Inhaltsverzeichnis
- Warum brauchen Pflanzen Wasser?
- Wie Pflanzen Wasserverluste reduzieren
- Was passiert in der Pflanze bei Trockenstress?
- Wann wird aus Trockenstress ein Trockenschaden?
- Wie Pflanzen Trockenheit überstehen
- Stauden überleben unterirdisch
- Laubgehölze reduzieren ihre Blattfläche
- Bei Immergrünen werden Schäden oft erst später sichtbar
- Rasen und Gräser gehen in Trockenruhe
- Wovon hängt es ab, ob eine Pflanze Trockenheit übersteht?
- Etablierte Pflanzen sind im Vorteil
- Der Boden bestimmt die Wasserverfügbarkeit
- Dauer und Häufigkeit der Trockenheit
- Vertrocknete Pflanzen retten: Was nach der Trockenheit zu tun ist
- Was lebt noch?
- Abgestorbene Pflanzenteile entfernen
- Den Wurzelraum mit ausreichend Wasser versorgen
- Neupflanzungen besonders kontrollieren
- Auch im Herbst giessen
- Im Frühjahr zeigt sich das Ausmass der Schäden
- Stärker schneiden
- Notblüte nach Trockenstress
- Trockenschäden können noch Jahre später Folgen haben
- Fazit
Zusammenfassung
Vertrocknete Pflanzen sind nicht zwangsläufig tot. Stauden können in unterirdischen Überdauerungsorganen überleben, Laubgehölze durch Blattabwurf ihren Wasserverlust reduzieren, und Gräser können in eine Ruhephase gehen. Ob sich eine Pflanze erholt, hängt unter anderem von ihrem Wurzelsystem, dem Boden sowie der Dauer der Trockenheit ab. Wer vertrocknete Pflanzen retten möchte, sollte prüfen, welche Pflanzenteile noch vital sind, und den Wurzelraum bei Bedarf durchdringend wässern. Auch im Herbst kann Wasser nötig sein, da die Wurzeln weiterwachsen. Das tatsächliche Ausmass eines Trockenschadens zeigt sich häufig erst im folgenden Frühjahr.
Praxis-Tipps
Lieber seltener und durchdringend als häufig und oberflächlich giessen: Häufiges Giessen mit kleinen Wassermengen befeuchtet oft nur die obersten Zentimeter des Bodens. Damit das Wasser auch tiefere Bodenschichten und damit einen grösseren Teil des Wurzelraums erreicht, muss ausreichend und langsam gewässert werden.
Vertrocknete Pflanzen nicht vorschnell entsorgen: Braune Blätter, kahle Triebe oder vertrocknete oberirdische Pflanzenteile bedeuten nicht, dass die ganze Pflanze tot ist. Stauden können unterirdisch überleben, Gräser aus vitalen Vegetationspunkten wieder austreiben und auch kahle Gehölze noch leben. Im Zweifel abwarten, ob die Pflanze erneut austreibt.
Geschädigte Gehölze im Frühjahr stärker schneiden: Nach starkem Trockenstress bilden Gehölze oft zu viele Blüten (Angstblüte). Ein stärkerer Rückschnitt reduziert die Blüten- und spätere Fruchtbelastung und unterstützt die Regeneration.
Warum brauchen Pflanzen Wasser?
Wasser erfüllt in der Pflanze mehrere lebenswichtige Funktionen. Es wird für die Photosynthese und zahlreiche Stoffwechselvorgänge benötigt, dient als Transportmittel für Nährstoffe und hilft der Pflanze, sich bei Wärme durch Verdunstung zu kühlen. Gleichzeitig sorgt Wasser für den sogenannten Turgor – den Druck in den Pflanzenzellen, der unverholzte Blätter und Triebe stabil hält. Sinkt dieser Druck, verliert das Gewebe seine Spannung und die Pflanze welkt.
Nur ein sehr kleiner Teil des aufgenommenen Wassers wird tatsächlich für den Aufbau neuer Pflanzenmasse verwendet. Der weitaus grösste Teil strömt von den Wurzeln durch die Pflanze bis in die Blätter und wird dort über die Spaltöffnungen als Wasserdampf an die Atmosphäre abgegeben. Dieser Vorgang wird als Transpiration bezeichnet. Entsprechend gross ist der Wasserbedarf: Für die Bildung von einem Kilogramm Trockensubstanz werden im Freiland je nach Pflanzenart und Umweltbedingungen etwa 300 bis 800 Liter Wasser benötigt.
