Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Für unsere Zitruspflanzen gilt im Herbst vor allem: nicht zu früh in den Wintermodus wechseln. Wir lassen sie möglichst lange draussen, düngen weiter, solange sie noch aktiv wachsen, schneiden sie nicht zurück und giessen mit sinkenden Temperaturen deutlich weniger. Dabei orientieren wir uns nicht am Kalender, sondern an der Pflanze, der Witterung und der jeweiligen Zitrusart. So kommen die Pflanzen gesund durch den Herbst und haben gute Voraussetzungen für die nächste Blüte.
Praxis-Tipps
Nicht zu früh einräumen: Lass deine Zitruspflanzen möglichst lange draussen. Dort bekommen sie mehr Licht, und die kühlen Herbsttemperaturen unterstützen die Blüteninduktion. Behalte dabei die Frostempfindlichkeit der jeweiligen Zitrusart im Blick.
Dünger nicht nach Kalender absetzen: Wächst deine Zitruspflanze noch aktiv, kannst du sie auch im Herbst weiter düngen. Reduziere die Düngung erst, wenn mit sinkenden Temperaturen auch das Wachstum deutlich nachlässt.
Weniger giessen: Mit sinkenden Temperaturen brauchen Zitruspflanzen deutlich weniger Wasser. Lass das Substrat zwischen den Wassergaben ausreichend abtrocknen und vermeide vor allem Staunässe.
Die Blüte im nächsten Frühjahr beginnt schon jetzt
Was im Frühling als duftende Zitrusblüte sichtbar wird, beginnt schon Monate vorher. Im Spätherbst und Winter startet bei Zitruspflanzen die Blüteninduktion. Die Pflanze gibt jetzt das Signal: Aus bestimmten Knospen sollen beim nächsten Austrieb nicht neue Blätter und Triebe, sondern Blüten entstehen.
Auf die Blüteninduktion folgt die Blütendifferenzierung. Jetzt beginnt in der Knospe die eigentliche Entwicklung der späteren Blüte und ihrer verschiedenen Blütenorgane. Dieser Prozess läuft zunächst vollkommen unsichtbar ab.
Ein entscheidender Auslöser für die Blüteninduktion sind bei vielen Zitrusarten kühle Temperaturen über einen längeren Zeitraum. Deshalb beginnt diese wichtige Phase bei uns typischerweise im Spätherbst und Winter, ungefähr zwei bis drei Monate vor dem neuen Austrieb. Interessant ist, dass Zitruspflanzen dafür nicht zwingend Kälte benötigen: In tropischen Regionen, wo es ganzjährig warm bleibt, kann auch eine längere Trockenperiode die Blüteninduktion auslösen.
Für uns bedeutet das: Die nächste Zitrusblüte beginnt nicht erst mit dem Austrieb im Frühjahr. Ihre Grundlage wird schon im Herbst und Winter gelegt. Gerade jetzt sollten wir deshalb dafür sorgen, dass unsere Zitruspflanzen gesund sind und gute Bedingungen vorfinden. Wie wir sie dabei unterstützen können, schauen wir uns in den nächsten Abschnitten an.
Bild: Eine Switrus® Zitrone 'Ukraina', ausgepflanzt auf dem Versuchsfeld in Buchs. Trockenheit und/oder tiefe Temperaturen führen zu Blüteninduktion, wie das Bild eindrücklich zeigt.
Lasst eure Zitruspflanzen möglichst lange draussen
Zitruspflanzen vertragen mehr Kälte, als viele vermuten. Wir müssen sie deshalb nicht schon bei den ersten kalten Nächten ins Winterquartier bringen. Klassische Zitruspflanzen wie Zitronen und Mandarinen haben mit kurzfristigen Temperaturen knapp unter 0 °C in der Regel kein Problem.
Entscheidend ist, wie lange die Kälte anhält und wie geschützt die Pflanzen stehen. Besonders im Topf sind die Wurzeln stärker gefährdet, weil der Wurzelballen wesentlich schneller durchfrieren kann als der Boden im Garten. Friert der Wurzelballen durch, können die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen. Da Zitruspflanzen immergrün sind und über ihre Blätter weiterhin Wasser verlieren, können dadurch Trockenschäden entstehen. Bei stärkerem oder länger anhaltendem Frost können ausserdem die Wurzeln selbst geschädigt werden. Anhaltendem Frost sollten klassische Zitruspflanzen im Kübel deshalb nicht ausgesetzt werden.
