Inhaltsverzeichnis
- Von Konstantinopel nach Holland – die Tulpen Herkunft
- Ein Diplomat auf geheimer Mission
- Ein Missverständnis, das Geschichte schrieb
- Der Botaniker Clusius und der Beginn der europäischen Tulpenleidenschaft
- Ein nächtlicher Diebstahl mit Folgen
- Vielfalt durch Züchtung – von Persien bis zur Darwin-Tulpe
- Osmanische Wurzeln
- Niederländische Tulpenzucht
- Neue Züchtungen und Hybriden
- Ordnung in der Sortenvielfalt
- Fazit
Zusammenfassung
Im 16. Jahrhundert brachte der Diplomat Ogier Ghislain de Busbecq Tulpen aus dem Osmanischen Reich nach Europa. Durch den Botaniker Carolus Clusius gelangten sie nach Wien und später in die Niederlande, wo die Tulpenzucht eine beispiellose Blüte erlebte. Aus den ersten osmanischen Sorten entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte unzählige Varianten – von schlichten Wildtulpen bis zu prachtvollen Darwin-Hybriden.
Praxis-Tipps
Pflanzzeit: Tulpenzwiebeln gehören zwischen September und November in den Boden.
Standort: Am besten gedeihen sie an sonnigen, windgeschützten Plätzen mit lockerem, durchlässigem Boden.
Vielfalt nutzen: Kombiniere frühe, mittlere und späte Sorten – so blüht dein Garten von März bis Mai.
Von Konstantinopel nach Holland – die Tulpen Herkunft
Ein Diplomat auf geheimer Mission
Im Herbst 1554 sandte König Ferdinand I. von Böhmen, Kroatien und Ungarn den Diplomaten Ogier Ghislain de Busbecq als Gesandten an den Hof des osmanischen Herrschers Süleyman I. nach Konstantinopel. Sein Auftrag: einen Waffenstillstand im Kampf um Ungarn auszuhandeln.
Busbecq erreichte Konstantinopel im Januar 1555, doch der Sultan befand sich auf Reisen in Kleinasien. Der Gesandte folgte ihm bis Amasya, wo er ihn im April schließlich traf. Zwar konnte er nur einen sechsmonatigen Waffenstillstand erzielen – doch er erhielt vom Sultan etwas, das Europa noch lange beschäftigen sollte: Zwiebeln von Tulpen, Hyazinthen und Fliederpflanzen.
Ein Missverständnis, das Geschichte schrieb
Die exotischen Pflanzen faszinierten Busbecq – vor allem, weil sie mitten im Winter blühten. Er kaufte weitere Zwiebeln, teils zu hohen Preisen, denn seltene Sorten galten im Osmanischen Reich als Kostbarkeit.
Busbecq war ein gebildeter Mann: Er sprach Flämisch, Latein, Französisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch und Slawonisch, doch sein Türkisch war nur sehr begrenzt. So kam es zu einem sprachlichen Missverständnis mit botanischer Tragweite: Er verwechselte das türkische Wort für Turban („tülbent“) – an dem die Osmanen oft Tulpen trugen – mit dem Wort für Tulpe („lalé“).
Als er die Zwiebeln nach Wien schickte, nannte er sie „Tulipam“ – aus dieser Verwechslung entstand der heutige Name Tulpe.
Der Botaniker Clusius und der Beginn der europäischen Tulpenleidenschaft
Busbecq übergab die Pflanzen dem Botaniker Carolus Clusius, der damals die kaiserlichen Gärten in Wien leitete. Dort blühten um 1560 die ersten Tulpen Mitteleuropas. Bald darauf erreichten Tulpenzwiebeln auch Augsburg und Antwerpen, wo ein Kaufmann 1561 eine ganze Lieferung aus Konstantinopel erhielt.
Von Flandern aus gelangten die Tulpen nach Holland und verbreiteten sich allmählich in ganz Europa.
Ein nächtlicher Diebstahl mit Folgen
1593 zog Clusius als Professor für Botanik an die Universität Leiden. In seinem privaten Garten kultivierte er seltene Tulpen und verlangte für sie Preise, die kaum jemand bezahlen konnte. Doch die Begehrlichkeit war groß: Eines Nachts wurden seine schönsten Tulpen mitsamt den Zwiebeln gestohlen.
Diese gestohlenen Pflanzen fanden schnell Verbreitung – und lösten eine regelrechte Tulpenbegeisterung in Holland aus, die schließlich in der berühmten „Tulpenmanie“ gipfelte.
Bild: Tulipa bakeri 'Lilac Wonder' - ein rosa-gelber Tulpentraum aus Kreta
Vielfalt durch Züchtung – von Persien bis zur Darwin-Tulpe
Osmanische Wurzeln
Die Tulpen Herkunft, die Busbecq nach Europa brachte, waren bereits Zuchtformen, deren Ursprung vermutlich in Persien lag. Es handelte sich um lilienblütige Sorten mit spitz zulaufenden Blütenblättern, wie sie auf türkischen Stoffen und Miniaturen des 16. Jahrhunderts häufig dargestellt sind.