Wie Pflanzen Wasserverluste reduzieren
Pflanzen besitzen einen natürlichen Schutz vor Wasserverlust. Die Cuticula, eine wachsartige Schicht auf Blättern und jungen Trieben, begrenzt die Verdunstung über die Pflanzenoberfläche. An trockene Standorte angepasste Pflanzen haben häufig zusätzliche Merkmale wie eine besonders dicke Cuticula, kleine und schmale Blätter, Blattbehaarung oder eingesenkte Spaltöffnungen.
Bild: Bereits an der Form und der ledrigen Haptik der Blätter erkennt man, dass die Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia) sehr trockentolerant ist.
Ein Grossteil des Wassers geht dennoch über die Spaltöffnungen verloren – und genau dort kann die Pflanze bei Wassermangel aktiv reagieren.
Was passiert in der Pflanze bei Trockenstress?
Trockenstress entsteht, wenn die Pflanze mehr Wasser verliert, als ihre Wurzeln nachliefern können.
Wird Wasser knapp, reagiert die Pflanze, indem sie ihre Spaltöffnungen (Stomata) schliesst und so die Verdunstung reduziert. Doch Wassersparen hat seinen Preis: Durch die geschlossenen Stomata gelangt gleichzeitig weniger CO₂ ins Blatt. Damit wird die Photosynthese eingeschränkt – und das Wachstum verlangsamt sich.
Um nicht zu verdursten, beginnt die Pflanze zu hungern.
Bild: Diese »Hungerfeige«, aufgenommen im Wisley Garden in England, zeigt exemplarisch, wie sich Feigen vor Trockenheit schützen, indem sie die Blattmasse drastisch reduzieren und das Wachstum praktisch einstellen.
Wann wird aus Trockenstress ein Trockenschaden?
Hält der Wassermangel an, sinkt der Turgor und die Pflanze beginnt zu welken. Bei stärkerer oder länger anhaltender Trockenheit können Feinwurzeln absterben, Triebe zurücktrocknen und schliesslich auch die Leitungsbahnen geschädigt werden.
Damit wird aus vorübergehendem Trockenstress ein dauerhafter Trockenschaden. Welken und verlangsamtes Wachstum sind zunächst Reaktionen auf Wassermangel, von denen sich eine Pflanze wieder erholen kann. Sind dagegen Wurzeln, Triebe oder Leitungsgewebe geschädigt oder abgestorben, bleiben die Folgen über die Trockenperiode hinaus bestehen.
Wie Pflanzen Trockenheit überstehen
Bei anhaltendem Wassermangel können Pflanzen ihren Wasserbedarf weiter reduzieren und besonders wichtige Pflanzenteile schützen. Manche werfen ihre Blätter ab, andere lassen oberirdische Pflanzenteile absterben oder reduzieren Wachstum und Stoffwechsel. Was für uns nach Absterben aussieht, kann dabei eine wirksame Überlebensstrategie sein, mit der die Pflanze lebenswichtige Pflanzenteile erhält.
Stauden überleben unterirdisch
Manche Stauden reagieren auf anhaltende Trockenheit, indem sie ihre oberirdischen Pflanzenteile vorzeitig einziehen lassen. Blätter und Triebe vertrocknen, während unter der Erde Wurzelstock, Rhizom, Knolle oder Zwiebel weiterleben können.
Das kann ich dieses Jahr auch in meinem Garten beobachten: Viele Stauden sind nach der langen Trockenheit oberirdisch vollständig verschwunden oder sehen zumindest danach aus. Ich werde sie trotzdem nicht ausgraben. Ob sie tatsächlich überlebt haben, zeigt sich möglicherweise nach ausreichenden Niederschlägen, bei manchen aber erst mit dem Austrieb im folgenden Frühjahr.
Bild: Dieses Perlkörbchen (Anaphalis triplinervis) scheint ziemlich erledigt. Es wird aber aus dem Wurzelstock wieder austreiben, sobald die Bedinungen sich verbessern.
Laubgehölze reduzieren ihre Blattfläche
Sträucher und Bäume können bei starkem Wassermangel einen Teil ihrer Blätter vorzeitig abwerfen. Dadurch verringert sich die Blattfläche und damit auch der Wasserverlust durch Transpiration. Der Blattabwurf ist ein Kompromiss: Die Pflanze spart Wasser, gleichzeitig steht ihr aber weniger Blattfläche für die Photosynthese zur Verfügung.