Auch aus einem ganz anderen Grund sollten Zitruspflanzen möglichst lange draussen bleiben: Sie brauchen sehr viel Licht. Und genau daran mangelt es in vielen Winterquartieren. Ob Garage, Schuppen oder Treppenhaus – fast überall ist es deutlich dunkler als draussen. Dazu kommen wenig Luftbewegung und häufig ein höherer Schädlingsdruck. Wir versuchen deshalb, die Zeit im Winterquartier so kurz wie möglich zu halten: im Herbst spät einräumen und im Frühjahr früh wieder rausstellen.
Und schliesslich profitieren die Pflanzen auch von den sinkenden Herbsttemperaturen. Wie wir bereits gesehen haben, ist eine längere kühle Phase bei vielen Zitrusarten ein wichtiges Signal für die Blüteninduktion.
Ich habe einige meiner Zitruspflanzen sogar erfolgreich auf dem Balkon überwintert – darunter nicht nur besonders winterharte Zitrus, sondern auch klassische Mandarinen und Zitronen. Natürlich ist ein geschützter Balkon ein besonderes Mikroklima: Die Hauswand strahlt Wärme ab und die Pflanzen stehen meist geschützter vor Wind und Niederschlag. Trotzdem hat mir diese Erfahrung gezeigt, dass viele Zitruspflanzen Kälte besser vertragen, als häufig angenommen wird.
Es gibt allerdings grosse Unterschiede zwischen den Zitrusarten. Wärmebedürftige Arten wie die Kaffirlimette müssen deutlich früher geschützt werden. Sie ist sehr kälteempfindlich und kann bereits bei Temperaturen um 5 °C Schäden davontragen.
Am anderen Ende stehen unsere winterharten Switrus. Sie vertragen im Topf kurzfristig Temperaturen von etwa −5 °C und können entsprechend lange draussen bleiben. Dauerfrost sollten aber auch sie im Kübel nicht ausgesetzt werden.
Für Zitrus im Herbst gilt deshalb: so lange wie möglich draussen lassen, aber Art, Standort und Wetter im Blick behalten. So bekommen sie möglichst viel Licht und verbringen nur die wirklich kalte Zeit im Winterquartier.
In diesen Videos erklärt Markus, wann Zitruspflanzen reingestellt und wann sie rausgestellt werden sollen.
Zitrus im Herbst weiter düngen
Mit dem Ende des Sommers verschwindet häufig auch der Dünger im Schrank. Das kann zu früh sein. Unsere Zitruspflanzen im Topf düngen wir während der Vegetationsperiode etwa alle zwei bis vier Wochen mit einem Zitrusdünger. Denn anders als ausgepflanzte Zitrusbäume können sie ihre Wurzeln nicht auf der Suche nach Nährstoffen ausbreiten – ihnen steht nur das begrenzte Erdvolumen im Kübel zur Verfügung.
Dass regelmässiges Düngen wichtig ist, mussten wir letzten Sommer feststellen. Bei einigen unserer Zitruspflanzen im Topf hatten wir ab dem Sommer das Düngen vernachlässigt. Ende September war die Folge deutlich zu sehen: Die Blätter wurden gelb und die Pflanzen waren nicht mehr optimal versorgt. Gerade während der für die Blütenbildung wichtigen Herbst- und Winterphase ist das natürlich nicht das, was wir wollen.
Eine gute Nährstoffversorgung ist dabei nicht nur für die allgemeine Pflanzengesundheit wichtig. Auch der Ernährungszustand der jungen Triebe und die Kohlenhydratreserven der Pflanze beeinflussen die Voraussetzungen für die spätere Blüte.
