Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
· Bis ins frühe 20. Jahrhundert waren Stachelbeeren wichtige Frühsommerfrüchte: zum Säuern von Speisen, zum Einmachen und als Vitaminquelle nach der Frühjahrsnot.
· Sie wurden in der Küche oft unreif zum Einmachen verwendet.
· Der Amerikanische Stachelbeermehltau, Stacheln und schlechte Transportfähigkeit ließen die Stachelbeere aus Gärten und Handel weitgehend verschwinden.
· Neue Sorten sind mehltauresistent, weniger stachelig, und bringen große, aromatischere Früchte hervor.
Praxis-Tipps:
Stachelbeeren tragen am besten an 2–3-jährigen Trieben. Entferne jedes Jahr Ein Schnitt im Frühjahr sorgt für bessere Durchlüftung, weniger Mehltau, größere und gleichmäßige Früchte. Entferne dann alte, dunkle Triebe am Boden, und schneide sich kreuzende, überhängende oder nach innen wachsende Zweige zurück.
Stachelbeeren reagieren empfindlich auf Trockenstress, besonders im Juni, wenn die Beeren Größe und Aroma entwickeln. Den Boden feucht, aber nicht nass halten, Damit sicherst du dir saftigere, größere Beeren und weniger Fruchtfall.
Moderne Sorten vertragen Sonne besser, aber die Mittagshitze kann trotzdem zu Sonnenbrand führen. Ideal ist ein Standort mit Sonne am Morgen oder späten Nachmittag, und leichte Beschattung um die Mittagszeit (z. B. durch Rankpflanzen, lichten Obstbaum).
Stachelbeeren verschwinden aus den Gärten
Ich schreibe gegen das Vergessen der Stachelbeeren an. Wie aus dem Augenwinkel konnte ich wahrnehmen, wie sie im Laufe der Zeit einfach aus den Gärten verschwunden ist. Sobald sie nicht mehr in allen Gärten wuchsen, waren sie auch aus der Küche verschwunden.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein galt die Stachelbeere in vielen Regionen Europas als hochgeschätztes Obst. In mitteleuropäischen Gärten war sie ein Pflichtbestandteil, weil sie:
- schattentolerant,
- relativ genügsam,
- früh fruchtend
- und vielseitig zu verwerten war.
Vielleicht hat sie niemand schmerzlich vermisst, weil die Zubereitung der Früchte geschmacklich nicht überzeugt hat. Eingemachte Stachelbeeren, wie die meiner Urgroßmutter, hatten einfach nichts, was Sehnsucht wachrufen könnte. Auch optisch waren sie eher kein Genuss, sie erinnerten optisch an medizinische Präparate in Museen.
Ich erinnere mich, dass die Stachelbeeren damals immer unreif geerntet wurden, bevor sie verarbeitet wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren sie zwar schon groß und grün, aber vor allem sehr hart und sauer. Mit ausreichend Zucker wurde daraus etwas Essbares.
Ich habe alte Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert durchstöbert. Sie stammen aus einer Zeit, als das Einmachen in Glas erfunden und stetig weiterentwickelt wurde. Hier finden sich viele Rezepte für „Stachelbeeren in Zucker“, darunter zum Beispiel dieses:
„Stachelbeeren in Zucker.
Schöne große Stachelbeeren mit dünnen Schalen werden gewaschen und der Stiel entfernt. Dann läutert man auf 1 Kilo Stachelbeeren ¾ Kilo Zucker und läßt die Beeren 15 Minuten darin Langsam aufkochen, schüttet alles in eine Porzellanschüssel und läßt sie 24 Stunden zugedeckt stehen. Andern Tages schüttet man den Saft ab, kocht ihn dich ein und schüttet ihn noch warm über die in Gläser gefüllten Beeren.“
(Aus: Das Einmachen der Früchte und die Zubereitung der Fruchtsäfte nebst gründlicher Anleitung zur Anfertigung der verschiedensten Liqueure. M. Abel 1883.)
Die ersten grünen, unreifen Stachelbeeren erscheinen je nach Region ab Mitte Juni, also kurz vor dem Ende der Frühjahrsnot. Dann waren die Wintervorräte aufgebraucht, und Kohl, Rüben und Getreide neigten sich dem Ende. Frisches Gemüse gab es kaum, denn Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Kirschen kamen erst viel später im Laufe des Sommers. Unreife Stachelbeeren waren somit eines der ersten frischen Obst-/Gemüseprodukte des Jahres. War mit dem Wirtschaftswunder der 1950er Jahre die Frühjahrsnot verschwunden, wurden auch die Stachelbeeren im Einmachkeller selten.
Bild: Stachelbeere Crispa® Darling® – Die Delikatess-Stachelbeere.
