Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Maulbeerbaum-Früchte entstehen überwiegend an kurzen Fruchttrieben, die sich meist am einjährigen Holz entwickeln. Mit zunehmendem Alter können diese Fruchttriebe über mehrere Jahre erhalten bleiben und wiederholt Blüten und Früchte hervorbringen. Einige Sorten bilden zusätzlich Blüten und Früchte direkt am neuen Austrieb und verlängern dadurch die Erntezeit. Wer Fruchtholz sowie neues, einjähriges und mehrjähriges Holz unterscheiden kann, schneidet seinen Maulbeerbaum gezielt und erhält langfristig eine reiche Ernte.
Praxis-Tipps
Beim Schnitt genügend einjähriges Holz erhalten: An den Trieben des Vorjahres entwickeln sich im Frühjahr die meisten neuen Fruchttriebe und damit ein grosser Teil der Ernte.
Im Spätwinter schneiden: Kürze im März die einjährigen Triebe um etwa 20–30 % ein und schneide ältere, abgetragene Äste auf kurze Stummel zurück. So förderst du eine starke Verzweigung und die Bildung neuer fruchttragender Kurztriebe.
Nach Spätfrösten Geduld haben: Bei Dauerträgersorten kann nach einem kalten Frühjahr später im Jahr nochmals eine besonders reiche Blüte und Ernte folgen.
Wo trägt der Maulbeerbaum Früchte?
Maulbeerbäume bilden ihre Früchte vor allem an kurzen diesjährigen Fruchttrieben, die sich meist an der Basis des einjährigen Holzes entwickeln, also an den Trieben des Vorjahres. Seltener entstehen diese Kurztriebe am älteren Holz. Gelegentlich bildet der Maulbeerbaum Früchte direkt an diesjährigen Trieben.
Die Früchte erscheinen in den Blattachseln, also dort, wo die Blätter am Trieb ansetzen. Sie sitzen entlang der kurzen Fruchttriebe und befinden sich überwiegend im gut belichteten äusseren Bereich der Krone. Dort werden die Triebe besser mit Licht versorgt, was sowohl die Bildung neuer Blütenknospen als auch die Ausreifung der Früchte fördert. Im schattigen Kroneninneren entstehen dagegen weniger Fruchttriebe. Ein regelmässiger Auslichtungsschnitt verbessert deshalb die Belichtung und kann den Fruchtansatz fördern.
Bild: Meistens bildet der Maulbeerbaum Früchte an kurzen Seitentrieben.
Diese Art der Fruchtbildung erklärt auch die hohe Schnittverträglichkeit der Maulbeere. Ein kräftiger Rückschnitt fördert die Bildung neuer Lang- und Seitentriebe. An deren Basis werden bereits im selben Sommer die Blütenknospen für die Ernte des folgenden Jahres angelegt. Dadurch bleibt der Fruchtertrag auch nach einem stärkeren Rückschnitt meist erhalten.
Die Blüteninduktion bei Maulbeeren
Die Blütenanlagen für die Ernte des folgenden Jahres werden bereits im Sommer in den Knospen des diesjährigen Austriebs angelegt und überwintern dort. Normalerweise werden die angelegten Blütenknospen durch pflanzeneigene Hemmstoffe bis zum nächsten Frühjahr am Austrieb gehindert. Während des Winters werden diese Hemmstoffe nach und nach abgebaut. Erst dann treiben die Knospen im Frühjahr aus, entwickeln sich zu den Blütenkätzchen und bilden später die Früchte.
Die Entwicklung der Maulbeerbaum-Früchte im folgenden Jahr hängt wesentlich davon ab, wie gut sich diese Knospen im Sommer entwickeln konnten und ob sie den Winter sowie mögliche Spätfröste unbeschadet überstehen.
