Inhaltsverzeichnis
- Das Gleichzeitigkeitsproblem einer Baumschule
- Zum Geburtstag des Chefs: 120'000 Obstbäume gepflanzt
- Topfen, topfen, Töpfe topfen
- Verpacken, verpacken, Pakete packen
- Gemüsezüchtung im Mai: Tausende von Sorten und Selektionen müssen in den Boden
- 1000 Kartoffelsorten auf 20 Aren
- Tomatenzüchtung: Die sieben verflixten Jahre – mehr als ein Kilometer Tomatenkultur
- Himbeerzüchtung: Die Grenzen sprengen
- Können Nutzpflanzen auch schön sein?
Ihr empfangt unsere Pflanzen, lest unseren Gartenbrief, schaut unsere Videos. Aber manchmal fragt ihr euch sicher auch, wie das alles zusammenpasst.
Wir handeln nämlich nicht nur mit Pflanzen. Einen Grossteil produzieren wir selber, ziehen viele Jungpflanzen in der eigenen Firma auf und züchten darüber hinaus kontinuierlich neue Sorten, die besser schmecken, resistenter sind und sich einfacher kultivieren lassen. Wie geht das?
Das Gleichzeitigkeitsproblem einer Baumschule
Es geht ... Aber wir haben ein grundsätzliches Problem, das vor allem im Frühling unsere Arbeit erschwert: Dann haben wir die Monate mit den stärksten Verkäufen. Dafür müssen grosse Mengen Pflanzen vorrätig gehalten werden. Gleichzeitig muss aber ein Grossteil des Sortiments getopft und neu produziert werden.
Das bedeutet nicht nur eine doppelte Arbeitsbelastung, sondern führt auch zu erheblichen Platzproblemen.
Dieses Gleichzeitigkeitsproblem ist auch einer der Hauptgründe, weshalb wir so viele Pflanzen selber produzieren: Andere Produktionsbaumschulen möchten ihre Flächen im Frühjahr möglichst rasch räumen, damit sie wieder bereit für eine neue Produktion sind. Wir brauchen aber eine kontinuierliche Belieferung, damit wir Woche für Woche die Bestellungen ausliefern können. Genau deshalb müssen wir so viele Sortimentsteile selber produzieren.
Zum Geburtstag des Chefs: 120'000 Obstbäume gepflanzt
Bei den Feldkulturen, die wir eben auch haben, geht es nochmals einen Zacken hitziger und stressiger zu und her: Wir müssen nicht nur die Verkaufspflanzen fürs nächste Jahr und die Jungpflanzen beziehungsweise Halbfertigprodukte fürs übernächste Jahr topfen. Bei den Obstbäumen beispielsweise starten wir nochmals ein Jahr früher.
Die Obstunterlagen, die wir im April oder Mai ins Feld pflanzen, werden im Juli oder August veredelt, wachsen 2027 heran, werden 2028 getopft und ab Frühjahr 2029 verkauft. Schaut doch einfach mal selber 3–4 Jahre zurück, dann wisst ihr genau, wie weit wir vorausschauen müssen.
Was läuft da im Innern eines Pflanzenproduzenten, eines Baumschulers und Gärtners, eigentlich ab? Es ist letztlich ganz ähnlich wie bei einem erfahrenen Bauern. Wir alle haben eine über Jahrzehnte geschulte innere Uhr, die uns auch ohne Kalender sagt: Jetzt muss das oder jenes geschehen. Diese schöne Wetterperiode muss fast unabhängig von Feiertagen und Arbeitszeiten genutzt werden, sonst laufen wir Gefahr, vom Jahr und von der Zeit abgehängt zu werden.
So weiss ich zum Beispiel ganz genau: An meinem Geburtstag am 6. Mai sollten die Obstunterlagen (= der Wurzelteil der zu veredelnden Obstbäume) gepflanzt sein, sonst wird es schwierig. Auch dieses Jahr haben wir es geschafft, auch wenn ich zum Schluss ein Auge zudrücken und den 9. Mai als Enddatum akzeptieren musste😉
Wer zu spät kommt, der wird irgendwann von der Natur bestraft. Oder vom Wetter, das punktgenau dann schlecht wird, wenn wir das eigentlich gar nicht brauchen können. Die Obstbaumschule findet glücklicherweise immer noch im Freiland statt…
Bild: Pflanztag in der Obstbaumschule
Topfen, topfen, Töpfe topfen
Eine weitere eiserne – oder sagen wir aluminiumflexible – Regel lautet: Die Topfmaschinen müssen laufen. Sie dürfen nie stillstehen.
Wenn das Topfen auf unseren Betrieben eingestellt wird, weil die Kollegen im Hauptversand an anderer Stelle gebraucht werden, zahlen wir dafür fast immer einen (zu) hohen Preis. Solche Verspätungen lassen sich aufgrund der festen Tageskapazitäten der Topfmaschinen kaum mehr aufholen.
