen ansetzen. Im Spalier nutzt man diese Dominanz gezielt, indem man kräftige Leittriebe senkrecht führt und Fruchtholz durch waagerechte oder leicht schräg gestellte Triebe erzeugt.
- Waagrecht gebogene Zweige fördern die Fruchtbildung: Biegt man junge, noch biegsame Triebe in die Waagrechte, wachsen die Knospen kerzengerade nach oben. Dabei entsteht besonders viel Fruchtholz. Verholzte Zweige sind dafür ungeeignet, da sie leicht brechen.
- Spitze nach oben richten: Wird die Spitze eines gebogenen Zweigs völlig waagrecht fixiert, stellt sie ihr Wachstum ein. Bleibt sie leicht nach oben gerichtet, wächst sie weiter. Deshalb die Zweigspitzen nie ganz fixieren, sondern frei nach oben zeigen lassen.
- Richtung der Knospen beachten: Beim Biegen sollte man bedenken, dass Knospen immer in die Richtung wachsen, in die sie zeigen.
Ein Baum wächst nicht an allen Stellen gleich stark. Äste, die oben stehen oder nahe am Stamm entspringen, entwickeln sich kräftiger als solche, die tiefer oder weiter aussen sitzen. Für ein gleichmässiges Spalier ist es jedoch wichtig, dass alle Äste etwa gleich stark wachsen. Dies erreicht man, indem man zu stark wachsende Äste einkürzt, bis die schwächeren nachgezogen haben. Am besten gelingt das, wenn man schon beim Aufbau darauf achtet, alle Äste gleich lang und gleich hoch zu führen – dann bleibt der Baum von Anfang an in der „Saftwaage“.
In unserem Artikel «Obstbaumschnitt - die 10 wichtigsten Tipps und Regeln» findest du weitere Informationen zu den Wuchsgesetzen.
Der Pflanzschnitt: nach der Pflanzung den Maulbeerbaum schneiden
Mit der Pflanzung der Maulbeere wird ein Pflanzschnitt durchgeführt. Er hat zwei wichtige Funktionen: Zum einen bestimmt er die spätere Kronenform, zum anderen stellt er das Gleichgewicht zwischen der durch das Pflanzen beschädigten und verkleinerten Wurzelmasse und der Laubkrone wieder her. Für ein gutes Anwachsen gilt die Faustregel: Wurzelvolumen und Kronenvolumen sollen im Verhältnis stehen. Das Wurzelsystem wird bei der Pflanzung überprüft. Beschädigte Wurzeln schneidet man zurück, damit der Baum neue Feinwurzeln bildet und gut anwächst.
Der Pflanzschnitt bei der Erziehung als Baum
Beim Kronenschnitt wählt man einen Mitteltrieb als Stammverlängerung sowie drei bis vier gleichmässig verteilte Leitäste, die später das Grundgerüst bilden. Steil nach oben wachsende Äste werden entfernt, da sie mit dem Mitteltrieb konkurrieren würden. Ideal sind Leitäste in einem Winkel von etwa 45° zur Stammachse. Diese werden auf eine einheitliche Länge eingekürzt, sodass eine ausgewogene Nährstoffversorgung gewährleistet ist – die sogenannte Saftwaage. Der Mitteltrieb bleibt etwas länger und wird etwa eine Scherenlänge oberhalb der Leitäste geschnitten, wodurch die junge Krone ihre charakteristische pyramidenförmige Gestalt erhält.
Pflanzschnitt bei einem Maulbeerstrauch
Wenn ein Maulbeerbaum mehrtriebig als Strauch erzogen werden soll, unterscheidet sich der Pflanzschnitt etwas von der Baumform. Hier geht es darum, eine stabile Basis mit mehreren gleichwertigen Haupttrieben aufzubauen:
- Triebwahl: Direkt nach der Pflanzung 3–5 kräftige, gleichmässig verteilte Jungtriebe auswählen, die als Grundgerüst dienen.
- Einkürzen: Diese ausgewählten Triebe um etwa ein Drittel zurückschneiden, um eine gute Verzweigung und kompakten Aufbau zu fördern.
- Entfernen: Schwächere oder ungünstig stehende Triebe ganz entfernen, damit die Kraft in die Hauptäste fliesst.
- Gleichgewicht sichern: Alle Haupttriebe sollten möglichst gleich lang bleiben, um ein harmonisches Wachstum und eine ausgewogene „Saftwaage“ zu gewährleisten.
So entwickelt sich Schritt für Schritt ein buschiger, mehrtriebiger Strauch, der auch bei Frostschäden robust bleibt und eine leichte Ernte auf niedriger Höhe ermöglicht.
Erziehungsschnitt – Aufbau in den ersten Jahren
In den ersten drei bis fünf Jahren steht der Aufbau der Krone im Vordergrund. Ziel ist eine ausgewogene, stabile Form mit gut belichtetem Fruchtholz.
- Neue Seitentriebe hochleiten: Junge Triebe auswählen und in die gewünschte Position bringen
- Konkurrenztriebe entfernen: Aufrechte, konkurrierende Triebe zum Leittrieb werden entfernt, um eine klare Struktur zu erhalten
- Einkürzen zur Förderung von Verzweigung: Seitentriebe werden auf 4–6 Blätter eingekürzt, damit sie sich verzweigen
- Saftwaage beachten: Alle Hauptäste sollten gleich stark wachsen, damit die Maulbeere ausgeglichen bleibt.