Besonderheit: Dauerträgersorten
Bei Dauerträgersorten wie 'Mojo Berry', Bombyx® 'Sisiphus® Everbearing' und Bombyx® 'One Million Everbearing' ist diese Hemmung der Blütenknospen reduziert. Dadurch kann ein Teil der neu angelegten Blütenknospen bereits im Jahr ihrer Entstehung austreiben und noch im Spätsommer oder Herbst Blüten und Früchte bilden. Diese Sorten tragen deshalb nicht nur am üblichen Fruchtholz, sondern setzen über einen besonders langen Zeitraum immer wieder neue Früchte an.
Nach sehr kalten Frühjahren können zwar einzelne junge Triebe oder Knospen geschädigt werden. Überraschenderweise reagiert der Baum häufig mit einer besonders starken Blütenbildung am diesjährigen Austrieb. Dadurch fällt die Ernte im August und September oftmals sogar üppiger aus als die Sommerernte.
Bild: Bombyx® 'One Million Everbearing' blüht noch einmal im Juli an den neu gebildeten Triebspitzen.
Unterschiede zwischen den Maulbeerarten
Die drei wichtigsten Maulbeerarten unterscheiden sich nur leicht in ihrem Fruchtverhalten. Grundsätzlich bilden alle ihre Früchte überwiegend am diesjährigen Austrieb, der aus Knospen am ein- oder mehrjährigen Holz entsteht. Mit zunehmendem Alter können sich daraus kurze, mehrjährig fruchtbare Fruchttriebe entwickeln. Unterschiede bestehen vor allem darin, wie langlebig diese Fruchttriebe sind. Bei Morus nigra sind diese besonders langlebig, ausserdem ist die Art weniger winterhart. Ein starker Rückschnitt fördert den Austrieb kräftiger Jungtriebe, die bis zum Winter oft nicht vollständig ausreifen und deshalb stärker frostgefährdet sind.
Diese Unterschiede haben auch praktische Auswirkungen auf den Schnitt: Während Morus alba und Morus rubra einen stärkeren Rückschnitt gut vertragen, sollte Morus nigra zurückhaltender geschnitten werden.
In unserem Artikel «Maulbeerbaum: Welche Arten gibt es?» findest du weitere Informationen.
Holzalter erkennen
Für den richtigen Schnitt ist es wichtig, neues, einjähriges und mehrjähriges Holz unterscheiden zu können. Da sich die Fruchttriebe überwiegend am einjährigen und älteren Holz entwickeln, hilft das Erkennen des Holzalters dabei, fruchttragende Triebe zu erhalten.
- Neuer Austrieb entsteht im laufenden Jahr. Er ist zunächst grün, weich und biegsam und verholzt im Laufe des Sommers. Je nach Wuchs entwickelt er sich zu Langtrieben mit hauptsächlich vegetativem Wachstum oder kurzen Fruchttrieben.
- Einjähriges Holz ist der Austrieb des Vorjahres. Es ist bereits verholzt, meist etwas dunkler gefärbt und trägt die meisten neuen Fruchttriebe.
- Mehrjähriges Holz bildet das Gerüst des Baumes. Es besitzt eine dunklere, dickere Rinde. An ihm befinden sich häufig langlebige Kurztriebe, ausserdem können aus schlafenden Knospen neue Triebe entstehen.
Bild: Bei dieser Maulbeere Bombyx® 'Shades of Red' ist das ältere Holz gut zu erkennen. Aus dessen Knospen entstand im Vorjahr ein neuer Trieb, der nun die kurzen Fruchttriebe trägt.
Mit zunehmendem Alter verändert sich auch das Fruchtverhalten des Baumes. Junge Maulbeerbäume bilden zunächst überwiegend kräftige Langtriebe. Erst nach und nach entstehen mehr kurze Fruchttriebe, sodass die Erträge mit den Jahren höher werden. Ältere Bäume tragen deshalb oft besonders reich, solange genügend junges Fruchtholz nachgebildet wird.
