Gustissimo® Rossa Rotonda
Die rötlich-blaue Feige Gustissimo® Rossa Rotonda
www.gartenvideo.com/feigen
Gustissimo®-Feigen im Freiland
• milder, vor Winterbrise geschützter Standort
• wenn möglich Vollsonne
• humoser Boden, sonst Boden verbessern
• kann das ganze Jahr gepflanzt werden, bei Herbstpflanzung im ersten Winter doppelten Winterschutz anbringen
Gustissimo®-Feigen im Kübel
• 1 – 2 Jahre im 12 – 15 lt Kübel kultivieren
• nach 1 – 2 Jahren in Kübel mit 50 lt + umpflanzen
• alle 3 Jahre in einen Kübel mit 20 – 30 % mehr Volumen umtopfen oder Krone und Wurzelwerk um 30 % reduzieren und Topf wieder mit frischem Substrat auffüllen
• Im Sommer sind Feigen relativ durstig – grosse Blätter verdunsten viel Wasser
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Fragen, Antworten und Gartenstories (13)
ist die Feige Gustissimo Rossa Rotonda schwach-, mittel- oder starkwüchsig? Kann man sie in einem Kübel kultivieren ?
Reagiert diese Feigensorte überempfindlich auf Regen oder Wind, oder ist sie in dieser Hinsicht unkompliziert ?
Vielen Dank für die schöne Pflanze.
MfG
Markus Kobelt
MfG
Falko Berg
Mit freundlichen Grüssen
Claudia Schwabe
Viele Grüsse
Alexandra Dressel
Viele Grüsse
Alexandra Dressel
Ein Rückgaberecht geben wir nicht, allerdings eine Anwachsgarantie von 6 Monaten. Eine falsche Überwinterung ist hier ausgeschlossen, für Winterschäden können wir nicht haften. Sollte ein Kunde nicht von der Qualität der Pflanze überzeugt sein, haben wir bisher immer einen Weg gefunden das Problem für beide Seiten zufriedenstellend zu lösen (Ersatzpflanze etc.).
MfG
Falko Berg
MfG
Falko Berg
ich bin bereits Kunde bei Ihnen und interessiere mich für die Sorte Rossa Rotonda.
Nun erhielt ich die Information dass dieser Sortenname synonym mit 'Ronde de Bordeaux' ist.
Stimmt das, denn dann hätte ich diese Sorte bereits ?
Vielen Dank für eine Rückmeldung
MfG
Falko Berg
Lubera AG
Meine Rossa Rotonda hat schon sehr schöne Triebe entwickelt, jetzt soll es bei uns aber wieder Minusgrade geben. Deswegen wollte ich Sie fragen, ob die Triebe bis zu einigen Minusgraden frostfest sind?
Merci.
die jungen Austriebe und Blättchen bekommen leicht Frostschäden. Schützen Sie Ihre Feige vor Nachtfrösten indem Sie sie an einen geschützten Ort stellen oder bei ganz leichten Frösten einfach abdecken.
Mit freundichen Grüssen
Philipp Schneider.
Ich hätte sehr gerne eine Ronde de bordeaux. Da die rosso rotonda doch seehr ähnlich zu sein scheint, habe ich nun die Frage ab wann sie wieder lieferbar sein wird.
Wird es die twotimer auch wieder im grösseren Topf geben? Wenn ja, ab wann?
Lg
Das gesamte Feigensortiment ist ab ca. Mitte Mai erhältlich, Twotimer gibt es dann auch wieder im grossen Topf.
Mit freundlichen Grüssen
Daniel Labhart, Lubera-Team
ab wann wird die Sorte Rossa Rotonda wieder lieferbar sein?
die Sorte Rossa Rotonda wird es ab Mai wieder geben.
mit freundlichem Gruss
Ihr Lubera Team
meine Feigen sehen nicht so zufrieden aus, ich vermute es liegt daran das der Kübel nicht groß genug ist und Nährstoffen fehlen, auf Grund dessen wollte ich fragen ob es möglich ist in diese Jahreszeit die umzutopfen und ob es die Frucht Bildung stören könnte/würde. die Blatter sehen gelblich aus(taub) wo rauf deutet es hin?
Vielen danke in voraus,
M.J
Sie können die Feigen jetzt ohne Probleme in einen grössern Topf umtopfen.Sie sollten den Wurzelballen aber etwas aufreissen, damit er auch gut in der neuen Erde einwurzeln kann. Die Feige sollte im jedes Frühjahr, Anfang bis Mitte Mai, mit einem Langzeitdünger gedüngt werden. Hellgrüne Blätter sind ein Zeichen von Stickstoffmangel, Gelbliche Verfärbungen zwischen den Blattadern sind ein Zeichen von Eisenmangel. Entweder hatte die Feige zu nass gehabt oder das Giesswasser ist zu kalkhaltig. Im Fachhandel bekommen Sie Eisen in Pulverform, dass Sie dem Giesswasser ein bis zeimal pro Jahr zugeben.
Mit freundlichen Grüssen
Daniel Labhart
Wenn ja, welche Sorte verbirgt sich dahinter?
Wir vermehren die Feigen zwar selber, aber wir beziehen die Sorten von einem Spezialisten aus den schweizer Alpen, der getestet hat, welche für unser Klima gut geeignet sind. Leider wird uns auch nicht mitgeteilt welche Synonyme diese Feigen haben. Es fällt wohl unter die Rubrik "Betriebsgeheimnisse"
Aber Sie können sicher sein, das die Feigen geschmacklich gut und auch gut winterhart für unsere Region sind.
mit freundlichem Gruss
Ihr Lubera Team
Sonja Hendrischke
| Name: | Gustissimo® Rossa Rotonda | Botanisch: | Ficus carica |
| Lubera Selektion: | ja | Blütezeit: | Anf. Mai bis Ende Jun. |
| Reifezeit: | Anf. Sept. bis Ende Okt. | Blätterfarbe: | grün |
| Blütenfarbe: | weiss | Endhöhe: | 4m - 5m |
| Endbreite: | 3m - 4m | Sonne: | Vollsonne |
| Boden Feuchtigkeit: | feucht, trocken | Boden Schwere: | schwer, mittelschwer, leicht |
| Boden pH-Wert: | neutral, schwach sauer | Winterhärte: | bedingt winterhart / winterhart nur im milden Mikroklima |
| Verwendung: | Kübel, Süd- und Westwände, Einzelpflanze | Süsse: | süss |
| Laubkleid: | laubabwerfend | Erhältlich: | Februar bis Dezember |
Wie Feigen schneller und mehr fruchten
23. August 2016 | Markus Kobelt
Reife Feigen! Überall – auch in Norddeutschland. Was können die Faktoren sein, die einen frühen und schnellen Ertrag ermöglichen. Wie können Sie meinen Erfolg bei sich zuhause wiederholen? Lassen wir diese Feigen-Geschichte in Norddeutschland beginnen. Genauer in Bad Zwischenahn, in unserem Betrieb im Ammerland.
Ich habe da seit einem Jahr eine eigene Terrasse, im alten Garten unserer Vorgänger, umfriedet (ja, u-m-f-r-i-e-d-e- t!) von 3 Meter hohen Rhododendron-Wällen. Eigentlich ein kleiner “...
Reife Feigen! Überall – auch in Norddeutschland. Was können die Faktoren sein, die einen frühen und schnellen Ertrag ermöglichen. Wie können Sie meinen Erfolg bei sich zuhause wiederholen? Lassen wir diese Feigen-Geschichte in Norddeutschland beginnen. Genauer in Bad Zwischenahn, in unserem Betrieb im Ammerland.
