Inhaltsverzeichnis
- Der Feigenbaum trägt keine Früchte: kein Fruchtansatz oder abgefallene Früchte?
- Warum bildet der Feigenbaum überhaupt keine Früchte?
- Die Feige wurde erst vor kurzem gepflanzt
- Zu viel oder zu späte Düngung
- Zu wenig Sonne und Wärme
- Zu starker Schnitt
- Frostschaden
- Die Feige bildet kleine Früchte, die dann abfallen
- Welche Feigentypen gibt es?
- Kommt die Feigengallwespe jetzt auch nach Mitteleuropa?
- Vorsicht bei Feigenbäumen ohne Sortennamen
- Fazit
Zusammenfassung
Der Feigenbaum trägt keine Früchte – dahinter können verschiedene Ursachen stecken. Junge Pflanzen brauchen manchmal zunächst Zeit, um sich am neuen Standort zu etablieren. Auch zu viel oder zu späte Düngung, ein schattiger Standort, ein starker Schnitt oder Frostschäden können die Fruchtbildung beeinträchtigen. Fallen bereits angesetzte kleine Feigen wieder ab, kann dagegen der Feigentyp entscheidend sein. Während Kulturfeigen und San-Pedro-Feigen auch ohne Befruchtung Früchte entwickeln, benötigen andere Feigentypen eine Bestäubung durch die Feigengallwespe.
Praxis-Tipps
Beim Kauf auf die Sorte achten: Eine Feige ohne Sortenbezeichnung ist ein Überraschungspaket. Du weisst weder, wie winterhart sie ist, noch wann ihre Früchte reifen oder ob sie für die Fruchtbildung eine Bestäubung benötigt.
Nach einem Frostschaden Geduld haben: Treibt eine zurückgefrorene Feige im Frühjahr wieder kräftig aus, bedeutet das nicht automatisch, dass sie im selben Jahr reich trägt. Der verspätete Austrieb kann auch den Ansatz der Herbstfeigen nach hinten verschieben.
Bei jungen Feigen nicht ungeduldig werden: Bleibt die Ernte im ersten Jahr nach der Pflanzung aus, ist das noch kein Grund zur Sorge. Manche Pflanzen investieren zunächst stärker in Wurzeln und Triebe und tragen im folgenden Jahr deutlich besser.
Der Feigenbaum trägt keine Früchte: kein Fruchtansatz oder abgefallene Früchte?
Wenn die erhoffte Feigenernte ausbleibt, solltest du zunächst genau beobachten, welche Situation bei deinem Feigenbaum vorliegt:
- Setzt dein Feigenbaum gar keine Früchte an?
- Bildet dein Feigenbaum kleine Früchte, die später wieder abfallen?
Hinter diesen beiden Beobachtungen können unterschiedliche Ursachen stecken, die wir uns im Folgenden genauer ansehen.
Warum bildet der Feigenbaum überhaupt keine Früchte?
Dein Feigenbaum wächst, bildet aber überhaupt keine Feigen? Dann kommen mehrere Ursachen infrage. Einige davon beobachten wir auch bei unseren Feigen in der Versuchspflanzung immer wieder.
Die Feige wurde erst vor Kurzem gepflanzt
Feigen gehören zu den Obstarten, die sehr schnell Früchte tragen können. Viele Sorten setzen bereits als junge Pflanzen die ersten Feigen an. Trotzdem kann es vorkommen, dass ein frisch gepflanzter Feigenbaum im Pflanzjahr keine oder nur wenige Früchte bildet.
Bild Auch frisch gepflanzte Feigen wie diese 'Brown Turkey' können bereits Früchte tragen, manchmal braucht es aber etwas Geduld.
Auch bei unseren Feigen sehen wir immer wieder, dass frisch gepflanzte Exemplare zunächst vor allem wachsen. Die Pflanze muss sich am neuen Standort etablieren, neue Wurzeln bilden und kräftige Triebe entwickeln. Bleibt die erste Ernte klein oder ganz aus, würden wir uns deshalb noch keine Sorgen machen. Meist sieht es bereits im nächsten Jahr ganz anders aus.