Es sei denn, man lässt wie bei uns zeitweise zwei oder drei Topfmaschinen pro Betrieb laufen. Aber dann braucht es sofort zusätzliches Personal, das wiederum an anderer Stelle fehlt.
Also heisst es: weitertopfen, immer weitertopfen. Mindestens ein Topf-Team muss immer topfen.
Wenn ich durch eine unserer Produktions- oder Topfhallen in der Schweiz oder in Bad Zwischenahn gehe und keine Topfmaschine mit ihrem regelmässigen, beruhigenden Rhythmus höre, dann greife ich sofort zum Telefon und frage den verständlicherweise leicht genervten Betriebsleiter nach dem Grund. Er musste halt Entscheidungen fällen und ich muss meine Panikattacke beruhigen.
Bild: Wenn die Topfmaschine rattert, ist (fast) alles gut...
Verpacken, verpacken, Pakete packen
Wenden wir uns dem anderen logischen Ende unserer Betriebe zu: der Verpackerei, wo die Pflanzen für unsere Online-Kunden versandbereit gemacht werden.
Ich verstehe – allerdings nur ein bisschen – die Kollegen, die insgeheim hoffen, dass wir nicht mehr verkaufen als im letzten Jahr. Dann stimmen die Kapazitäten, alles läuft ruhig und geordnet ab, wenn auch nicht besonders profitabel.
Zum Glück werden aktuell diese Hoffnungen gründlich enttäuscht. In Deutschland verkaufen wir 20% mehr Pflanzen und das Wachstum in der Schweiz ist nochmals deutlich stärker.
Das Resultat ist aber ebenso sicher wie das Amen in der Kirche: Kapazitätsengpässe und vor allem in den letzten fünf bis sechs Wochen Verzögerungen auch bei der Auslieferung.
Dafür möchten wir uns entschuldigen. Eigentlich gibt es dafür auch keine wirkliche Entschuldigung – ausser dass wir uns durchkämpfen und alles daransetzen werden, es nächstes Jahr besser zu machen.
Falls aber jemand schon heute weiss, wie viele Pflanzen wir nächstes Jahr zusätzlich verkaufen werden, so möge er oder sie sich bitte umgehend bei uns melden.
An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an euch, unsere Kunden, für die vielen Bestellungen. Und damit keine Missverständnisse entstehen: Wir freuen uns über jede einzelne Bestellung. Keine ist uns zu viel. Und selbstverständlich darf es immer ein bisserl mehr sein. Irgendwie werden wir dann die Probleme schon meistern.
Bild: Kommissionierte Produkte in der Versandhalle in Bad Zwischenahn.
Gemüsezüchtung im Mai: Tausende von Sorten und Selektionen müssen in den Boden
Habt ihr jetzt schon genug von unseren Frühlingswirren und Mühen gehört? Wir sind noch lange nicht am Ende.
Ebenfalls im Frühling, von Mai bis Anfang Juni, müssen wir unsere Gemüsezüchtung pflanzen. Mehr als 1ha Fläche, mehr als 5'000 Laufmeter Reihen, insgesamt rund 15'000 Pflanzen und etwa 2'000 Sorten, Genotypen oder Zuchtlinien.
Auch diese Arbeit ist hochgradig zeitsensitiv. Sie darf nicht zu früh erfolgen – viele Gemüsearten würden bei Frost eingehen –, aber auch nicht zu spät.
Die schiere Menge dieser Pflanzen ist eine direkte Folge unserer Züchtungsstrategie. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, freilandtaugliche Open-Sky®-Fruchtgemüse zu züchten. Und das funktioniert nur, wenn man die Pflanzen auf ihrem Züchtungsweg Jahr für Jahr der Witterung aussetzt.
Also keine weissen Kittel und fast keine Laborarbeit. Nur ein kleiner Teil der Arbeiten kann überhaupt im Gewächshaus erledigt werden. Wir werden zusammen mit unseren Gemüsekindern verregnet und machen uns die Hände dreckig – open sky®, unter dem freien und nicht immer blauen Himmel...
1000 Kartoffelsorten auf 20 Aren
Was hier wie ein kunstvoll gelochter Plastik aussieht und vielleicht als Installation eines gehypten Künstlers durchgehen könnte, ist in Tat und Wahrheit eine gigantische Auffaltung der Kartoffeldiversität, die wir mit unserer Kartoffelzüchtung zelebrieren.
Insgesamt stehen hier 1'000 Kartoffelsorten auf 20 Aren: von sehr anfällig bis hochresistent, von unförmig bis perfekt rund, von kaum geniessbar bis ausgesprochen gut, von weiss bis violett.
Jahr für Jahr versuchen wir, diese Diversität mit neuen Kreuzungen weiter auszubauen und anschliessend züchterisch wieder einzugrenzen.