Auf unserem Züchtungsfeld haben wir in diesem Sommer die Trockenheit selbst erlebt. Mit der Bewässerung haben wir zu spät reagiert, und einige unserer Gehölze zeigen inzwischen deutliche Trockenschäden. Besonders auffällig war es bei den Birnbäumen: Sie haben als Reaktion auf den Wassermangel einen Teil ihrer Blätter abgeworfen.
Bild: Dieser Birnbaum wirft schon mal rund die Hälfte seiner Blattmasse ab, um die Verdunstung zu reduzieren. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er die Trockenphase übersteht, wenn auch geschwächt.
Weitere Informationen findest du in unserem Gartenbuch-Artikel «Der Birnbaum verliert Blätter im Sommer: häufige Ursachen und was hilft».
Bei Immergrünen werden Schäden oft erst später sichtbar
Immergrüne Gehölze behalten ihre Blätter oder Nadeln und können deshalb nach einer Trockenperiode noch vergleichsweise gesund aussehen, obwohl bereits Schäden entstanden sind. Verfärbungen, Blatt- oder Nadelverlust sowie abgestorbene Triebe können sich erst mit Verzögerung zeigen. Grün bedeutet deshalb nicht automatisch gesund.
Bild: Bei länger anhaltender Trockenheit sind die Schäden auch bei Thuja irreversibel.
Rasen und Gräser gehen in Trockenruhe
Auch mein Rasen ist inzwischen weitgehend braun. Das sieht dramatischer aus, als es ist: Viele der Gräser sind nicht abgestorben, sondern haben bei Wassermangel Wachstum und Stoffwechsel stark reduziert. Oberirdische Pflanzenteile werden braun und sterben teilweise ab, während Vegetationspunkte und Teile des Wurzelsystems überleben können. Steht wieder ausreichend Wasser zur Verfügung, werden die Gräser erneut austreiben.
Bild: Zu behaupten, das sei noch ein Rasen ist zwar übertrieben - und doch werden hier Rasengräser nachspriessen, sobald die Trockenheit vorüber ist...
Wovon hängt es ab, ob eine Pflanze Trockenheit übersteht?
Warum übersteht die eine Pflanze wochenlange Trockenheit, während die andere direkt daneben vertrocknet? Liegt es an der Pflanzenart? An den Wurzeln? Am Boden?
Etablierte Pflanzen sind im Vorteil
Das sehe ich auch in meinem Garten: Gut eingewachsene Stauden kommen mit längeren Trockenphasen gut zurecht, während neu gepflanzte, trockenheitsverträgliche Gehölze deutlich schneller schlappmachen. Trockenheitsverträglich bedeutet eben nicht, dass eine frisch gesetzte Pflanze ohne zusätzliche Wasserversorgung auskommt.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wurzelsystem. Eine Neupflanzung erschliesst zunächst nur einen begrenzten Teil des Bodens. Eine etablierte Pflanze verfügt dagegen in der Regel über ein wesentlich ausgedehnteres Wurzelsystem und kann Wasser aus einem grösseren Bodenvolumen aufnehmen.
Der Boden bestimmt die Wasserverfügbarkeit
Auch ein gut entwickeltes Wurzelsystem hilft nur, wenn im durchwurzelten Boden ausreichend Wasser verfügbar ist. Tief reichende Wurzeln sind dabei im Vorteil – vorausgesetzt, der Boden lässt eine tiefe Durchwurzelung zu. Bodenart, Struktur, Humusgehalt und Verdichtungen bestimmen, wie viel Wasser gespeichert wird und für die Pflanzen verfügbar ist.
Dauer und Häufigkeit der Trockenheit
Einige trockene Tage belasten eine Pflanze anders als mehrere Monate mit Wassermangel. Besonders problematisch sind mehrere trockene Jahre in Folge. Eine Pflanze kann eine erste Trockenperiode überstehen, dabei jedoch Wurzeln oder Triebe verlieren und geschwächt in die nächste Vegetationsperiode starten.
Trifft die nächste Trockenheit auf eine bereits geschwächte Pflanze, können sich die Schäden verstärken. Entscheidend ist deshalb nicht nur die aktuelle Trockenperiode, sondern auch, welchen Belastungen eine Pflanze in den Monaten und Jahren zuvor ausgesetzt war.
Vertrocknete Pflanzen retten: Was nach der Trockenheit zu tun ist
Braune Blätter, kahle Triebe oder vollständig vertrocknete oberirdische Pflanzenteile bedeuten nicht zwangsläufig, dass die gesamte Pflanze abgestorben ist. Wer vertrocknete Pflanzen retten möchte, sollte deshalb zunächst prüfen, welche Pflanzenteile noch vital sind und welche tatsächlich abgestorben sind.
Was lebt noch?