Zu viel oder zu späte Düngung
Feigen reagieren grundsätzlich positiv auf eine stickstoffreiche Düngung. Entscheidend ist aber der richtige Zeitpunkt: Wir düngen unsere Feigen deshalb vor allem im Frühjahr mit einem Langzeitdünger wie Frutilizer® Volldünger Plus, wenn die Pflanzen kräftig wachsen sollen. Später im Jahr verzichten wir auf eine stickstoffreiche Düngung. Denn sie würde weiterhin die Bildung neuer, weicher Triebe fördern, die bis zum Winter nicht mehr ausreichend ausreifen und entsprechend frostempfindlicher sind.
Auch bei der Düngermenge ist etwas Zurückhaltung gefragt. Bekommt ein Feigenbaum zu viel Stickstoff, kann er sehr lange, kräftige Triebe und viele Blätter bilden. Dieses starke vegetative Wachstum ist jedoch nicht automatisch von Vorteil: Der Feigenbaum investiert dann vor allem in neue Triebe und Blätter, während die Fruchtbildung in den Hintergrund treten kann.
Bild: Stark wachsende Feigentriebe ohne Früchte wie bei dieser 'Columbaro Nero' können auf eine zu hohe Stickstoffversorgung hindeuten.
Wenn du beobachtest: Dein Feigenbaum trägt keine Früchte, wächst aber sehr stark, kann eine zu hohe Stickstoffversorgung eine mögliche Ursache sein. Wächst ein seit mindestens zwei Jahren ausgepflanzter Feigenbaum sehr kräftig, setzt aber trotzdem keine Früchte an, würden wir deshalb als erste Massnahme auf eine weitere Düngung verzichten.
Zu wenig Sonne und Wärme
Mein Feigenbaum trägt keine Früchte – kann der Standort schuld sein? Zu wenig Sonne und Wärme können tatsächlich eine Rolle spielen. Feigen sind Sonnenanbeter. Steht der Feigenbaum zu schattig, kann sich das negativ auf die Fruchtbildung auswirken. Wir beobachten in unserer Versuchspflanzung immer wieder, dass Feigen, die zu wenig Sonne bekommen, deutlich weniger Früchte tragen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sie von anderen Bäumen oder Gebäuden beschattet werden. Wähle für deinen Feigenbaum deshalb einen möglichst sonnigen, warmen und geschützten Standort.
Zu starker Schnitt
Beim Schnitt ist etwas Zurückhaltung gefragt. Die Sommerfeigen werden bereits im Vorjahr angelegt und überwintern als winzige Fruchtansätze am letztjährigen Holz. Schneidest du diese Triebe im Winter oder Frühjahr zurück, entfernst du gleichzeitig einen Teil der kommenden Ernte.
Bild: Sommerfeigen nicht zu stark schneiden, denn beim Schnitt im Frühjahr werden zusammen mit den Trieben auch die bereits angelegten Sommerfeigen entfernt.
Eine Anleitung, wie der Feigenbaum geschnitten werden soll, findest du in unserem Artikel «Feigenbaum schneiden - wie geht denn das?».
Frostschaden
Der Feigenbaum trägt keine Früchte nach einem kalten Winter? Dann können Frostschäden die Ursache sein. Frieren einjährige Triebe zurück, verschwinden mit ihnen auch die bereits angelegten Sommerfeigen. Frostschäden kennen wir aus unserer Versuchspflanzung nur zu gut. Das haben wir auch nach dem vergangenen Winter in unserer Versuchspflanzung beobachtet: Die meisten Feigensorten waren bis zum Boden zurückgefroren, nur einige wenige besonders winterharte Feigen haben den Winter überlebt.
In diesem Video stellen wir einige Feigensorten vor, die den vergangenen Winter gut überstanden haben und trotzdem Früchte produzieren.
Viele Pflanzen trieben im Frühjahr wieder kräftig aus und sahen schon bald wieder gesund aus. Ein so starker Frostschaden hat aber noch eine zweite Folge: Die neuen Triebe starten später in die Saison und damit werden auch die Herbstfeigen später angesetzt. Bei spät reifenden Sorten kann das dazu führen, dass die Früchte vor dem Winter nicht mehr ausreifen.