Bei Zitruspflanzen spielt dabei häufig auch Eisenmangel eine Rolle. In unseren Kübelpflanzenerden ist zwar nicht unbedingt zu wenig Eisen vorhanden, aber Zitruspflanzen können es manchmal nicht ausreichend aufnehmen. Deshalb sollte ein guter Zitrusdünger auch pflanzenverfügbares Eisen enthalten.
Wir haben Ende September deshalb noch einmal mit unserem Frutilizer Instant Zitrus nachgedüngt – mit etwa 20 Gramm auf 10 Liter Wasser. Damit sind die Pflanzen vor dem Winter wieder besser versorgt.
Natürlich gilt trotzdem nicht: Je mehr Dünger, desto mehr Blüten. Wir wollen keine Überdüngung, sondern eine gesunde, bedarfsgerecht versorgte Pflanze. Mit sinkenden Temperaturen und nachlassendem Wachstum reduzieren wir die Düngung und stellen sie schliesslich ein.
Bei Zitrus im Herbst sollten wir deshalb nicht einfach nach Kalender mit dem Düngen aufhören, sondern auf die Pflanze und ihr Wachstum schauen.
Finger weg von der Schere
Bei Zitrus im Herbst gilt für uns: Finger weg von der Schere. Gerade jetzt wollen wir die vorhandenen Triebe und das gesunde Laub erhalten. Die Blätter betreiben weiterhin Photosynthese und helfen der Pflanze, Kohlenhydratreserven aufzubauen, die sie später für die Entwicklung der Blüten und den neuen Austrieb benötigt.
Noch wichtiger sind aber die Triebe selbst. Zitruspflanzen bilden ihre Blüten vor allem am jüngeren Holz und häufig an den Triebenden. Genau dort sitzen also die Knospen, die im Herbst und Winter auf die kommende Blüte vorbereitet werden. Schneiden wir die Triebspitzen weg, entfernen wir möglicherweise einen Teil der zukünftigen Blüten gleich mit.
Generell schneiden wir Zitruspflanzen deshalb eher zurückhaltend. Denn ein starker Rückschnitt hat noch einen zweiten Effekt: Je stärker wir schneiden, desto stärker reagiert die Pflanze häufig mit vegetativem Wachstum. Sie steckt ihre Energie dann verstärkt in neue Triebe statt in Blüten und Früchte.
Bild: Schnitt führt zu Wachstumsimpulsen, das ist im Herbst im Gegensatz zum Frühjahr nicht erwünscht. Deshalb wird im Herbst nicht geschnitten.
Natürlich dürfen abgestorbene, kranke oder beschädigte Äste entfernt werden. Einen eigentlichen Form- oder Rückschnitt verschieben wir aber auf einen geeigneteren Zeitpunkt – und auch dann gilt: lieber gezielt schneiden als die ganze Zitruspflanze rundherum einzukürzen.
Weniger giessen – Zitrus lieber etwas trockener halten
Zitruspflanzen brauchen grundsätzlich weniger Wasser, als häufig angenommen wird. Im Herbst sinkt ihr Wasserbedarf noch einmal deutlich: Die Temperaturen gehen zurück, es verdunstet weniger Wasser und auch das Wachstum wird langsamer.
Wir halten unsere Zitruspflanzen im Topf deshalb eher etwas trockener als zu nass. Vor dem Giessen kontrollieren wir das Substrat und giessen erst wieder, wenn es ausreichend abgetrocknet ist. Besonders in der kühlen Jahreszeit kann dauerhaft nasse Erde problematisch werden und Wurzelkrankheiten begünstigen. Staunässe sollte deshalb unbedingt vermieden werden.
Interessanterweise spielt Trockenheit auch bei der Blütenbildung eine Rolle. Etwas Trockenstress kann bei Zitrus die Blüteninduktion auslösen. In tropischen Regionen, in denen die kühlen Wintertemperaturen als Signal fehlen, übernehmen Trockenperioden teilweise diese Funktion.
Bild: Etwas Trockenstress im Herbst ist bei Zitrus kein Problem und kann – wie kühle Temperaturen – die Blüteninduktion auslösen.
Das heisst nicht, dass wir unsere Zitruspflanzen im Topf völlig austrocknen lassen. Aber gerade im Herbst gilt: Beim Giessen lieber etwas zurückhaltend sein.
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