Inhaltsverzeichnis
- Welche Probleme können beim Kernobst Pflanzen im Herbst auftreten?
- Wurzelballen ausschütteln
- Kernobst vor dem Pflanzen entblättern
- Pflanzloch vorbereiten und Kernobst richtig einsetzen
- Nach dem Pflanzen: angiessen, abdecken und stabilisieren
- Die Baumscheibe frei halten
- Kernobst im Herbst pflanzen – Schritt für Schritt
Zusammenfassung
Der Herbst ist eine gute Zeit, um Kernobst zu pflanzen. Ab Oktober solltest du bei Containerpflanzen einen grossen Teil des Topfsubstrats ausschütteln, die Wurzeln auflockern und noch vorhandene Blätter entfernen. Pflanze den Baum so, dass die Veredelungsstelle über der Erdoberfläche bleibt, und giesse ihn anschliessend gründlich an. Bei Wühlmäusen schützt ein Drahtgitter die jungen Wurzeln. Eine freie Baumscheibe reduziert zudem die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe und unterstützt den Baum beim Anwachsen.
Praxis-Tipps
Wurzelballen ausschütteln: Schüttle ab Oktober mindestens die Hälfte des Wurzelballens aus und lockere verfilzte Wurzeln vorsichtig auf.
Blätter entfernen: Entferne ab Oktober vor dem Pflanzen alle noch vorhandenen Blätter, damit der Baum weniger Wasser verdunstet.
Baumscheibe frei halten: Halte die Baumscheibe frei von Gras und anderem Bewuchs, damit der junge Baum weniger Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe hat.
Welche Probleme können beim Kernobst Pflanzen im Herbst auftreten?
Wer Kernobst pflanzen möchte, findet im Herbst sehr gute Bedingungen dafür. Das gilt für Apfelbäume, Birnbäume und Quitten, aber auch für Nashi-Birnen und Mispeln. Trotzdem gibt es bei der Herbstpflanzung einige mögliche Probleme, die das Anwachsen erschweren können. Manche davon zeigen sich nicht sofort, sondern erst im folgenden Frühjahr.
Genau das erleben wir bei Lubera immer wieder: Im Frühjahr erreichen uns Reklamationen zu Obstbäumen, die im Herbst gepflanzt wurden und nun gar nicht oder nur sehr schwach austreiben. Manche treiben zunächst noch aus und sterben kurze Zeit später ab. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein.
Ein Problem beim Kernobst Pflanzen kann der Wurzelballen sein. Bleibt dieser nach der Pflanzung als kompakte Einheit bestehen, unterscheidet sich das lockere Topfsubstrat weiterhin deutlich vom umgebenden Gartenboden. Die Wurzeln wachsen schlechter in den gewachsenen Boden hinein und auch die Wasserversorgung kann erschwert werden.
Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Ein intakter Wurzelballen kann sich im Winter bei sonnigem und mildem Wetter schneller erwärmen als der umgebende Gartenboden. Für den Obstbaum kann diese Erwärmung wie ein verfrühtes Frühlingssignal wirken. In den Wurzeln wird Stärke in Zucker umgewandelt. Wird dieser Zucker noch nicht für das Wachstum benötigt, kann daraus Alkohol entstehen.
Dieser Alkohol ist für die Pflanze giftig und kann den Baum direkt schädigen. Ausserdem kann er holzschädigende Insekten wie den Ungleichen Holzbohrer (Xyleborus dispar) anlocken.
Bild: Eingangspforte des Ungleichen Holzbohres am Stamm. Das Bohrmehl entlarvt den Eindringling...
Bild: Gangsystem des Ungleichen Holzbohrers unter der Rinde. In den Gängen sind diverse adulte Käfer erkennbar.
Er bohrt sich in den Stamm und legt dort seine Gangsysteme an. Für einen ohnehin geschwächten Jungbaum kann dieser zusätzliche Befall schwerwiegende Folgen haben und im schlimmsten Fall zum Absterben führen. Mehr über den Schädling und seine typischen Schadbilder erfährst du in unserem Gartenbuch-Artikel «Der Ungleiche Holzbohrer».
Daneben können beim Kernobst Pflanzen im Herbst weitere Probleme auftreten: Nach dem Bearbeiten des Wurzelballens kann noch vorhandenes Laub zu viel Wasser verdunsten, Wühlmäuse können die jungen Wurzeln schädigen und Gras rund um den Baum konkurriert mit ihm um Wasser und Nährstoffe.
Viele dieser Probleme kannst du mit der richtigen Pflanzung vermeiden. Besonders wichtig ist dabei der richtige Umgang mit dem Wurzelballen.