Vollreife Stachelbeeren: Geschmackswunder frisch vom Strauch
Dafür, dass ich, zumindest aus dem Augenwinkel, den Niedergang der Stachelbeersträucher in der Gartengeschichte noch miterleben musste, kommt mir mein folgendes Bekenntnis seltsam vor: Meine erste reife Stachelbeere, frisch vom Strauch gepflückt, habe ich 2020 probiert. Das bleibt mir ein unvergessliches Erlebnis. Geschmacklich hatte das nichts mit den eingemachten Stachelbeeren aus dem Einmachglas zu tun. Das war ein völlig anderes Obst! Der Stachelbeersaft floss süß und sirupartig über die Zunge, schmeckte nach französischem Cassis. Assoziiert habe ich sehr dunkle Beeren in Roter Grütze. Die Beere war saftig mit weicher, zarter Haut. Die Züchtung stammte aus dem England des 19. Jahrhunderts, und der Auslesegrund war sicherlich auch dieses beglückende Aroma gewesen.
Dieses Aroma vor Augen habe möglichst viele Stachelbeersträucher in meinen Garten gepflanzt, darunter viele Sorten aus dem Lubera Sortiment. Das war damals mein Corona-Projekt. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich nun mit Herzblut und Überzeugung mein Plädoyer formulieren: Die Aromatik der Stachelbeeren müsst ihr kennenlernen. Vergesst Stachelbeeren, wie ihr sie bisher kanntet. Lasst euch nochmal ganz neu auf dieses Superobst ein. Wartet, bis die Früchte am Strauch ihre sortentypische Geschmacksvielfalt zeigen.
Bei einer Stachelbeerverkostung würde ich euch gerne ein Aroma-Rad reichen, wie es auch für Weinverkostungen angeboten wird. Britische Pomologen nutzen solche Aromen-Listen, um Stachelbeersorten für ihr Aroma besser beurteilen zu können:
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Kategorie |
Einzelaromen |
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1. Frucht-Aromen |
Beeren: Erdbeere, Himbeere, Rote Johannisbeere, Schwarze Johannisbeere (Cassis) Steinfrüchte: Aprikose, Mirabelle, Pfirsich, Pflaume Apfel & Birne: Grüner Apfel, Apfelschale, Apfelkompott, Bramley Apple (sauer), Cox Orange, Williamsbirne, Birnenmus, Dessertbirne Zitrusartige/frische Noten: Zitrone, Zitronenzest, Limette, Limettenschale, Grapefruit, Zitronengras, Rhabarber-Zitrus-Mix, spritzig („zesty“), sharp acidity (klassisch britisch) |
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2. Grüne Kräuteraromen |
Stachelbeer-klassisch, Grasig, Krautig, Stachelbeerblatt, Weißdornblatt, Brennnessel, Minze, Zitronenmelisse, grüne Paprika, Heckenaromen („hedgerow“) |
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3. Florale Noten |
Holunderblüte, Weiße Blüten, Lindenblüte, Weißdornblüte |
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4. Dessertartig-süße Noten |
Honig, Karamell, Butterscotch, Vanille, Custard, Lemon Curd, marmeladig („jammy“), Kompott |
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5. Würzige & harzige Noten |
Harzig, Kräuterwürze, leichte Pfeffernote, balsamisch |
Bei den Stachelbeersträuchern im Garten triffst du also auf den Luxus, dass du die Beeren bis zur Genussreife hängen lassen kannst. Mit der Genussreife wirst du die Sortenunterschiede deutlich schmecken können. Du kannst erleben, wie unterschiedlich die Aromatik von grünen, gelben und roten Sorten ausfallen kann. Erfahre beim Naschen der Stachelbeeren, wie berechtigt der Weckruf für die Stachelbeeren tatsächlich ist!
Die Tabelle zeigt, warum uns die meisten Beeren bisher stets unreif (Kochreife) oder halbreif (Pflückreife) begegnet sind, und daher manchmal nicht überzeugen konnten:
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Reifestadium |
Merkmale |
Verwendung |
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Unreif (grün-hart) „Kochreife“ / „saure Reife“ |
- Sehr hart, fest - Voll grün, kaum Transparenz - Hohe Säure, wenig Zucker, Aroma: Sehr sauer, herb |
- Einmachen (Kompott, Konfitüre und Gelee, ganze Früchte in Zuckersirup) - Säuerungsmittel (Verjus-Ersatz) |
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Halbreif (Frischverzehr-Reife) „Pflückreife“ |
- Voll groß, aber noch fest- Farbe sortentypisch, aber noch kräftig - Gute Balance Zucker/Säure. Aroma: Frisch, aromatisch, süß-säuerlich |
- Küche/Handel - Frischverzehr (haltbarer als vollreif) - Salate, Kuchen, Desserts |
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Vollreif (Genussreife) „Naschreife“ |
- Weich, elastisch- Transparente Schale - Maximale Sortenfarbe - Sehr druckempfindlich. Aroma: Sehr süß, intensives Aroma, niedrigere Säure |
- So nicht im Handel. Direkt vom Strauch naschen - Dessertobst (nicht lagerfähig) |
Bild: Easycrisp® Lady Late Späteste (fast) dornenlose Stachelbeere,dunkelrote Beeren.