Ich habe da seit einem Jahr eine eigene Terrasse, im alten Garten unserer Vorgänger, umfriedet (ja, u-m-f-r-i-e-d-e- t!) von 3 Meter hohen Rhododendron-Wällen. Eigentlich ein kleiner “walled garden”!
Das bringt mich gleich noch zu einem andere nordischen Vergleich: Eigentlich ist meine Terrasse eine Art Strandkorb, der auf allen 4 Seiten die Insassen vor den norddeutschen Wetterunbilden schützt. Und wenn’s ganz schlimm wird (und das wurde es in diesem “Sommer” gleich mehrmals) kann man zusätzlich noch den Sonnenschirm ausfahren … Nein, nicht gegen die Sonne! Wie pflegte doch die frühere Bewohnerin Eva beim Runterdrehen des Sonnenstorens zu bemerken: Das ist gegen die von oben auf uns herabstürzende feuchte und kalte Abendluft. Physikalisch hätte ich zwar immer eher auf die aufsteigende und entschwindende warme Luft getippt, aber in der Sache selber muss ich Eva heute mehr als nur Recht geben.
Auf eben dieser Terrasse hat mir Lesya einen mit Feigen Gustissimo® Califfo Blue und Gustissimo® Morena bepflanzten kleinen Trog hingestellt (in diesem Frühjahr aus normalen Feigenpflanzen im 5l Topf zusammengetopft). Natürlich nicht für mich, sondern um ihn zu fotografieren. Und selbstverständlich blieb der Kübel wie andere fotogene Kübelpflanzen irgendwann auf meiner Terrasse stehen, weil er für den Rücktransport in die Baumschule viel zu schwer war. Und alle starken Männer in der Arbeit …
Aber solche Nachlässigkeit ist ziemlich lässlich, führt sie doch oft zu Vorteilen, an die man nicht gedacht hätte. Kollateralgewinne sozusagen, die ein aufgeräumter Zustand niemals zulassen würden (aber das wäre ein anderes Thema!) Der Gewinn hier? Ich habe Pflanzen auf meiner Terrasse, mit denen ich mich unterhalten kann. Und ich bin sanft gezwungen, ja kann gar nicht anders, als sie einlässlicher zu betrachten, ja auch zu bestaunen. Und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Ich ernte und geniesse schon Anfang August die ersten Feigen!
Und das in diesem Sommer 2016! Reife Feigen! Ich war jetzt in der ersten Augusthälfte 2 Wochen in Bad Zwischenahn. Kaum je war es viel mehr als 20 Grad. Die Sonne machte sich rar, an einem Morgen starteten wir gar mit 8 Grad. Der blaue Himmel zeigte sich meist nur bei Sonnenaufgang, dann wurde es grau. Und doch kann ich schon Anfang August reife Feigen ernten, mit guter Aussicht, alle paar Tage eine weiter Feige fast nur mit der Hand auffangen zu müssen? Schlaraffenland im Ammerland. Mediterrane Freuden 70 km vor der Nordseeküste.
Ich bin jetzt zurück in der Schweiz, im Rheintal, und wir haben hier auch reife Feigen, aber die Konzentration der reifenden Früchte, der Ertrag ist lange nicht so überwältigend wie in Lesyas Pflanztrog. Vielleicht ist es auch nur der Überraschungseffekt, der fehlt? Was können die Faktoren sein, die einen solch frühen und schnellen Ertrag ermöglichen. Wie können Sie meinen (eigentlich ziemlich unverdienten) Erfolg bei sich zuhause wiederholen?
Der geschützte Standort
Ehrlich gesagt hat mich erst Norddeutschland von den Vorteilen eines geschützten Standorts, eines walled garden überzeugt. Früher interpretierte ich das als spleenige, typisch englische Isolationslust: Das ist mein Garten, nicht Deiner! Aber gerade darum wurde ja auch hier im Norden der Strandkorb entdeckt! Probleme werden immer da gelöst, wo sie sich stellen. Und es überrascht mich immer wieder, wie zufrieden und zuverlässig meine Feigen, und zwar die Triebe, die Blätter und die Früchte in diesem abgeschlossenen Gartenraum vor sich hin wachsen, als ob die Sonne oder eine Temperatur über 20 Grad gar nicht so wichtig wären. Ganz allgemein gefällt das irgendwie zurückgebundene Klima Norddeutschlands (oder auch Englands), das keine Auswüchse nach oben und unten kennt, den Pflanzen ungemein. Ja, mehr als den Menschen!
Die sicher und gut überwinterte Kübelpflanze
Die Feigen im 5lt Topf wurden zwar nicht frostfrei, aber bei Temperaturen bis -5 Grad überwintert. Da sind natürlich alle Knospen, besonders die Endknospen und auch die zuletzt gewachsenen, vielleicht noch etwas weichen Triebteile problemlos durch den Winter gekommen, nur um im Frühling sofort weiterzuwachsen und Früchte anzusetzen.
Kein Schnitt
Das ist vielleicht die Entdeckung meines Terrassensommers, die zwar ziemlich unspektakulär tönt, uns aber dem Geheimnis schnell und reichlich fruchtender Feigenbäume wirklich näher bringt: Überall da, wo ein mittelstarker letztjähriger Trieb durchwachsen konnte, haben sich im letztjährigen Triebteil und dann gleich auch im Neutrieb Früchte angesetzt. Wo die Feige nicht über Frost, Zurückfrieren oder Schnitt zum starken, selbstbehauptenden Austrieb gezwungen wird, denkt sie gleich an Fortpflanzung und produziert – köstliche Feigen! Was wir draus lernen können: Gerade mittelstarkes Holz darf nie angeschnitten werden, das würde nur den vegetativen Wuchsteufel herausfordern und jeglichen Gedanken an Fruchtproduktion verdrängen!
Umgekehrt kann es gerade bei Freilandfeigen sinnvoll sein, stärkere Trieb, die forsch nach oben wachsen, vielleicht sogar mal während der Vegetationsperiode anzuschneiden, um leichteres Seitenholz herauszukitzeln, das dann ein Jahr später unter und an den Fortsetzungstrieben fruchten wird.
Der Wurzeldruck im Topf
Das ist eine alte Gärtnerweisheit, die ich aber auch erst langsam verstehe oder eher: akzeptiere (wie die Segnungen des walled garden). Gebe ich der Feige beliebig Raum, wird sie ihn nehmen. Dünge ich sie wie blöd, wird sie die Nährstoffe aufnehmen, und wachsen, was das Zeug hält. Begrenze ich die Feige aber, wie z.B. in meinem Kübel, wo drei 5-Liter- Pflanzen mit einem Trog von 100 l auskommen müssen, so zwinge ich die Pflanze, an ihre Nachkommen zu denken. Das überleben am Ort, so kann man gerne hineininterpretieren, ist nicht definitiv gesichert, jedenfalls nicht auf Dutzende und Hunderte Jahre im Voraus. So ist es wohl weise, an Nachkommen zu denken ?
Die richtigen Sorten
Ja klar. Da gibt es Sortenunterschiede. In unserem Sortiment der Gustissimo-Feigen sind Twotimer, Morena und Mère Véronique die Sorten, die sich am allerbesten für eine solche schnelle und fruchtbare Kübelkultur, gerade auch in einem kleineren Topf eignen. Und nochmals: Machen Sie mir (und sich) diese grundsätzlich sehr fruchtwilligen Feigen nicht böse, schneiden Sie sie zu Beginn auf keinen Fall, bringen Sie sie sorgfältig über den Winter und gestehen Sie ihnen nur den notwendigsten Wurzelraum zu.
