Ich wollte heute mehr über die Wanzen wissen, und habe online nach »Welche Wanzen am Rhabarber?« gesucht. Hier werde ich von vielen Institutionen sofort auf mögliche Schäden hingewiesen. Nutzer von Foren und Social Media diskutieren über Wanzen im Garten und berichten über Saugschäden. Naturschutzverbände widerum möchten mich beruhigen, weil Schäden unwahrscheinlich, und Kampfhandlungen gegen die Tiere daher unnötig seien. Dabei bin ich gar nicht beunruhigt, bloß neugierig.
Bild: Die Lederwanze (Coreus marginatus) liebt Ampfergewächse - dass sie auch an Rhabarber Freude hat, ist also kein Zufall... wobei durch die Saugtätigkeit am Laub – im Gegensatz zum Saugen an Früchten – kein relevanter »Schaden« entsteht.
Bild: Larven der Lederwanze sehen bereits praktisch gleich aus wie die Alttiere, aber die Flügeldecken sind noch verkürzt. Das grosse Exemplar links ist ein ausgewachsenes Exemplar...
Aus Trotz habe ich dann auch »Welche Biene an Sonnenblumen?« als Suchanfrage an Google formuliert. Sprachlich gesehen ja das Pendant zu »Welche Wanzen am Rhabarber?« Jetzt gehen die Treffer allerdings davon aus, dass mich die Anwesenheit der Tiere begeistert, ich aber ein Misstrauen gegenüber den Sonnenblumen habe. Ich werde darüber informiert, es komme vor, dass die lieben Bienen von bösen Zuchtsorten der Sonnenblumen nicht mit Pollen versorgt werden. Noch ein wenig trotziger habe ich dann noch die Suchanfrage »bienenfeindliche Pflanzen« hinterhergeschoben. Wer erleben möchte, wie eine komplett verwirrte Suchmaschine in Verweigerungshaltung aussieht, versucht das mal.
Wanzen haben offensichtlich ein Imageproblem. Sie sind im Netz und auf Social Media fast unsichtbar, und es gibt kaum jemanden, der stolz seinen »wanzenfreundlichen Garten« präsentiert. Mit Beiträgen zu Bienen im Garten wird man dagegen geflutet, und sie haben sogar ihre eigenen Hashtags wie #beefriendly.
Für Tiere mit Image-Problem muss man es wohl so machen wie der Arachnologe Peter Jäger. Der Forscher benannte eine große Krabbenspinne aus Südostasien bewusst nach David Bowie, um Aufmerksamkeit für wenig beachtete Spinnenarten und deren Schutz zu erzeugen. Sie heißt daher seit 2008 Heteropoda davidbowie. Im Internet wird sie sogar in einem Shop namens »Insektenliebe« angeboten, aber sie ist gerade ausverkauft.
Ein Beispiel dafür, wie ein Tier einer unbeliebten Gattung durch einen berühmten Namen plötzlich viel Liebe erfährt. Ich habe meinen Chef Markus gefragt, ob er einverstanden wäre, wenn man eine Wanze nach ihm benennt. Er meinte »Ja! Unbedingt!«
Über BIOPAT, gegründet unter Beteiligung des Senckenberg Forschungsinstituts, kann gegen eine Spende an die Biodiversitätsforschung eine neu entdeckte Tier- oder Pflanzenart offiziell nach einer gewünschten Person benannt werden. Zu seinem 70. in einigen Jahren könnten wir also Markus Kobelt einen dauerhaften Platz in der wissenschaftlichen Literatur sichern. Als bisher unbekannte Wanzenart.
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Maskierter Strolch