Die Feige bildet kleine Früchte, die dann abfallen
Von einem anderen Phänomen lesen und hören wir ebenfalls häufig: Der Feigenbaum setzt zunächst ganz normal kleine Früchte an. Diese wachsen einige Zeit, bleiben dann aber in ihrer Entwicklung stehen und fallen ab. Manchmal genügt schon eine leichte Berührung und die kleine Feige löst sich vom Baum.
Bild: Wegen fehlender Befruchtung abgefallene Herbstfeigen von 'Dauphine'.
In diesem Fall liegt nicht unbedingt ein Pflegefehler vor. Häufig lohnt sich vielmehr die Frage: Was für eine Feige wächst eigentlich in meinem Garten? Denn nicht alle Feigentypen können ihre Früchte ohne Befruchtung entwickeln.
Welche Feigentypen gibt es?
- Bocksfeigen sind die ursprüngliche Form der Feige. Sie besitzen männliche und weibliche Blüten und ihre Blütenbiologie ist eng an den Lebenszyklus der Feigengallwespe, dem einzigen Insekt, das die Feigenblüten bestäuben kann, angepasst. Für den Fruchtanbau sind Bocksfeigen selbst kaum interessant, da sie meist keine essbaren Feigen bilden. Die männliche Feige ‘Blanche Parfrenolle’ ist eine Ausnahme und bildet neben den ungeniessbaren mit Pollen gefüllten Sommerfeigen essbare Herbstfeigen. Als Pollenspender und Lebensraum der Feigengallwespe spielen Bocksfeigen jedoch eine wichtige Rolle. In Anbaugebieten mit bestäubungsabhängigen Feigensorten werden deshalb Zweige von Bocksfeigen mit Feigengallwespen in die Plantagen gehängt. Die schlüpfenden Wespen übertragen den Pollen auf die weiblichen Feigen und sorgen so für deren Bestäubung. Dieses traditionelle Verfahren wird als Kaprifikation bezeichnet.
- Smyrna-Feigen bilden grosse, attraktive Früchte, sind dabei aber vollständig auf die Bestäubung durch die Feigengallwespe angewiesen. Fehlt diese, können sich die Früchte nicht normal entwickeln und fallen ab.
- San-Pedro-Feigen nehmen eine Zwischenstellung ein. Ihre erste Ernte, die Sommerfeigen oder Brebas, entwickelt sich parthenokarp, also ohne Befruchtung. Anders sieht es bei der zweiten Ernte aus: Die am diesjährigen Holz entstehenden Herbstfeigen müssen befruchtet werden. Fehlt sie, entwickeln sich die kleinen Feigen zunächst weiter, bleiben dann stehen, werden gelb und fallen schliesslich ab.
- Kulturfeigen sind dagegen nicht auf eine Befruchtung angewiesen. Sie bilden ihre Früchte parthenokarp und können bei ausreichend langer Vegetationsperiode sowohl Sommer- als auch Herbstfeigen hervorbringen.
Bild: Weibliche Feigengallwespen versuchen für die Eiablage in die Frucht einzudringen.
Mehr über die unterschiedlichen Feigentypen erfährst du in unserem Artikel «Die 4 Feigentypen». Wenn du tiefer in die Herkunft und Entwicklung der Feige eintauchen möchtest, empfehlen wir dir ausserdem unseren Artikel «Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1».
Die meisten Feigensorten im Lubera-Sortiment gehören zu den Kulturfeigen. Wir führen aber auch einige San-Pedro-Feigen, darunter 'Dauphine', 'Desert King' und 'Rosso di Trani'. Sie sind sehr gut winterhart und produzieren eine ausserordentlich grosse Ernte an Sommerfeigen. Diese erste Ernte entwickelt sich auch ohne Feigengallwespe. Ob zusätzlich Herbstfeigen ausreifen, hängt dagegen davon ab, ob die für die Bestäubung notwendige Feigengallwespe am Standort vorkommt und Bocksfeigen als Pollenspender in der Umgebung stehen.
Kommt die Feigengallwespe jetzt auch nach Mitteleuropa?