Und dann können Sie wie ich, wo auch immer in Mittel- und Nordeuropa, in ihrem Gartenstrandkorb, auf ihrer geschützten Terrasse sitzen und ruhig zuschauen wie ihre Feigen auch mit überraschend wenig Wärme und Sonne reif werden.
Auch dieses Mal Markus wieder viele spannende Themen aus dem Garten mitgebracht:
Das erwartet Sie in diesem Video:
-Deal der Woche: Beerenstämmchen
-Was heisst eigentlich frosthart?
-Warum den Lubera-Newsletter abonnieren
-Die frostharten Zitruspflanzen Yuzu und Poncirus trifoliata
-Was sind Unterlagen und warum braucht es Unterlagen?
-Alles über Pfingstrosen
-Die Erdfrüchte von Lubera: Süsskartoffeln und Oca
-Was Wilhelm Tell mit Lubera zu tun hat
Die nächste Liveshow findet am 16. Mai statt.
Die ...
Auch dieses Mal Markus wieder viele spannende Themen aus dem Garten mitgebracht:
Das erwartet Sie in diesem Video:
-Deal der Woche: Beerenstämmchen
-Was heisst eigentlich frosthart?
-Warum den Lubera-Newsletter abonnieren
-Die frostharten Zitruspflanzen Yuzu und Poncirus trifoliata
-Was sind Unterlagen und warum braucht es Unterlagen?
-Alles über Pfingstrosen
-Die Erdfrüchte von Lubera: Süsskartoffeln und Oca
-Was Wilhelm Tell mit Lubera zu tun hat
Die nächste Liveshow findet am 16. Mai statt.
Die Liveshow wird immer zuerst auf unserer Facebookseite übertragen.
Tipps nach dem Frost: Pflanzen sind härter, als man denkt
05. Mai 2017 | Markus Kobelt
Nach den Frösten der letzten Wochen liegen die Gärtnernerven blank. Gestern kam ein Kunde bei uns vorbei, er hatte seinen Kakibaum ausgegraben und zurückgebracht, weil alle Triebe tot seien und wir doch versprochen hätten, die Kakis seien bei uns frosthart.
Die Angaben zur Frosthärte beziehen sich aber in der Regel auf die Winterkälte-Resistenz, auf die Härte der Pflanze in der Winterruhe. Gegen die Frühlingsfröste ist in Jahren wie diesen in der Regel kein resistentes Kraut gewachsen. Die ...
Nach den Frösten der letzten Wochen liegen die Gärtnernerven blank. Gestern kam ein Kunde bei uns vorbei, er hatte seinen Kakibaum ausgegraben und zurückgebracht, weil alle Triebe tot seien und wir doch versprochen hätten, die Kakis seien bei uns frosthart.
Die Angaben zur Frosthärte beziehen sich aber in der Regel auf die Winterkälte-Resistenz, auf die Härte der Pflanze in der Winterruhe. Gegen die Frühlingsfröste ist in Jahren wie diesen in der Regel kein resistentes Kraut gewachsen. Die Pflanzen, die sich zu früh vorgewagt haben, bekommen eins auf den Deckel.
Aber sie sind, in 99% der Fälle, nicht tot! Auch frisch gepflanzte Kiwi, Minikiwi, Reben, Kaki, Feigen, Glyzinien und was da alles noch von den letzten Frühlingsfrösten getroffen wurde, wird in einigen Wochen, ja meist schon in einigen Tagen aus den Reserven wieder austreiben. Die frischen weichen neuen Triebe, die noch keinen Holzkörper ausgebildet haben, waren dem nächtlichen Kälteüberfall schutzlos ausgesetzt (die Kälte sprengte sozusagen ihre Zellen), aber die alten Treibe, die werden problemlos ein zweites Mal austreiben!
Schauen Sie einfach genau hin, neben den toten Austrieben, dem braunen und schwarzen Laub, am Stamm, neben einer alten Knospe, beginnen neue grüne Knösplein zu spriessen, die schon einige Tage nach dem Unglück zeigen, dass die Pflanze überlebt.
Pflanzen halten viel mehr aus, als man denkt. Und meist sind sie auch ein wenig geduldiger und härter im Nehmen als ihre Besitzer;-)
Obstbäume: Nach dem Frost ist vor der Ernte
07. Mai 2017
Das meine ich jetzt nicht sarkastisch. Aber es stimmt: Nach dem Frost ist vor der Ernte. Auch wenn bei vielen Bäumen nach diesen Frösten die Ernte ausfallen oder kleiner werden wird, irgendwann wird eine neue Ernte kommen. Und es macht durchaus Sinn, sich jetzt schon darüber Gedanken zu machen: Was bedeuten der Frost und der Fruchtausfall für die Pflanzen und was bedeuten sie für uns Gärtner?
1. Die Pflanze hat nun Kraft. Die Kälte hat ihr nur äusserlich, an ihren frischen Trieben und ...
Das meine ich jetzt nicht sarkastisch. Aber es stimmt: Nach dem Frost ist vor der Ernte. Auch wenn bei vielen Bäumen nach diesen Frösten die Ernte ausfallen oder kleiner werden wird, irgendwann wird eine neue Ernte kommen. Und es macht durchaus Sinn, sich jetzt schon darüber Gedanken zu machen: Was bedeuten der Frost und der Fruchtausfall für die Pflanzen und was bedeuten sie für uns Gärtner?
1. Die Pflanze hat nun Kraft. Die Kälte hat ihr nur äusserlich, an ihren frischen Trieben und Geschlechtsorganen geschadet, der Rest ist intakt und handlungsfähig. Ja da ist sogar mehr Kraft als in Vollertragsjahren. Der Baum muss ja keine oder weniger Früchte ernähren. Entsprechend wird er triebmässig mehr wachsen als in Normaljahren.
2. Da es bei den meisten Obstarten eine Konkurrenz zwischen Trieb- und Fruchtwachstum gibt, sollten wir das jetzt bevorstehende Triebwachstum nicht noch mehr unterstützen. Entsprechend fallen ab jetzt die Dünger- ,Kompost – oder Mistgaben aus! Damit würden wir nur noch mehr Triebwachstum verursachen und allenfalls die Blütenbildung fürs nächste Jahr, für 2018 gefährden.
3. Entsprechendes gilt auch für Schnitt, Winterschnitt und Sommerschnitt: auch die sollten dieses Jahr ausfallen, um die Pflanze nicht noch verrückter zu machen, um sie nicht noch mehr in ein wahnsinniges Wachstum zu treiben.
4. Pflanzen denken langfristig. Die Blüten für die nächstjährige Blüte und Ernte werden zwischen Juni und September in den Trieben und Knospen differenziert. Dazu können wir nicht allzu viel tun, aber vielleicht haben wir doch Zeit, im Sommer den einen oder anderen steilen Treib in die Waagrechte zu binden. Das schränkt das vegetative Wachstum ein und fördert die Blütenbildung.
5. Und jetzt begeben wir uns ins nächste Jahr, ins Jahr der Fruchthoffnung 2018: Fast sicher wird Ihr frostgeschädigter Baum 2018 wahnsinnig viele Blüten tragen. Er hatte ja mehr als genug Zeit und Energie, sie zu entwickeln. Und er war weniger untätig, als Sie meinten;-) Geniessen Sie die Blüte, die Aussicht auf eine reiche Ernte!