Wurzelballen ausschütteln
Beim Kernobst Pflanzen solltest du ab Oktober den Wurzelballen nicht einfach so ins Pflanzloch setzen, wie er aus dem Container kommt. Ziehe den Topf ab und schüttle einen grossen Teil des Substrats aus dem Wurzelballen. Mindestens die Hälfte des Ballens sollte dabei freigelegt werden. Verfilzte oder im Kreis gewachsene Wurzeln kannst du vorsichtig auseinanderziehen und auflockern.
Bild: Ab 1. Oktober sollte man die Wurzelballen vor dem Pflanzen besonders stark ausschütteln.
Durch das Ausschütteln verliert der ehemalige Topfballen seine kompakte Struktur. Die Wurzeln kommen direkt mit dem gewachsenen Gartenboden in Kontakt und können sich schneller in den neuen Boden ausbreiten. Gleichzeitig wird verhindert, dass rund um die Wurzeln ein abgeschlossener Bereich aus lockerem Topfsubstrat bestehen bleibt.
Das ausgeschüttelte Substrat musst du übrigens nicht wegwerfen. Du kannst einen Teil davon mit dem ausgehobenen Gartenboden mischen und beim Kernobst Pflanzen wiederverwenden. Wichtig ist, dass am Ende der Gartenboden den Wurzelbereich dominiert und der ursprüngliche Topfballen nicht als kompakte Einheit erhalten bleibt.
Früher, als Obstbäume im Herbst vor allem wurzelnackt verkauft und gepflanzt wurden, bestand dieses Problem nicht: Die Wurzeln kamen ohne Topfsubstrat direkt in den Gartenboden. Erst mit der heute üblichen Kultur im Container bleibt beim Pflanzen ein kompakter Wurzelballen erhalten, wenn das Substrat nicht ausgeschüttelt wird.
Kernobst vor dem Pflanzen entblättern
Wenn du Kernobst ab Oktober pflanzt, solltest du vor der Pflanzung alle noch vorhandenen Blätter entfernen. Streife das Laub dazu vorsichtig von den Trieben ab. Auch wenn diese Massnahme auf den ersten Blick etwas radikal erscheint, ist sie nach dem Ausschütteln des Wurzelballens besonders wichtig.
Bild: Entferntes Laub reduziert die Verdunstung und schützt den Baum vor Austrockung in der schwierigen Anwuchsphase.
Der Grund dafür ist einfach: Blätter verdunsten Wasser. Durch das Ausschütteln und Auflockern des Wurzelballens werden die Wurzeln vorübergehend gestört und können zunächst weniger Wasser aufnehmen. Bleibt das Laub am Baum, verliert dieser weiterhin Wasser, ohne den Verlust ausreichend über seine Wurzeln ausgleichen zu können. Dadurch steigt die Gefahr, dass der frisch gepflanzte Baum austrocknet.
Das Entfernen der Blätter reduziert die Verdunstung deutlich und hilft dem Kernobstbaum, die erste Zeit nach der Herbstpflanzung gut zu überstehen.
Pflanzloch vorbereiten und Kernobst richtig einsetzen
Hebe das Pflanzloch deutlich grösser als das Wurzelsystem des Kernobstbaumes aus. Als Faustregel sollte es mindestens doppelt so gross sein wie der ursprüngliche Wurzelballen. Lockere auch den Boden am Grund des Pflanzlochs etwas auf, damit die jungen Wurzeln leichter in den Gartenboden hineinwachsen können.
Wenn in deinem Garten Wühlmäuse vorkommen, solltest du die jungen Wurzeln bereits bei der Pflanzung mit einem geeigneten Wühlmausgitter aus Draht schützen. Besonders an Standorten, an denen bereits Wühlmausschäden aufgetreten sind, ist dieser Schutz sinnvoll, da er später nur noch mit grossem Aufwand nachgerüstet werden kann. Entdeckst du bei einem bereits gepflanzten Obstbaum Frassschäden durch Wühlmäuse, kannst du Quiritox Wühlmaus-Stopp einsetzen, um die Tiere aus den aktiven Gängen zu vertreiben.
Bild: Ein grosszügiges Pflanzloch ist Grundlage für das Einwachsen.
Setze den Baum in das Pflanzloch und verteile die freigelegten Wurzeln möglichst gleichmässig und natürlich. Achte dabei besonders auf die richtige Pflanztiefe: Die Veredelungsstelle muss oberhalb der Erdoberfläche bleiben.