Bei Stauden können Wurzelstock, Rhizom, Knolle oder andere Überdauerungsorgane noch vital sein, obwohl oberirdisch nichts mehr lebt. Die Pflanze sollte deshalb nicht vorschnell ausgegraben werden.
Bei Gehölzen können Knospen und Triebe Hinweise auf den Zustand geben. Ein vorsichtiger Kratztest an einem kleinen Triebabschnitt kann zusätzlich helfen: Grünes Gewebe unmittelbar unter der Rinde spricht dafür, dass dieser Teil des Triebes noch lebt.
Bei stärkeren Trockenschäden lässt sich das tatsächliche Ausmass allerdings häufig erst beim nächsten Austrieb zuverlässig beurteilen.
Abgestorbene Pflanzenteile entfernen
Eindeutig vertrocknete Blätter und abgestorbene Pflanzenteile entferne ich nach und nach. Bei Gehölzen bin ich mit einem stärkeren Rückschnitt allerdings zurückhaltend, solange noch nicht sicher erkennbar ist, welche Triebe tatsächlich abgestorben sind. Im Zweifel warte ich bis zum nächsten Austrieb – dann lässt sich deutlich besser erkennen, was zurückgeschnitten werden sollte und was sich noch erholt.
Nach einer längeren Trockenperiode geht es zunächst darum, die verbliebenen vitalen Pflanzenteile zu erhalten und der Pflanze Zeit zur Regeneration zu geben.
Den Wurzelraum mit ausreichend Wasser versorgen
Der Boden ist nach dem Giessen oben nass – aber ist das Wasser auch dort angekommen, wo es gebraucht wird? Nach längerer Trockenheit genügt es nicht, wenn nur die obersten Zentimeter des Bodens feucht werden. Das Wasser muss bis in den Wurzelraum gelangen. Deshalb lieber seltener, dafür langsam und ausgiebig giessen. So kann das Wasser auch in tiefere Bodenschichten eindringen und steht den Wurzeln dort zur Verfügung. Wie viel Wasser dafür nötig ist, hängt vor allem vom Boden und von der Durchwurzelung ab.
Neupflanzungen besonders kontrollieren
Frisch gepflanzte Stauden und Gehölze sind nach einer Trockenperiode besonders gefährdet. Ihr Wurzelsystem hat den umgebenden Boden noch nicht vollständig erschlossen, sodass ihnen nur ein begrenztes Bodenvolumen für die Wasseraufnahme zur Verfügung steht. Die Bodenfeuchtigkeit im Wurzelbereich sollte deshalb regelmässig kontrolliert werden. Solange noch vitale Pflanzenteile vorhanden sind, besteht die Möglichkeit, dass sich die Pflanze wieder erholt.
Auch im Herbst giessen
Mit sinkenden Temperaturen nimmt die Verdunstung ab. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Boden nach einem trockenen Sommer wieder ausreichend feucht ist. Vor allem tiefere Bodenschichten können weiterhin trocken sein, selbst wenn die Oberfläche bereits durchfeuchtet ist.
Deshalb stelle ich das Giessen nach einem trockenen Sommer nicht automatisch ein, sobald die Temperaturen sinken. Gerade bei Neupflanzungen kontrolliere ich auch im Herbst, ob der Boden im Wurzelbereich tatsächlich feucht ist.
Oberirdisch scheint die Saison bereits vorbei zu sein, doch unter der Erde kann das Wachstum weitergehen. Wurzeln wachsen bei vielen Pflanzen auch bei relativ niedrigen Bodentemperaturen weiter, solange der Boden ausreichend feucht und nicht gefroren ist.
Gerade nach einer längeren Trockenperiode ist diese Phase wichtig. Geschädigte Feinwurzeln können regeneriert und neue Wurzeln gebildet werden. Geschädigte und frisch gepflanzte Stauden und Gehölze sollten deshalb auch im Spätsommer und Herbst kontrolliert und bei trockenem Wurzelraum weiterhin ausreichend gewässert werden.
Eine ausreichende Wasserversorgung im Herbst unterstützt die Regeneration und schafft bessere Voraussetzungen für die Überwinterung und den Austrieb im folgenden Frühjahr.
Im Frühjahr zeigt sich das Ausmass der Schäden
Ob wir vertrocknete Pflanzen retten konnten, zeigt sich manchmal erst im folgenden Frühjahr. Mit dem Austrieb lässt sich besser beurteilen, welche Pflanzenteile die Trockenheit überstanden haben und welche tatsächlich abgestorben sind.