6. Wenn es klar wird, dass eine gigantische Blüte bevorsteht (dicke Knospen, erstes Farbezeigen der Blüten), können auch die rausgeschobenen Schnittprojekte umgesetzt werden. Ja, erst dann. Denn nur wenn der Baum stark blüht, wird er die Schnitteingriffe ohne Murren überstehen und nicht wieder mit einem überstarken Wachstum reagieren. Also jetzt ist Schneiden endlich erlaubt!
7. Den richtigen Ertrag sieht man nicht in der Blüte, sondern erst ab dem Junifruchtfall, wenn die meisten Obstarten ihre überflüssigen Früchte abgeworfen haben. Danach ist dann eine weitere gärtnerische Kür angesagt: In solchen Ertragsjahren, die auf ein Frostjahr folgen, muss unbedingt ausgedünnt werden. Die einfachste und beste Regel ist es, beim Kernobst an jedem Blütenbüschel nur eine Frucht pro Büschel stehenzulassen; beim Steinobst und insbesondere bei Kirschen soll jedes zweite Fruchtbüschel gänzlich weggeschnitten werden.
8. Ach ja, und dann ist Ernten angesagt. Der Obstbaum wird Ihr langes Warten und Ihre Unterstützung mit phantastischen Früchten belohnen. Es ist nämlich nicht so, dass im Garten die Hoffnung zuletzt stirbt, am Ende erfüllt sie sich!
In diesem Video berichtet Markus aus der Welt der Pflanzen zum Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden” und beantwortet all die Fragen, die Sie uns auf Facebook gestellt haben.
Posten Sie weiter! Schicken Sie uns Ihre Pflanzenfotos, fragen Sie Markus, wie sie geschnitten, gedüngt, umgepflanzt etc. werden müssen.
Und stellen Sie Ihre Fragen auch während der LIVE-Sendung. Fragen Sie, fragen Sie am Di., den 24. Mai (ab 18 Uhr) einfach was das Zeug hält! Markus hilft!
Die Liveshow wird immer ...
In diesem Video berichtet Markus aus der Welt der Pflanzen zum Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden” und beantwortet all die Fragen, die Sie uns auf Facebook gestellt haben.
Posten Sie weiter! Schicken Sie uns Ihre Pflanzenfotos, fragen Sie Markus, wie sie geschnitten, gedüngt, umgepflanzt etc. werden müssen.
Und stellen Sie Ihre Fragen auch während der LIVE-Sendung. Fragen Sie, fragen Sie am Di., den 24. Mai (ab 18 Uhr) einfach was das Zeug hält! Markus hilft!
Die Liveshow wird immer zuerst auf unserer Facebookseite übertragen.
Die eigentliche Feige, die Ur-Feige ist nicht unsere Fruchtfeige, sondern die sogenannte Bocksfeige. Nur sie ist mit allen Organen ausgestattet, die man von einer «funktionierenden» Pflanze erwarten würde. Sie als blosse Befruchterfeige oder gar als männliche Feige zu bezeichnen, ist vollkommen falsch.
Die Bocksfeige, die wohl auch die ursprünglichste Feige ist, verfügt über männliche und weibliche Blüten, wobei die männlichen Blüten nahe bei der letzten Freiluftöffnung, der Ostiole sitzen. Warum, ...
Die eigentliche Feige, die Ur-Feige ist nicht unsere Fruchtfeige, sondern die sogenannte Bocksfeige. Nur sie ist mit allen Organen ausgestattet, die man von einer «funktionierenden» Pflanze erwarten würde. Sie als blosse Befruchterfeige oder gar als männliche Feige zu bezeichnen, ist vollkommen falsch.
Die Bocksfeige, die wohl auch die ursprünglichste Feige ist, verfügt über männliche und weibliche Blüten, wobei die männlichen Blüten nahe bei der letzten Freiluftöffnung, der Ostiole sitzen. Warum, werden wir später erfahren. Und wie bei den Fruchtfeigen und Kulturfeigen sehen auch die Blüten der Bocksfeige kaum je das Tageslicht, es sei denn ein Sonnenstrählchen würde sich schnurgerade in die Ostiole verirren.
Die Bocksfeigen bleiben sehr klein, gelten als ungeniessbar, wobei diese Ansicht nicht von allen geteilt wird: Einige Sorten und Sortengruppen sollen durchaus etwas Zucker entwickeln und unter vielen Tieren gelten sie als Delikatessen. Das reicht ja. Und weil sie den Ziegen besonders gut schmecken sollen, heissen sie auch Bocksfeigen.
Der Grund für die relative Unbeliebtheit beim Menschen liegt wohl in den kurzstieligen Blüten. Weil diese viel kürzer bleiben als bei den uns bekannten Frucht- und Kulturfeigen, bleibt der Anteil des sich aus den Blüten entwickelnden Fruchtfleischs an der Gesamtfrucht (relativ zum grünlichen Blütenboden) sehr klein. Und wer isst schon gerne Kuchenböden fast ohne Füllung und Belegung? Oder eine Pizza Calzone ohne Inhalt. Genau das ist das Manko der fast nur aus Blütenboden bestehenden Bocksfeigen.
Ein Manko? Der Urfeige war und ist das ziemlich egal; was braucht sie denn die Menschen, wenn sie genügend Tiere bezirzen und zur unentgeltlichen Verbreitung ihrer Samen bewegen kann. Und genauer besehen ist die Dienstleistung der Geissböcke auch nicht gratis, immerhin konnten sie ja die Feigenfrüchte vorher schmatzend geniessen. Den Samen verbreiten sie nur im verdauungsbedingten Nebenjob.
Markus Kobelt
Weitere spannende Feigen-Geschichten finden Sie hier:
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
17. Mai 2017
Die Biologie der Feige gehörte zu jenen Dingen in der Natur, von denen man nicht recht weiss, wie man sie erzählen, begreifen und verstehen soll. Zu kompliziert, zu verschachtelt, und immer wieder unverständliche Lücken oder Sprünge. Manchmal hilft da die Logik der Evolution, aber nicht immer. Natürlich könnte man die Feige selber fragen. «Geht das denn?», fragen Sie einigermassen erstaunt? JA, genau das habe ich getan – und so versuche ich jetzt die Geschichte der Feige ein bisschen auch...
Die Biologie der Feige gehörte zu jenen Dingen in der Natur, von denen man nicht recht weiss, wie man sie erzählen, begreifen und verstehen soll. Zu kompliziert, zu verschachtelt, und immer wieder unverständliche Lücken oder Sprünge. Manchmal hilft da die Logik der Evolution, aber nicht immer. Natürlich könnte man die Feige selber fragen. «Geht das denn?», fragen Sie einigermassen erstaunt? JA, genau das habe ich getan – und so versuche ich jetzt die Geschichte der Feige ein bisschen auch aus ihrer eigenen Perspektive heraus zu erzählen. Denn wer könnte mehr darüber wissen?
Die Blüte, die man nicht sieht – und die Frucht
Die Feige ist keine eigentliche Frucht, sondern allerhöchstens eine Sammelfrucht. Das, was wir als Schale, als Fruchtschale wahrnehmen, ist nichts anders als der Blütenboden. Kein Wunder, dass viele Feigengeniesser auf ein solch fruchtfremdes Organ gerne verzichten und nur das innere Fruchtfleisch ausessen.
Fruchtfleisch? Eigentlich besteht das Fruchtfleisch aus nichts anderem als Blüten und den daraus entstehenden Einzelfrüchten, die auf dem Blütenboden stehen. Dieser hat sich zusammengefaltet, ist zu einer rundlichen Form zusammen gewachsen, und so stehen jetzt im Inneren dieser Hülle alle Blüten gegen innen, zur Mitte ausgerichtet, wie die Speichen eines Wagenrads oder eher noch – wir bewegen uns ja in der
Dimension des Raums – wie die Radien einer Kugel.