Deshalb beeinflusst der Schnitt den Ertrag
Da der Maulbeerbaum Früchte überwiegend an kurzen Fruchttrieben bildet, die sich meist am einjährigen Holz entwickeln, hat der Schnitt einen direkten Einfluss auf den Ertrag. Mit jedem Rückschnitt wird auch Fruchtholz entfernt. Werden zu viele fruchttragende Triebe abgeschnitten, fällt die Ernte im folgenden Jahr entsprechend geringer aus. Zusätzlich regt ein starker Rückschnitt den Baum zu kräftigem vegetativem Wachstum an. Er bildet dann vor allem lange Jungtriebe, während sich neue Fruchttriebe und Blütenknospen erst nach und nach entwickeln. Dadurch kann sich der Ertrag über mehrere Jahre verringern. Ein massvoller Schnitt erhält dagegen das Fruchtholz, fördert die Bildung neuer Triebe und sorgt für eine gut belichtete, luftige Krone.
Welche Triebe sollten erhalten bleiben?
Ein stärkerer Erziehungs- oder Auslichtungsschnitt erfolgt am besten im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, bevor der Austrieb beginnt. Kleinere Korrekturen können auch nach der Ernte vorgenommen werden. Erhalten bleiben sollte dabei vor allem das einjährige Holz, denn an den Trieben des Vorjahres entwickeln sich im Frühjahr die meisten neuen Fruchttriebe. Die Blütenknospen dafür werden bereits im Sommer und Herbst des Vorjahres angelegt. Entfernt oder gekürzt werden vor allem sehr lange, abgestorbene oder ungünstig wachsende Triebe.
Weitere Informationen findest du in unserem Artikel «Wie und wann man einen Maulbeerbaum schneiden soll».
Warum trägt ein Maulbeerbaum keine Früchte?
Bleibt die Ernte aus, liegt das meist nicht an einer einzelnen Ursache. Häufig sind Alter, Witterung, Standort oder Pflegemassnahmen dafür verantwortlich. Mit etwas Geduld und den richtigen Kulturbedingungen lässt sich die Fruchtbildung in vielen Fällen verbessern.
Bild: Männliche Blüten eines Maulbeerbaums.
- Ungeeignete Sorte: Nicht alle Maulbeersorten tragen gleich zuverlässig Früchte. Einige benötigen eine Bestäubung und Befruchtung, damit sich Früchte entwickeln; bleibt diese aus, fallen die Blüten ab. Zudem unterscheiden sich die Sorten im Zeitpunkt des Ertragsbeginns: Während einige bereits nach kurzer Zeit fruchten, benötigen andere deutlich länger. Daneben gibt es rein männliche Sorten, die ausschliesslich Pollen bilden und daher keine Früchte tragen. Unser Artikel «Sind Maulbeeren selbstfruchtbar?» erklärt die Befruchtungsverhältnisse.
- Der Baum ist noch zu jung: Maulbeerbäume benötigen einige Jahre, bis sie erstmals Früchte tragen. Veredelte Sorten beginnen häufig bereits nach zwei bis fünf Jahren mit der Fruchtbildung, während aus Samen gezogene Bäume deutlich länger brauchen können.
- Blüten wurden durch Frost geschädigt: Spätfröste während der Blüte können die empfindlichen Blüten zerstören. Ohne intakte Blüten entwickeln sich keine Früchte. Besonders gefährdet sind Bäume in Frostsenken oder an Standorten, an denen sich kalte Luft sammelt.
- Zu starker Rückschnitt: Ein kräftiger Rückschnitt entfernt einen Teil des Fruchtholzes und kann den Ertrag im folgenden Jahr deutlich verringern. Besonders beim Schwarzen Maulbeerbaum (Morus nigra) sollte deshalb nur zurückhaltend geschnitten werden.
- Trockenstress: Anhaltende Trockenheit während Blüte und Fruchtentwicklung kann dazu führen, dass der Maulbeerbaum Früchte abwirft. Besonders junge Bäume sollten in dieser Zeit ausreichend gewässert werden.
- Der Standort ist ungeeignet: Ein warmer, sonniger und geschützter Standort ist die wichtigste Voraussetzung, damit der Maulbeerbaum Früchte trägt. Zu wenig Licht verringert die Blütenbildung, während dauerhaft nasse oder stark verdichtete Böden das Wachstum und damit auch den Fruchtansatz beeinträchtigen.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
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Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.