Der Stachelbeermehltau verändert den Beerengarten
Inzwischen gibt es auch wieder gesündere, robustere Stachelbeersorten für den Garten. Die Stachelbeeren hatten nämlich nicht nur ein Einmachkeller als Feind, sondern auch den Stachelbeermehltau. Als um 1900 der Amerikanische Stachelbeermehltau (Podosphaera mors-uvae) nach Europa gelangte, traf er auf eine Kulturpflanze, die praktisch keine genetische Resistenz gegen diesen neuen Erreger besaß. Die Folgen waren dramatisch.
Auswirkungen des Stachelbeermehltaus:
- Neutriebe verkrüppelten,
- Fruchtschalen platzten auf,
- junge Triebe starben ab,
- ganze Sträucher gingen zugrunde.
Die Infektion breitete sich in den feuchten, kühlen Klimaregionen Nordeuropas besonders rasant aus, ausgerechnet dort, wo die Stachelbeere zuvor ihre größte Bedeutung hatte. Viele traditionelle Sorten waren so stark betroffen, dass sie auch deshalb im professionellen Stachelbeer-Anbau und im Garten schlicht verschwanden
Die Züchtung reagierte, und es wurden, um Resistenz zu erreichen, nordamerikanische Wildformen (Ribes hirtellum) eingekreuzt. Das brachte robuste, weitgehend mehltautolerante Pflanzen, aber auch Nachteile bei den Früchten:
- kleinere Früchte
- härtere Schalen
- weniger aromatische Früchte
- geringere Sortenvielfalt
Der jahrzehntelange Fokus auf Resistenz führte dadurch zu einem Aromaverlust, der die Attraktivität der Stachelbeere am Markt weiter schwächte.
Bild: Befallene Früchte sind ungeniessbar, sie reifen schlecht aus.
Die Stachelbeere passt nicht mehr zum Markt
Parallel zum Auftreten des Mehltaus veränderten sich im 20. Jahrhundert die kulinarischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Erst hatte man hatte im Frühjahr weniger Hunger, und dann wurden ab den 1960er Jahren frische und tiefgefrorene Früchte beliebter als Eingemachtes. Bei den Beerenfrüchten wurden Erdbeeren, Himbeeren und später Heidelbeeren bevorzugt.
Im Supermarkt werden und wurden die Früchte nur ungern frisch angeboten. Die Stachelbeere ist aus logistischer Sicht schwierig, wegen der sehr kurze Haltbarkeit bereits gepflückter Beeren:
Nachteile gepflückter Stachelbeeren im Supermarkt:
- hohe Empfindlichkeit gegenüber Druck,
- Früchte platzen leicht,
- geringe Transportstabilität.
Auch im Hausgarten verlor die Stachelbeere an Bedeutung.
Nachteile der Stachelbeeren im Hausgarten:
- Mehltau schreckte viele ab.
- Dornenreiche Sorten galten als unangenehm.
- Gärten wurden kleiner, und der Nutzgarten aufgegeben.
- Sträucher benötigen einen auslichtenden Schnitt
Die Stachelbeere geriet damit zunehmend in den Ruf, „kompliziert“ und „anfällig“ zu sein.
Moderne Stachelbeer-Züchtung macht sie fit für ein Comeback
Moderne Stachelbeersorten von Lubera zeigen einen bemerkenswerten Fortschritt. Während die Stachelbeere lange als anfällig galt, haben unsere neuen Züchtungen gezeigt, wie viel Potenzial in dieser alten Obstart steckt. Ihr wichtigster Vorteil ist die ausgeprägte Toleranz gegenüber dem Amerikanischen Stachelbeermehltau, jener Krankheit, die früher ganze Bestände vernichtete. Dadurch wachsen heutige Sorten gesünder, tragen zuverlässiger und kommen ohne Pflanzenschutz aus, was sie besonders für den Hobbygarten wertvoll macht.
Auch beim Wuchs der Sträucher konnten Fortschritte erzielt werden. Bei Lubera findest du weniger stachelige, pflegeleichte Stachelbeeren wie die Easycrisp-Sorten, die sich in allen Farben der Stachelbeeren-Welt präsentieren.
Gleichzeitig hat sich die Fruchtqualität stark verändert. Moderne Sorten, wie jene aus der Crispa-Serie von Lubera, bringen große, saftige Beeren hervor, deren Aroma vielschichtiger ist als das bei einigen Sorten aus Omas Garten der Fall war. Von mild-süß bis feinwürzig reichen die Geschmacksprofile, sodass Stachelbeeren heute ebenso gut frisch genascht wie zu Gelees, Kuchen oder Wein verarbeitet werden können.
Hinzu kommt ein breiteres Erntefenster durch frühreifende bis späte Sorten. All das macht die Stachelbeere heute wieder lohnend. Moderne Züchtungen können eine lange unterschätzte Obstart zu einem Comeback verhelfen. Ihr müsst sie nun nur noch in den Garten pflanzen!
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.