Ganz oben, dem Fruchtstiel entgegengesetzt, ist vielfach noch eine kleine Öffnung geblieben, die sogenannte Ostiole, ein kleiner Durchlass nach draussen und nach drinnen, sozusagen als Erinnerung an die entfernt vergangenen Zeiten, als die Blüten noch mehr Freigang hatten und im Freien aufblühen durften. Ja, das ist auch die Auflösung des Rätsels der Feigenblüte, die man nie sieht: Es gibt sie zwar, aber sie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der sich entwickelnden Frucht statt. Oder formulieren wir es botanisch korrekter: Die Blüten «entfalten» sich im Inneren des Blütenbodens, der sich vor Urzeiten schon zu einer Art Fruchtkörper zusammengefaltet hat.
Warum das so ist, so sein muss? Wir sind da auf Vermutungen, sozusagen auf Tipps aus der Perspektive der Feige selber angewiesen: Es könnte ja sein, dass damit die für die Fortpflanzung so entscheidenden Blüten besser vor den Unbilden der Natur, vor Sonne und Regen, vor Hitze und Frassfeinden, geschützt waren. Die junge Feige, die noch keine Frucht, sondern nur eine umhüllte Blütenansammlung ist, wirkt wirklich sehr unscheinbar und wird bei nichts und niemandem Begehrlichkeiten wecken. Und die attraktive, manchmal vor süssem Saft tropfende reife Feigenfrucht will dann ja gegessen und mit ihren Samen verbreitet werden. Ja, man könnte meinen, die Feige hätte an gar alles gedacht ? Nein, ich bin sicher, dass sie wirklich an alles gedacht hat!
Markus Kobelt
Lesen Sie die spannende Geschichte der Feige , von mir und von ihr (ja von der Feige selber!) erzählt, weiter:
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Alle Illustrationen in diesem Artikel stammen aus Ira J. Condits grossem Feigenbuch.
Stellen wir uns das mal zusammen mit der Feige vor: Die männlichen und weiblichen Blüten umhüllt vom Blütenboden, in fast absoluter Dunkelheit. Natürlich könnten wir uns da Sex sehr gut vorstellen (hat ja auch was mit Dunkelheit zu tun), aber was für ein Sex? Inzucht, Inzest! Ob das nun wirklich verboten sein muss, das sei dahingestellt. Eine Zukunftslösung ist das bei Pflanzen ganz sicher nicht: Die Vielfalt wirdeingeschränkt und da liegt die Einfalt sprichwörtlich schon sehr nahe.
Das weiss vermutlich ...
Stellen wir uns das mal zusammen mit der Feige vor: Die männlichen und weiblichen Blüten umhüllt vom Blütenboden, in fast absoluter Dunkelheit. Natürlich könnten wir uns da Sex sehr gut vorstellen (hat ja auch was mit Dunkelheit zu tun), aber was für ein Sex? Inzucht, Inzest! Ob das nun wirklich verboten sein muss, das sei dahingestellt. Eine Zukunftslösung ist das bei Pflanzen ganz sicher nicht: Die Vielfalt wirdeingeschränkt und da liegt die Einfalt sprichwörtlich schon sehr nahe.
Das weiss vermutlich auch die Feige und wenn nicht die Feige, dann die Evolution, und wenn nicht die Evolution … Aber zurück zur Bocksfeige: Sie fand ganz offensichtlich den idealen Sexpartner in der Feigenwespe. Sexpartner ist dabei wohl nicht der richtige Ausdruck: Sextherapeutin wäre besser. Aber beginnen wir am vermuteten evolutionären Anfang: Die Feigenwespe kam ab und zu in die Feige (oder auch auf die Feige, auf die Blüten auf dem noch nicht vollständig geschlossenen Blütenboden) und befruchtete sie. Dieser Prozess war offensichtlich einfacher, produktiver und vor allem zuverlässiger als die eher zufällige und wie oben gesagt ziemlich fragwürdige Selbstbefruchtung. Und so stellten sich halt Feige und Feigenwespe über 10’000e von Jahren und Befruchtungszyklen aufeinander ein: Die weibliche Feigenwespe kriecht in die Bocksfeige und legt mit ihrem Legeapparat, der passgenau die richtige Länge besitzt, ihre Eier in die Ovarien der abgedunkelten weiblichen Feigenblüten ab. Aus Feigensicht muss man sich das wahrscheinlich ungefähr so wie Sex vorstellen: die Feigenwespe streicht – na ja, sagen wir mal – wohltuend über die weiblichen Organe der Feige. Und sticht dann gleichzeitig auch noch in die Ovarien.
Die Biologie der Feigenwespe
Die biologische Story kann natürlich neutraler erzählt werden, ganz ohne Erröten: Zuerst reifen die männlichen Wespen heran, sie befreien sich aus den Blüten und gehen schnurstracks ihrer einzigen und ziemlich kurzzeitigen Berufung nach: Sie finden treffsicher die Blüten mit den weiblichen Insekten darin und befruchten diese – wonach dann ihr Feigen- und Insektenleben ein schnelles Ende nimmt; sie haben ja auch ihre Funktion erfüllt. Die befruchteten weiblichen Feigenwespen befreien sich dann ebenfalls aus den Blüten, essen wohl noch ein kleines bisschen Fruchtfleisch (von nichts kommt nichts) und kriechen dem Licht, der hellen Ostiole entgegen. Und weil’s da so ziemlich eng wird und weil natürlich passgenau gerade da die männlichen, unterdessen reif gewordenen Blüten der Bocksfeigen angesiedelt sind, nehmen sie gleich noch wertvollen Blütenstaub, männlichen Pollen mit auf ihre kurze Erdenreise. Immerhin sehen sie ja, im Gegensatz zu ihren schon verstorbenen männlichen One-Night-Stand-Sexpartnern, kurz das Erdenlicht, aber nur um möglichst
schnell wieder eine Bocksfeige aufzusuchen.
Beim Legen ihrer Eier streift die Wespe so ganz nebenbei den mitgenommenen Pollen auf den weiblichen Blütennarben ab, verrichtet also ein doppelt gutes Werk! So sorgt sie für ihre eigen Vermehrung und für die Befruchtung der Feige. Wie sich das aus Sicht der Feige anfühlt, haben wir oben schon beschrieben, und muss hier nicht wiederholt werden. Die so befruchteten weiblichen Blüten beginnen zu wachsen, legen sich rund um die Samen eine Hülle aus Fruchtfleisch an und entwickeln sich weiter bis zur Fruchtreife.
Das beschriebene symbiotische System hat sich wohl über sehr lange Zeit immer besser ausdifferenziert und Feige und Wespe perfekt aufeinander abgestimmt: Nur so lässt sich die Schönheit des Bestäubungs- und Befruchtungsrhythmus erklären. Die mit Pollen beladenen weiblichen Wespen dringen just dann in die kleinen Jungfrüchte ein, wenn die weiblichen Blüten der aktuellen Feigengeneration gerade empfangsbereit sind. Und die jungen, frisch geschlüpften und befruchteten weiblichen Wespen wollen genau dann das dunkle Feigeninnere verlassen, wenn endlich auch die verspäteten männlichen Pollen beim Fruchtausgang, bei der Ostiole reif sind.