Lange Zeit konnten wir davon ausgehen, dass die Feigengallwespe nördlich der Alpen nicht vorkommt. Doch das scheint sich langsam zu ändern: Die Feigengallwespe breitet sich zunehmend nach Norden aus. Es gibt zahlreiche Sichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch in unserer Versuchspflanzung hat sich die Feigengallwespe bereits angesiedelt. Seit einigen Jahren können wir dort auch Herbstfeigen der San-Pedro-Feigen 'Desert King' und 'Dauphine' ernten – ein deutliches Zeichen dafür, dass die notwendige Befruchtung stattfindet.
Bild: 'Desert King' ist eine San-Pedro-Feige mit einer reichen Ernte an Sommerfeigen.
Darauf verlassen sollte man sich in Mitteleuropa allerdings noch nicht. Die Feigengallwespe tritt noch nicht überall zuverlässig auf. Wer eine Feige pflanzt und sicher Früchte ernten möchte, sollte deshalb weiterhin Kulturfeigen oder San-Pedro-Feigen wählen.
Vorsicht bei Feigenbäumen ohne Sortennamen
Feige ist nicht gleich Feige. Wie wir gesehen haben, gibt es verschiedene Feigentypen, die sich bei der Befruchtung und Fruchtbildung deutlich unterscheiden. Dazu kommen grosse Unterschiede bei Reifezeit und Winterhärte – zwei Eigenschaften, die für den Anbau in Mitteleuropa besonders wichtig sind.
Umso problematischer ist es, dass im Handel immer wieder Feigenbäume ohne Sortenangabe angeboten werden, beispielsweise einfach als Ficus carica, «Echte Feige» oder «Feigenbaum». Wer von seinem Feigenbaum Früchte ernten möchte, sollte beim Kauf deshalb unbedingt auf den Sortennamen und die Herkunft achten.
Mein Feigenbaum trägt keine Früchte – wer vor diesem Problem steht, sollte auch die Sorte genauer unter die Lupe nehmen. Bei einer Feige unbekannter Herkunft weiss man nicht, ob sie ohne Feigengallwespe Früchte ausbildet, ob diese in unserem Klima rechtzeitig ausreifen und ob die Pflanze ausreichend winterhart ist. Im schlechtesten Fall wächst die Pflanze zwar viele Jahre im Garten, doch der Feigenbaum trägt keine Früchte oder die angesetzten Feigen fallen vorzeitig ab. Wer eine für seine Region geeignete Sorte wählt, hat dagegen deutlich bessere Chancen auf eine regelmässige Feigenernte.
Bild: Die Feige 'Twotimer'® gehört zu den besonders geeigneten Feigen für den Anbau in unserem Klima.
Welche Feigensorten sich für den Anbau in Mitteleuropa besonders bewährt haben, zeigen wir dir in unseren Artikeln «Sommerfeigen anbauen und ernten – Tipps und die besten Sorten», «Herbstfeigen anbauen und ernten – Tipps und die besten Sorten» und «Zweimaltragende Feigen (Twotimer® Feigen) anbauen und ernten – Tipps und die besten Sorten».
Fazit
Der Feigenbaum trägt keine Früchte – diese enttäuschende Erfahrung habe ich auch in meinem eigenen Garten gemacht. Über mehrere Jahre habe ich die Pflanzen gehegt und gepflegt, doch die erhoffte Ernte blieb aus. Aus Urlauben in Süditalien hatte ich kleine Feigenpflanzen mitgebracht und ausgepflanzt. Dabei wusste ich durchaus, dass Feigen unbekannter Herkunft bei uns nicht unbedingt zuverlässig Früchte tragen. Aber wider besseres Wissen konnte ich einfach nicht widerstehen: Die Neugier war grösser. Ich wollte unbedingt sehen, was aus diesen Feigen bei uns werden würde.
Dabei gab es unterschiedliche Gründe, warum diese Feigen bei mir nicht fruchteten: Einige waren Bocksfeigen, andere Smyrna-Feigen und damit auf die Bestäubung durch die Feigengallwespe angewiesen. Wieder andere waren für unser Klima nicht ausreichend winterhart und froren immer wieder zurück.
Aus diesen Erfahrungen habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zu wissen, welche Feige man eigentlich pflanzt. Wer regelmässig Feigen ernten möchte, sollte deshalb eine bekannte, für die eigene Region geeignete Sorte wählen. Dabei sind neben Geschmack und Fruchtgrösse vor allem Feigentyp, Reifezeit und Winterhärte
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.