Anschliessend füllst du das Pflanzloch mit dem ausgehobenen Gartenboden wieder auf. Drücke die Erde rund um die Wurzeln gut an, damit keine grösseren Hohlräume zurückbleiben.
Nach dem Pflanzen: angiessen, abdecken und stabilisieren
Nach dem Einpflanzen solltest du den Kernobstbaum gründlich angiessen beziehungsweise einschwemmen. Das Wasser sorgt dafür, dass sich die Erde setzt und ein guter Kontakt zwischen den Wurzeln und dem umgebenden Gartenboden entsteht.
Bild: nach dem Pflanzen muss der Baum grosszügig angegossen werden.
Bedecke den Wurzelbereich anschliessend mit einigen Zentimetern mineralischem Gartenboden. Dadurch werden die beim Ausschütteln freigelegten Wurzeln vor dem Austrocknen geschützt. Gleichzeitig verhindert die Erdschicht, dass sich der Wurzelbereich an sonnigen Wintertagen zu schnell erwärmt. Genau das ist bei der Herbstpflanzung besonders wichtig.
Grössere oder noch wenig standfeste Bäume kannst du zusätzlich mit einem Pflanzpfahl stabilisieren. Binde den Stamm so an, dass er sicher steht, aber nicht eingeschnürt wird. So können Windbewegungen die frisch gebildeten Wurzeln nicht immer wieder lockern.
Die Baumscheibe frei halten
Nach dem Pflanzen solltest du rund um den Kernobstbaum die Baumscheibe freihalten. Das bedeutet: Direkt um den Baum sollten weder Gras noch andere Pflanzen wachsen. Gerade in den ersten Jahren konkurrieren sie mit dem jungen Obstbaum um Wasser und Nährstoffe. Besonders schwach wachsende Bäume reagieren empfindlich auf diese Konkurrenz.
Als Richtwert empfehlen wir eine Baumscheibe mit einem Durchmesser von etwa einem Meter. Halte diesen Bereich frei von Bewuchs und entferne aufkommendes Gras und Unkraut regelmässig. Dabei solltest du darauf achten, die oberflächennahen Wurzeln des Obstbaumes nicht zu verletzen.
Vor allem während der ersten drei bis fünf Jahre ist eine freie Baumscheibe wichtig. In dieser Zeit baut der Baum sein Wurzelsystem auf und etabliert sich am neuen Standort. Später ist die Konkurrenz durch den umliegenden Bewuchs weniger problematisch. Grundsätzlich gilt: Je schwächer ein Kernobstbaum wächst, desto wichtiger ist eine dauerhaft gut gepflegte Baumscheibe.
In diesem Video zeigt Markus, was beim Pflanzen von Obstbäumen im Herbst beachtet werden muss.
Kernobst im Herbst pflanzen – Schritt für Schritt
Zum Schluss haben wir die wichtigsten Schritte für das Kernobst Pflanzen im Herbst noch einmal kompakt zusammengefasst:
- Pflanzstelle vorbereiten: Wähle einen geeigneten Standort und entferne Gras und anderen Bewuchs im Bereich der zukünftigen Baumscheibe.
- Pflanzloch ausheben: Hebe das Pflanzloch mindestens doppelt so gross wie den ursprünglichen Wurzelballen aus und lockere den Boden am Grund etwas auf.
- Baum austopfen: Ziehe den Container vorsichtig vom Wurzelballen ab.
- Wurzelballen ausschütteln: Entferne ab Oktober einen grossen Teil des Topfsubstrats. Mindestens die Hälfte des Ballens sollte freigelegt werden.
- Wurzeln lockern: Löse verfilzte oder im Kreis gewachsene Wurzeln vorsichtig und ziehe sie auseinander.
- Blätter entfernen: Streife alle noch vorhandenen Blätter vorsichtig von den Trieben ab.
- Bei Bedarf Wühlmausschutz einbauen: Gibt es Wühlmäuse im Garten, schütze die Wurzeln mit einem geeigneten Drahtgitter.
- Baum einsetzen: Verteile die Wurzeln im Pflanzloch und achte darauf, dass die Veredelungsstelle oberhalb der Erdoberfläche bleibt.
- Pflanzloch auffüllen: Fülle das Pflanzloch mit Gartenboden auf und drücke die Erde rund um die Wurzeln gut an.
- Gründlich einschwemmen: Wässere den frisch gepflanzten Kernobstbaum gründlich, damit die Erde einen guten Kontakt zu den Wurzeln bekommt.
- Baumscheibe freihalten: Halte den Bereich rund um den jungen Baum auch nach der Pflanzung frei von Gras und anderem Bewuchs
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