Und noch mehr der herrlich unzufälligen Gleichzeitigkeiten: Gerade wenn dann die mit Pollen beladenen Wespen die unterdessen gewachsene und gereifte Feige verlassen, ist bereits die nächste Feigengeneration empfangsbereit. Die Bocksfeigen entwickeln nämlich in ihren Kerngebieten (im südlichen Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in ihrem vermuteten genetischen Zentrum, im südlichen Arabien) genau drei Feigengenerationen, die passgenau auf die Biologie der Feigenwespe ausgerichtet sind. Oder umgekehrt. Evolutionstheoretiker und mechanistische Darwinisten glauben hier an Zufall – schade dass sie nie die Feige gefragt haben. Die Feige weiss schon ziemlich genau, was sie tut. Sie optimiert ihre Fortpflanzung – und hat auch noch ihren Spass daran.
Markus Kobelt
Weitere spannende Feigen-Geschichten finden Sie hier:
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Alle Illustrationen in diesem Artikel stammen aus Ira J. Condits grossem Feigenbuch.
Ein Fehler der Natur? Jetzt sind wir immer noch bei der Bocksfeigen. Biologisch hochinteressant, aber aus Menschensicht offensichtlich keine Überflieger. Wie kommen wir von da zu «unseren» Fruchtfeigen? Auch ich habe ja meine ganz und gar menschlichen Interessen. Feigensicht hin oder her, was interessiert mich die Schönheit der Natur, wenn nichts oder nur wenig Essbares für mich abfällt?
Kommt jetzt vielleicht der Zufall ins Spiel? Die Biologie der Bocksfeige und der Feigenwespe ermöglicht beiden ...
Ein Fehler der Natur? Jetzt sind wir immer noch bei der Bocksfeigen. Biologisch hochinteressant, aber aus Menschensicht offensichtlich keine Überflieger. Wie kommen wir von da zu «unseren» Fruchtfeigen? Auch ich habe ja meine ganz und gar menschlichen Interessen. Feigensicht hin oder her, was interessiert mich die Schönheit der Natur, wenn nichts oder nur wenig Essbares für mich abfällt?
Kommt jetzt vielleicht der Zufall ins Spiel? Die Biologie der Bocksfeige und der Feigenwespe ermöglicht beiden eine gesunde Fortpflanzung und auch genügend Vielfalt, um zu überleben. Offenbar so viel Vielfalt, dass es auch zu Abweichungen, zu Mutationen ausserhalb des Erwarteten kommt. Wenn man so will, sind das Reproduktionsfehler, Kopierfehler der Natur. Die meisten dieser Fehler verschwinden wieder von selbst, weil sie für die meisten Spielteilnehmer (Pflanze, andere Pflanzen, Tiere, andere Lebewesen, Menschen) uninteressant bzw. sogar mit Nachteilen verbunden sind. Bei der Feige aber überlebt vor allem eine neue Spielart: Eine Variante, die deutlich längere Blüten entwickelt und entsprechend auch eine viel grössere und attraktivere Frucht hervorbringt. Das ist nun attraktiv für den Menschen und auch für andere Tiere, nicht nur für Ziegenböcke mit ihrem bekannt beschränkten kulinarischen Horizont. Aber mit den grösser werdenden weiblichen Blüten werden die männlichen Blüten verdrängt. Sie waren schon am Rand, gerade bei der Ostiole, jetzt werden sie nach und nach sprichwörtlich über Bord geworfen, bis kaum mehr etwas übrig bleibt. «Wie soll das jetzt alles noch funktionieren?», fragen Sie sich jetzt vollkommen zu Recht.
Nun ja, ab und zu wird sich schon noch eine weibliche Feigenwespe in eine solche Smyrna-Fruchtfeige verirren. Diese sieht ja zum Zeitpunkt der reifen und empfangsbereiten weiblichen Blüte ziemlich genau wie eine Bocksfeige aus. Und einmal eingedrungen wird die Feigenwespe auch hier ihre Befruchtungsaufgabe für die Feige erfüllen. Also wird auch die Smyrna-Feige auf ihre Rechnung kommen; ihr eigentliches Werk aber, nämlich für die eigene Nachkommenschaft zu sorgen, wird sie nicht erfüllen können, da sich die Narben der Blüten viel zu lang gestreckt haben und der Legestachel der Wespe bei weitem nicht mehr bis ins Ovarium reicht. Und so sucht die Feigenwespe dann verzweifelt eine passenden Blüte, springt nervös in der dunklen und viel zu eng gewordenen Feigenfrucht herum, streift ebenso fleissig wie unfreiwillig den Pollen auf den Narben ? nur um schliesslich elendiglich und unverrichteter Dinge zugrunde zu gehen.
Die clevere Feige aber, der wir unterdessen alles zutrauen müssen, reift unbeeindruckt und dank der verzweifelten Arbeit der tragischen Wespe zu einer wunderschönen und grossen und süssen Frucht heran.
Markus Kobelt
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Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Alle Illustrationen in diesem Artikel stammen aus Ira J. Condits grossem Feigenbuch.
Ich möchte nun von «Kultur» gesprochen. Kultur als das, was der Mensch mit der Natur macht. Vielleicht aber auch nur zu machen meint. Die Feige hat sich dem Menschen geradezu aufgedrängt, hat seine religiöse und sexuelle Symbolik infiltriert, ja die menschliche Sexualität im wahrsten Sinne des Wortes überlagert: als Feigenblatt.
Da ist es nicht mehr weit bis zur phallischen Bedeutung, die die Feige und das Feigenholz mit ihrem milchigen Saft auch haben können. Und der Feigengenuss: Die Feige wird mit ...
Ich möchte nun von «Kultur» gesprochen. Kultur als das, was der Mensch mit der Natur macht. Vielleicht aber auch nur zu machen meint. Die Feige hat sich dem Menschen geradezu aufgedrängt, hat seine religiöse und sexuelle Symbolik infiltriert, ja die menschliche Sexualität im wahrsten Sinne des Wortes überlagert: als Feigenblatt.
Da ist es nicht mehr weit bis zur phallischen Bedeutung, die die Feige und das Feigenholz mit ihrem milchigen Saft auch haben können. Und der Feigengenuss: Die Feige wird mit den Daumen längs in zwei Hälften geteilt, aufgebrochen, dann werden Mund und meist auch die Nase ins feucht-rötliche, maserig strukturierte Fruchtfleisch eingetaucht, um die ganze Köstlichkeit aufzunehmen.
In einigen Kulturen wird auch von Ritualen berichtet, wo der kollektive Genuss, die Lust an der Feige regelrecht zu einem berauschenden Ereignis wird. Wer hat da Lust auf wen? Wer verführt wen? Ist nicht der Mensch selber der grösste Feigensklave? Wenn wir sehen, was der Feige mit ihrer auf List, Tücke und Sex beruhenden Strategie in der kurzen Zeit seit dem Start in Jemen, auf der arabischen Halbinsel gelungen ist, dann können wir eigentlich seufzend und voll Vorfreude auf die nächste frischreife Feige nur das Offensichtliche konstatieren: Die Feige ist auf dem Weg zur Weltherrschaft!
Markus Kobelt
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Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Alle Illustrationen in diesem Artikel stammen aus Ira J. Condits grossem Feigenbuch.
Und wie wenn das alles noch nicht genug wäre, gibt es nochmals von einem «Fehler» der Natur zu berichten. Plötzlich, irgendwann, aus einer unerklärlichen Laune heraus, als Mutation, entstehen die Kulturfeigen.
Wohl wieder ein Kopierfehler, eine gametische Mutation in den Keimzellen der Feigenblüten. Und was entsteht? Eine Feige, die – auf den ersten Blick wider alle Natur – auch ohne Befruchtung parthenokarpe Früchte ansetzen kann. Also die kleinen Feigen, deren weibliche Blüten wie bei ...