Man könnte meinen, das sei eine Sisyphusarbeit: Mit jeder neuen Kreuzung machen wir einen Teil des erreichten Selektionsfortschritts zunächst wieder rückgängig.
Aber genau so haben wir aus der phytophthoraanfälligen Kartoffel eine neue Generation von Sorten entwickelt, die gegenüber dieser Hauptkrankheit weitgehend resistent ist.
Bild: Neu erstelltes Kartoffelfeld in Buchs mit 1'000 gesteckten Kartoffelsorten...
Tomatenzüchtung: Die sieben verflixten Jahre – mehr als ein Kilometer Tomatenkultur
Gerade in den letzten Tagen haben meine Züchterkollegen Marzena und Reinhard mehr als einen Kilometer Tomaten gepflanzt...
Bild: frisch gepflanzte Anlage in Buchs zur Testung der Freilandtomaten.
Warum braucht es so viele Tomaten, um am Ende alle paar Jahre einige neue Sorten einführen zu können?
Ganz einfach: Weil die Prüfung und Stabilisierung einer zukünftigen Sorte mindestens sieben Jahre dauert.
Da sich die Tomate zu rund 98 Prozent selbst befruchtet, kommt es laufend zu Selbstungen. Das genetische Material einer Zuchtlinie wird dadurch Jahr für Jahr einheitlicher, bis zwischen den samenvermehrten Pflanzen kaum noch Unterschiede zu erkennen sind.
Dieser Zustand wird meist zwischen der fünften und siebten Pflanzengeneration erreicht – also sieben bis acht Jahre nach der ursprünglichen Kreuzung.
Es ist jedes Jahr eine gewaltige Arbeit, diese Tomatenanlage aufzubauen. Aber das Tomatenfeld gehört dann auch im September, während der Ernte- und Selektionszeit, zu den spannendsten Züchtungsfeldern überhaupt. Welche Tomaten sind gut genug? Welche bleiben gesund und bekommen keine Krautfäule?
Hier sehe ich die Tomatenzukunft – besonders gut sichtbar an Sonntag-Nachmittagen.
Bild: Impressionen aus der Tomatenzüchtung vom letzten Herbst.
Himbeerzüchtung: Die Grenzen sprengen
Eine Züchtung, die nur im eigenen Saft schmort und immer wieder die besten eigenen Kandidaten miteinander kreuzt, läuft sich irgendwann tot. Sie landet in einer genetischen Sackgasse.
Deshalb müssen immer wieder neue Gene, neue Eigenschaften und neue Diversität eingebracht werden.
Besonders konsequent tun wir das derzeit bei den Himbeeren. Wir kreuzen nicht nur verschiedene Rubus-Arten ein, sondern versuchen auch systematisch, Himbeer- und Brombeerhybriden zu erzeugen.
Übrigens veröffentlichen wir diesen Sonntagabend auf unserem Videokanal youtube.com/gartenvideos ein neues Video zu genau diesem Thema. Unsere Rubus-Züchterin Marzena Lipowska erklärt und zeigt darin, wie das beim Himbeerkreuzen tatsächlich zu- und hergeht.
Achtung: Das Video ist zwar jugendfrei, aber nicht ohne sehr klare Worte. 😉 Was ich meine? Selber schauen!
Können Nutzpflanzen auch schön sein?
Irgendwie scheint sich unser Blick zu verändern, wenn wir Nutzpflanzen anschauen. Wir sind so stark auf das Ernteziel fokussiert, dass wir ihre Schönheit oft gar nicht mehr wahrnehmen.
Dabei können es nur wenige Zierpflanzen mit der Schönheit einer ganz normalen Apfelblüte aufnehmen. Von einer Redlove-Blüte oder von neu gezüchteten Hängeformen ganz zu schweigen.
Zum Abschluss unseres kleinen Ausflugs in die Freuden und Wirren eines Baumschulfrühlings noch Blütenbilder von Brombeeren und Himbeeren.
So viel Schönheit und Eleganz. Und vergesst dabei nicht: Die eigentliche Hauptattraktion kommt erst noch – mit den Früchten.
Bild: Blühende Himbeeren und Brombeeren im Züchtungs-Gewächshaus im Buchs.
Lubera Originale sind exklusive Lubera® Sorten, die von Lubera entweder gezüchtet oder erstmals auf den Markt gebracht worden sind.
Wer Lubera Originale kauft, bekommt die doppelten Tells®-Äpfel (=Rabatte für die nächste Bestellung) gutgeschrieben.
Beim Kauf dieser von Lubera gezüchteten Lubera Original-Pflanze erhalten Sie die doppelten Tells gutgeschrieben.
Tells® werden grundsätzlich aufgrund des fakturierten Nettobetrags berechnet (1 Tells für volle 25 Euro/sFr).
Bei doppelten Tells wird am Schluss nochmals der Wert der Tells-Originale dazugerechnet und die neue Summe für die Berechnung der Tells benutzt.