Niederländische Tulpenzucht
In Holland begann bald die systematische Züchtung. Hier entstanden Sorten mit runderen Blütenblättern, wie man sie von modernen Tulpen kennt. Beliebt waren gefüllte Formen, Papageientulpen und vor allem die mehrfarbigen Rembrandt-Tulpen, die bei Sammlern astronomische Preise erzielten. Bei ihnen handelte es sich jedoch nicht um sortenfeste Tulpen, sondern um Exemplare, die mit einem Virus infiziert waren. Die Zucht genetisch echter Rembrandt-Tulpen gelang erst später.
Tulpen Herkunft: Bereits 1578 gelangten die ersten Tulpen nach England. 1629 beschrieb der Botaniker John Parkinson in seinem Gartenbuch Paradisius über 140 britische Sorten. Während der Adel bald das Interesse verlor, hielten einfache Landbewohner die Blume in ihren Gärten in Ehren – daraus entstanden die Cottage-Tulpen.
Neue Züchtungen und Hybriden
Durch gezielte Kreuzungen mit Wildtulpen entstanden im 17. Jahrhundert kleine, früh blühende Sorten, die als Duc-van-Tol-Tulpen bekannt wurden. Sie blühten rund zwei Wochen früher als andere Sorten und verlängerten so die Blühsaison.
Um 1890 kaufte der niederländische Züchter E. H. Krelage eine rote, kelchblütige Cottage-Tulpe aus Flandern und Lille auf und nannte sie Darwin-Tulpe. Sie zeichnete sich durch kräftige Stängel und eine breite Blütenbasis aus und wurde zur Grundlage vieler neuer Züchtungen:
- Darwin-Hybriden – Kreuzung aus Tulipa fosteriana und Darwin-Tulpen
- Triumph-Tulpen – Kreuzung aus Darwin-Tulpen und einfachen frühen Sorten
- Mendel-Tulpen – Kreuzung aus Duc-van-Tol- und Darwin-Tulpen
Bild: Tulipa-Darwin-Hybriden-Mix
Ordnung in der Sortenvielfalt
Ende des 19. Jahrhunderts war die Zahl der Sorten kaum mehr überschaubar. 1914 wurde ein britisch-niederländisches Komitee gegründet, um Synonyme zu beseitigen und Ordnung zu schaffen. 1917 legte die Royal Horticultural Society eine erste Klassifikation vor, die mehrfach überarbeitet wurde. Seit 1981 gilt die heute übliche Einteilung in 15 Klassen, die von frühen einfachen bis zu späten gefüllten Tulpen reicht. (Tulpen Herkunft)
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Division |
Name der Klasse |
Kurzbeschreibung |
Beispielsorten |
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1 |
Single Early (Einfache frühe) |
Einfache, meist halbgeöffnete Blüten, relativ früh im Frühjahr. |
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2 |
Double Early (gefüllte frühe) |
Früh blühend, stark gefüllte Blüten. |
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3 |
Triumph |
Die größte Gruppe; einfache Blüten, mittlere bis späte Saison. |
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4 |
Darwin-Hybrid |
Große, robuste, einfache Blüten, mittlere bis späte Saison. |
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5 |
Single Late (einfach-späte) |
Einfache Blüten, spät blühend; größere Pflanzenhöhe. |
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6 |
Lily-flowered (Lilienblütige) |
Schmale, spitz zulaufende, oft zurückgeschlagene Blütenblätter, spät im Frühjahr. |
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7 |
Fringed (gefranste Blütenblätter) |
Blüten mit gezacktem oder fransigem Rand, spät blühend. |
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8 |
Viridiflora |
Blüten mit grünlichen Elementen oder fast ganz grün, spät im Frühjahr. |
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9 |
Rembrandt |
„gebrochene“ Farben mit Streifen oder Federung, spät blühend. |
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10 |
Parrot (Papageientulpen) |
Große, unregelmäßige, vielfarbige Blüten mit „Papageien“-Rand, spät im Frühjahr. |
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11 |
Double Late (gefüllte-späte) |
Gefüllte Blüten, spät blühend; oft dekorativer Charakter. |
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12 |
Kaufmanniana |
Früh blühende Sorte(n) von Tulipa kaufmanniana, niedrigwüchsig. |
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13 |
Fosteriana |
Mittel- bis frühblühende Sorte(n) von Tulipa fosteriana, große, kräftige Blüten. |
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14 |
Greigii |
Früh bis mittelblühend, niedrige Tulpen mit dekorativer Blattzeichnung, von Tulipa greigii. |
‚Oratorio‘ |
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15 |
Miscellaneous / Species (Sonstige Arten) |
Alle übrigen Arten und Hybriden, die in keiner anderen Klasse eingeordnet sind – botanische Wild-Tulpen etc. |
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16 |
Coronet-Tulpen |
Die Blütenblätter sind seitlich zusammengedrückt, mit nach innen geschlagenen Rändern, und wirken dadurch wie eine kleine Krone. Als eigene Gruppe seit etwa 2020 anerkannt. |
Bild: Die Triumph Tulpe 'Negrita'
Fazit
Die Geschichte der Tulpe ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein kleines Missverständnis und die Neugier eines Diplomaten eine botanische Revolution auslösen konnten. Aus den kaiserlichen Gärten Wiens und den Zuchtbetrieben Hollands wurde die Tulpe zu einer weltweiten Symbolpflanze für Frühling, Schönheit und Vergänglichkeit – und zu einer Blume, die noch immer Geschichten erzählt. Ein echtes Stück Geschichte, das du dir in deinen eigenen Garten holen kannst.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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