Und wie wenn das alles noch nicht genug wäre, gibt es nochmals von einem «Fehler» der Natur zu berichten. Plötzlich, irgendwann, aus einer unerklärlichen Laune heraus, als Mutation, entstehen die Kulturfeigen.
Wohl wieder ein Kopierfehler, eine gametische Mutation in den Keimzellen der Feigenblüten. Und was entsteht? Eine Feige, die – auf den ersten Blick wider alle Natur – auch ohne Befruchtung parthenokarpe Früchte ansetzen kann. Also die kleinen Feigen, deren weibliche Blüten wie bei den Smyrna-Feigen vollentwickelt und empfangsfähig sind, bleiben ohne Befruchtung nicht mehr einfach stehen (um dann irgendwann abzufallen und zu verschrumpeln), sondern entwickeln sich nach einer kurzen Kunstpause aus eigenem Antrieb weiter. Meistens wenigstens. Warum ich diesen «Kopierfehler» hier demonstrativ Kulturfeige nenne?
Nun weil da ohne Kultur, ohne den Eingriff des Menschen eigentlich gar nichts mehr geht: Nicht nur produzieren diese Feigen keine fruchtbaren Samen mehr und sind damit auf die vegetative Vermehrung durch den Menschen (Wurzelschosse, Ableger, Steckhölzer, Veredelung) angewiesen, sondern die möglichst zuverlässige Form der Parthenokarpie, die unsere heutigen Kultursorten auszeichnet, ist einzig und allein aufgrund menschlicher Auslese entstanden. Der Gärtner-Mensch hat halt nur diejenigen Kulturfeigen weitervermehrt, die zuverlässig möglichst schmackhafte Früchte trugen und die möglichst ganz auf die fragwürdige und aufwändige Mitarbeit der Feigenwespen verzichten konnten.
Dass das alles ein langer, einerseits biologisch-evolutionär gesteuerter, andererseits aber auch kulturell gesteuerter Prozess war, zeigt die Übergangsform der San Pedro-Feigen: Diese tragen mehr oder weniger zuverlässig eine erste Ernte parthenokarper, unbefruchteter Früchte, sind aber bei der zweiten Ernte, bei der Haupternte im Herbst auf die Caprifikation angewiesen.
Die Kulturfeigen dagegen, die wir auch im nördlichen Mittelmeerraum und nördlich der Alpen anbauen können, kommen bei beiden Ernten ohne Wespe aus (wenn denn die Vegetationsperiode eine zweite Ernte zulässt). Die drei Ernten des Zweistromlands und Arabiens, die noch die Urfeige auszeichneten, sind in weiten Teilen des Mittelmeerraums und Mitteleuropas natürlich nicht mehr möglich. Schon zwei Ernten, ganz knapp in die Vegetationsperiode von März bis Oktober/November reingepresst, sind hier schon ein riesiger Erfolg.
Markus Kobelt
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Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Wespenmissbrauch oder Menschenverführung? Das kann eigentlich nicht lange gutgehen. So blöd kann ja auch eine noch so kleine Wespe gar nicht sein, dass sie sich laufend austricksen lässt: Fast unentgeltlich für die Feigen zu arbeiten, ohne für die eigene Fortpflanzung sorgen zu können. Und wenn’s die einzelne Wespe ja auch nie lernen kann (weil sie unverrichteter Dinge und ohne Nachkommen stirbt), so würden -so denkt man wenigstens – doch nach und nach die Wespen aussterben, die so bl...
Wespenmissbrauch oder Menschenverführung? Das kann eigentlich nicht lange gutgehen. So blöd kann ja auch eine noch so kleine Wespe gar nicht sein, dass sie sich laufend austricksen lässt: Fast unentgeltlich für die Feigen zu arbeiten, ohne für die eigene Fortpflanzung sorgen zu können. Und wenn’s die einzelne Wespe ja auch nie lernen kann (weil sie unverrichteter Dinge und ohne Nachkommen stirbt), so würden -so denkt man wenigstens – doch nach und nach die Wespen aussterben, die so blöd sind, die Smyrna Feigen mit ihren unwirtlich langen Blüten aufzusuchen.
Auch die Genetik würde eher gegen diese ersten Fruchtfeigen sprechen: Die Eigenschaft der langen Blüten ist rezessiv. Und neue grosse Smyrna-Fruchtfeigen können nur entstehen, wenn der Pollen einer Bocksfeige, die ebenfalls rezessiv versteckt (also nicht sichtbar) die Eigenschaft der langen Blüten in sich trägt, eine Smyrna-Fruchtfeige erreicht. Also ziemlich selten. Warum dann die Smyrna-Feigen nicht ausgestorben sind, sondern sich aus Jemen wie ein Lauffeuer über Mesopotamien im ganzen Mittelmeerraum verbreitet haben?
Schuld daran kann nur die Frucht sein, die Feige selber, sie ist einfach zu attraktiv. Mit ihrer Schönheit und vor allem mit ihrem Zucker manipuliert sie alle und alles um sich herum. Wenn sie befruchtet wird, also wenn sich mal wieder einmal eine dumme Feigengenwespe in die Smyrna-Fruchtfeige verirrt hat, dann werden die entstehenden fertilen Samen von all den fressenden Tieren, und irgendwann auch vom essenden Menschen, fröhlich verbreitet, wie eine gute Botschaft: So gut kann eine Feige sein, hoffen wir, dass uns auch die Samen wieder, nach dem Durchgang durch den Verdauungstakt, einige grossfrüchtigen Feigenexemplare bescheren mögen.
Und irgendwann wird das Tier, das wir Mensch nennen, erkannt haben, dass Smyrna-Fruchtfeigen und Bocksfeigen mit Vorteil gemischt werden, wenn man eine gute Ernte erzielen möchte. Und irgendwann werden sie auch per Zufall oder mit Versuch und Irrtum gelernt haben, dass man die reifen Bocksfeigen mit den herangereiften, aber noch nicht ausgeflogenen Wespen auch künstlich zu einem Fruchtfeigenbaum, oder zu einem ganzen Feld von Fruchtfeigen bringen könnte.
Später – nach vielen Irrwegen und Irrtümern – eigentlich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts – wurde das von der gerade entstehenden Agronomie als Caprifikation beschrieben. Die Caprifikation hat auch den Vorteil, dass die – wieder einmal ausgetricksten – Feigenwespen gar keine andere Wahl haben, als die für sie selber so unproduktiven Fruchtfeigen aufzusuchen und zu befruchten. Eindeutig ein Missbrauch der Natur, mindestens der armen Wespen – wenn man so will. Aber im Krieg, in der Liebe und ganze nahe verwandt auch beim Essen, ist fast alles erlaubt. Denken wir es noch einmal durch: Ist es nun der Mensch als selbsternannter Mittelpunkt der Erde, der die Wespen für die Befruchtung seiner Lieblingsfrüchte missbraucht, oder ist es nicht viel eher die Feige, die alle Kreatur nach ihrer Pfeife tanzen lässt. Willensstark und mit langem Atem stellt die Feige Menschen und Wespen in den Dienst ihrer ureigenen Sache: möglichst zuverlässig und mit Lustgewinn befruchtet, und dann auch noch vermehrt und weiter verbreitet zu werden.
Markus Kobelt
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Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Meine Quelle: Ira J. Condit, The Fig, Boston USA 1947
Alle Illustrationen in diesem Artikel stammen aus Ira J. Condits grossem Feigenbuch.