Ein gleichmässiger Aufbau sorgt dafür, dass die Krone lichtdurchlässig bleibt und viele fruchttragende Triebe entstehen.
Erhaltungsschnitt – Form, Vitalität und Ertrag sichern
Nach etwa 3 Jahren ist die Grundstruktur fertig. Ab dann geht es darum, die Form zu bewahren, das Wachstum zu regulieren und die Fruchtbildung zu fördern. Maulbeeren fruchten überwiegend am einjährigen Holz, das heisst an Trieben, die im Sommer oder Herbst zuvor Blütenknospen gebildet haben. Manche Sorten blühen zusätzlich am diesjährig gebildeten Holz. Die Baum- und Strauchformen schneiden wir gleich.
Bild: Maulbeeren wie die sehr ertragreiche Sorte Bombyx® 'One Million Everbearing' tragen vor allem am einjährigen Holz.
Der Winterschnitt
Jährlich im März sollte man den Maulbeerbaum schneiden. Dabei werden die letztjährig gewachsenen Triebe um 20-30% eingekürzt, ältere Triebe werden auf Stummel geschnitten.
Dadurch entsteht eine starke Verzweigung, an der sich neue fruchttragende Kurztriebe bilden. Die Triebe, die im letzten Jahr Früchte getragen haben, werden auf kurze Stummel zurückgeschnitten, damit sich dort Seitentriebe bilden.
- Zeitpunkt: März, bei sehr winterharten Sorten auch Sommerschnitt möglich
- Einjähriges Holz einkürzen: einjährige Triebe um 20-30% kürzen
- Altes Holz auf Stummel schneiden: Ältere, abgetragene Äste werden auf Stummel geschnitten
Der Sommerschnitt
Bei den absolut winterharten Sorten kann zusätzlich im Sommer nach der Ernte das abgetragene Fruchtholz auf Stummel geschnitten werden. Dadurch reduziert man die Assimilationsfläche des Maulbeerbaumes und bremst das Wachstum.
Schnitt der Hängenden Maulbeere
Der Schnitt einer hängenden Maulbeere unterscheidet sich deutlich von dem eines normalen Maulbeerbaums. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr.
- In den ersten Jahren nicht schneiden: Junge Bäume lässt man am besten einfach wachsen, bis die Triebe den Boden erreichen. Wer die Äste etwas höher halten möchte, kann sie leicht einkürzen – mehr ist zunächst nicht nötig.
- Verjüngungsschnitt nach einigen Jahren: Mit der Zeit entstehen ältere, dickere Triebe (5–7 Jahre alt). Diese sollten direkt an der Basis entfernt werden, damit aus dem Kronenzentrum neue, vitale Triebe nachwachsen.
- Krone steuern: Ohne Schnitt bleibt Morus alba ‘Pendula’ relativ kompakt und schlank. Schneidet man dagegen oben einige Triebe zurück, treiben neue Äste aus, die nach unten hängen. Dadurch wird die Krone breiter und erinnert an die Form eines Pilzes.
- Kompakt halten: Wer einen Baum für den Kübel, die Terrasse oder einen kleinen Garten möchte, lässt ihn am besten frei hängen und entfernt nur gelegentlich alte, vergreiste Äste.
- Wichtig: Beim Entfernen immer direkt an der Basis schneiden und keine Stummel stehen lassen – diese treiben nicht mehr zuverlässig aus.
Schau dir dieses Video über die Hängende Maulbeere an:
Maulbeerbaum als Hecke
Maulbeerbäume lassen sich auch gut als Hecke kultivieren – sei es als dekorativer Sichtschutz oder als ertragreiche Obsthecke. Damit die Pflanzen sich gut entwickeln, sollte der Pflanzabstand 2–3 m betragen.
- Schnittzeitpunkte: Eine Hecke wird in der Regel zweimal im Jahr geschnitten – einmal um den längsten Tag (Ende Juni), wenn das Wachstum am stärksten ist, und ein zweites Mal nach der Ernte.
- Fruchtnutzung oder Sichtschutz?
- Steht der Fruchtertrag im Vordergrund, empfiehlt es sich, nur alle zwei Jahre einen stärkeren Heckenschnitt durchzuführen. So bleiben genügend fruchttragende Triebe erhalten.
- Soll die Hecke vor allem als grüner Sichtschutz dienen, kann man sie jedes Jahr stark zurückschneiden. Dadurch bleibt sie dicht, kompakt und formschön. Früchte gibt dann nur im Inneren.
So lässt sich der Maulbeerbaum flexibel als Hecke nutzen – entweder mit Fokus auf eine reiche Ernte oder auf eine pflegeleichte, attraktive Begrünung.
Fazit
Maulbeeren sind äusserst schnittverträglich und lassen sich vielseitig erziehen – vom grossen Schattenspender über Spalierformen bis zur Kübelkultur. Ein gezielter Pflanzschnitt legt den Grundstein, der Erziehungsschnitt sorgt für eine stabile Struktur, und mit dem Erhaltungsschnitt bleibt der Baum vital, ertragreich und formschön über viele Jahre hinweg.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.