Dabei erlebe ich im Frühjahr immer wieder Überraschungen: Pflanzen, die ich nach dem trockenen Sommer schon beinahe abgeschrieben hatte, treiben doch wieder aus. Andere, die zunächst noch recht vital wirkten, zeigen dagegen plötzlich abgestorbene Bereiche. Deshalb warte ich nach Trockenschäden lieber ab, bevor ich eine Pflanze endgültig aufgebe.
Stauden können aus vital gebliebenen Wurzelstöcken, Rhizomen, Knollen oder anderen Überdauerungsorganen wieder austreiben. Geschwächte Pflanzen treiben möglicherweise später oder zunächst schwächer aus als gewohnt.
Bei Sträuchern und Bäumen bleiben abgestorbene Triebspitzen und Äste dagegen kahl, während vitale Bereiche wieder austreiben. Abgestorbenes Holz lässt sich jetzt gezielt bis ins gesunde Gewebe zurückschneiden.
Stärker schneiden
Nach starken Trockenschäden kann bei Gehölzen auch ein stärkerer Rückschnitt sinnvoll sein. Dabei geht es nicht nur darum, abgestorbenes Holz zu entfernen. Ein Rückschnitt reduziert auch die Blatt-, Blüten- und spätere Fruchtmasse, die von einem geschwächten Wurzelsystem versorgt werden muss.
Besonders relevant kann das sein, wenn eine geschädigte Pflanze im Frühjahr zu stark blüht.
Notblüte nach Trockenstress
Eine sehr reiche Blüte im Frühjahr bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Pflanze die Trockenheit gut überstanden hat. Bei vielen Gehölzen werden die Blütenknospen bereits im Sommer des Vorjahres angelegt. Herrscht während dieser Phase starker Trockenstress, kann das bei manchen Arten die Blütenbildung fördern. Im folgenden Frühjahr kann die geschwächte Pflanze dann besonders reich blühen.
Eine solche Not- oder Angstblüte ist kein zuverlässiges Zeichen für Vitalität, denn Wurzeln und Triebe können gleichzeitig geschädigt sein. Die anschliessende Fruchtentwicklung belastet die Pflanze zusätzlich. Bei stark geschädigten Gehölzen kann ein stärkerer Rückschnitt deshalb die Blüten- und Fruchtbelastung reduzieren und die Regeneration unterstützen.
Trockenschäden können noch Jahre später Folgen haben
Eine Pflanze kann eine Trockenperiode überleben und trotzdem langfristig geschädigt sein. Besonders bei langlebigen Gehölzen werden die Folgen einer Dürre deshalb nicht immer unmittelbar sichtbar.
Während einer ausgeprägten Trockenperiode können Feinwurzeln, Blätter, Leitungsgewebe oder Teile der Krone geschädigt werden. Trifft in den folgenden Jahren erneut Trockenheit auf den bereits geschwächten Baum, können sich die Belastungen summieren. Gleichzeitig kann seine Widerstandsfähigkeit gegenüber weiteren Stressfaktoren wie Krankheiten und Schädlingen abnehmen. Ein bekanntes Beispiel ist der Borkenkäfer: Trockenstress schwächt insbesondere Fichten und kann ihre Abwehr gegen einen Befall beeinträchtigen. Trockenheit und Schädlingsbefall können so gemeinsam zum Absterben eines bereits geschwächten Baumes beitragen. Zwischen einer schweren Trockenperiode und dem späteren Absterben eines Baumes können Jahre liegen.
Bei Gartenpflanzen können wir durch Bewässerung und Pflege zumindest teilweise eingreifen. Bei grossen Bäumen und insbesondere in Wäldern sind solche Massnahmen dagegen kaum möglich. Gerade bei langlebigen Gehölzen stellt sich deshalb langfristig nicht nur die Frage, ob sie einen einzelnen trockenen Sommer überstehen. Entscheidend ist, ob sie mit den Bedingungen an ihrem Standort auch bei wiederkehrenden Trockenperioden zurechtkommen.
Fazit
Nach einer Trockenperiode lohnt es sich, Pflanzen Zeit zur Erholung zu geben und ihre Entwicklung weiter zu beobachten. Nicht jeder Schaden lässt sich verhindern oder rückgängig machen – und auch das gehört zum Gärtnern. Und wenn die eine oder andere Pflanze trotz aller Bemühungen tatsächlich eingegangen ist? Dann sehe ich auch darin etwas Positives: Im Garten wird wieder ein Platz frei – für etwas Neues und vielleicht für eine Pflanze, die mit diesem Standort besser zurechtkommt.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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