DIE 4 FEIGENTYPEN
22. Mai 2017 | Markus Kobelt
Man kann die Feigentypen nicht auseinander dividieren. Wahrscheinlich sind sie nacheinander, in der unten beschriebenen Reihenfolge entstanden, aber sie gehören immer noch zusammen, die spätere ist ohne die frühere nicht denkbar, und vor allem nicht weiter vermehrbar und entwickelbar. Bei uns aber, ganz allgemein nördlich der Alpen, können nur Kulturfeigen angebaut werden, da die Feigenwespe nicht so weit nach Norden vorgedrungen ist wie die Feige. Alle Lubera-Gustissimo Feigen sind Kulturfeigen!
1. ...
Man kann die Feigentypen nicht auseinander dividieren. Wahrscheinlich sind sie nacheinander, in der unten beschriebenen Reihenfolge entstanden, aber sie gehören immer noch zusammen, die spätere ist ohne die frühere nicht denkbar, und vor allem nicht weiter vermehrbar und entwickelbar. Bei uns aber, ganz allgemein nördlich der Alpen, können nur Kulturfeigen angebaut werden, da die Feigenwespe nicht so weit nach Norden vorgedrungen ist wie die Feige. Alle Lubera-Gustissimo Feigen sind Kulturfeigen!
1. Die Bocksfeige, die Urfeige hat männliche und weibliche Blüten. Ihre Blütenbiologie, die Länge (oder eher: Kürze) der Blüten, die Reife der Früchte ist ideal auf die Biologie der Feigenwespe abgestimmt. Sie hat eigentlich – ex post und aus ziemlich menschlicher Sicht betrachtet – nur einen Nachteil: Sie ist klein und fruchtmässig wenig interessant. Biologisch «stimmt» hier alles, mehr als bei allen anderen Feigen.
2. Die Smyrna-Fruchtfeige verfügt nur noch über weibliche Blüten. Dafür sind diese viel länger und lassen bei Befruchtung rund um die Samen viel mehr Fruchtfleisch entstehen, samt Fruchtsäuren und Zucker und anderen interessanten Inhaltsstoffen. Vor allem aber ist die Smyrna-Feige auch viel grösser als die Bocksfeige. In biologischer Hinsicht jedoch hat sie gleich zwei «Defekte»: Sie bildet (fast) keine männlichen Blüten mehr aus (wie soll also ohne Bocksfeige die Befruchtung erfolgen?), und sie verhindert wegen ihrer langen Blüten die Reproduktion der Feigenwespe, auf die sie doch so angewiesen ist! Könnte man mehr am Ast sägen, auf dem man sitzt?
3. Die San Pedro Fruchtfeige ist sozusagen ein Zwischenprodukt der Entwicklung der Bocksfeige hin zur Kulturfeige (siehe Punkt 4), die allerdings biologisch gesehen ein Rückschritt ist … Die San Pedro-Fruchtfeige kann in ihrem ersten Fruchtschub, der je nach Klimazone zwischen Juni und August reif wird, Feigen ohne Befruchtung ansetzen und entwickeln (die sogenannten Breba Früchte); beim zweiten Fruchtansatz, im Sommer und Herbst, ist sie obligatorisch auf die Befruchtung durch die Feigenwespe angewiesen.
4. Die Kulturfeige kommt ganz ohne Befruchtung aus und kann bei entsprechend langer Vegetationsperiode zwei Ernten parthenokarper Früchte hervorbringen. Sie ist insbesondere nördlich der Alpen, in Mitteleuropa und weiten Teilen Nordamerikas dem Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: Sie kann sich ohne das zufällige und in gemässigten und nördlichen Klimaten schlichtweg unmögliche Eindringen einer verirrten Feigenwespe nicht natürlich und «von allein» fortpflanzen.
Wäre da nicht der Mensch, wäre die Kulturfeige ein Sackgasse der Natur. Auch züchterisch kann die Kulturfeige, die Feige die wir in unserem Lubera-Sortiment finden, nur weiterentwickelt werden, indem man Bocksfeigen mit möglichst guter Fruchtqualität und mit rezessiven (also nicht sichtbaren, versteckten) Genen für lange Blüten und Parthenokarpie mit parthenokarpen Feigensorten, sprich mit Kulturfeigen kreuzt. Aus den dann ausnahmsweise entstehenden keimfähigen Samen entwickelt sich im besten Falle ein Viertel wieder zu Kulturfeigen.
Natürlich ist das in der Vergangenheit auch ab und zu in der Natur geschehen, aus welchem Reservoir dann die meisten der bekannten Kultursorten ausgelesen worden sind. Aber ohne Kultur, ohne Auslese und vegetative, «künstliche» Vermehrung der besten Feigen dieses Typs wären sie in der Natur aufgrund ihrer Unfruchtbarkeit sang-, klang- und samenlos einfach wieder untergegangen. Deshalb ist auch der Ausdruck «Kulturfeigen» hier mehr als nur angemessen.
Dass man diese Geschichte auch andersherum erzählen kann, habe ich in sieben weiteren Artikel im Lubera-Magazin gezeigt. Danach ist es nicht der Mensch, der die Kulturfeigen hervorgebracht hat, sondern es ist die Feige, die den Menschen dazu verführt hat.
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Feige, der Mensch, die Wespe … und ich, Einleitung
22. Mai 2017 | Markus Kobelt
Um die Feige ranken sich unendlich viele Fragen, Gärtnerfragen und auch … sagen wir mal: andere Fragen. Warum fruchtet meine aus dem Urlaub mitgenommene Feige nicht? Wo und wie blüht denn eigentlich die Feige? Braucht die Feige eine Befruchtersorte? Was sind eigentlich Bocksfeigen?
Und dann gibt es wie gesagt auch andere, sozusagen verdeckte Feigenfragen. Das, was Sie immer schon wissen wollten, aber nie zu fragen wagten … Und das, von dem auch ich nicht wusste, dass ich es wissen wollte ?
–...
Um die Feige ranken sich unendlich viele Fragen, Gärtnerfragen und auch … sagen wir mal: andere Fragen. Warum fruchtet meine aus dem Urlaub mitgenommene Feige nicht? Wo und wie blüht denn eigentlich die Feige? Braucht die Feige eine Befruchtersorte? Was sind eigentlich Bocksfeigen?
Und dann gibt es wie gesagt auch andere, sozusagen verdeckte Feigenfragen. Das, was Sie immer schon wissen wollten, aber nie zu fragen wagten … Und das, von dem auch ich nicht wusste, dass ich es wissen wollte ?
– Ist die Feige eine fleischfressende Pflanze und für Veganer ungeeignet?
Warum nur weckt die Feige auch viele sexuelle Assoziationen, wovon das Feigenblatt (bzw. das von ihm Verdeckte) nur ein erster Anfang ist?
– Wie funktioniert Sex bei Feigen? Was genau ist die Rolle der Feigenwespe?
– Könnte es eine Feige gewesen sein, die Eva in Versuchung führte?
Das alles liess mir keine Ruhe, und so begab ich mich diesen Winter auf eine Feigenreise. Das passt ja, draussen kalt, und drinnen … jedenfalls wird es einem ganz wohlig warm, wenn man an Feigen denkt. Meine (leider nur virtuelle) Reise in die Feigengeschichte beginnt ganz am Anfang, auf der arabischen Halbinsel, wohl in Jemen und sie führt ziemlich weit, bis nach Amerika. Wenn – wie bei der Feige – Pflanze, Tier und Mensch zusammentreffen und wenn Zucker und Begierde eine Rolle spielen, dann wird es fast immer ziemlich spannend. Die Grenzen verwischen sich.
– Benutzt nun die Wespe die Feige, um das eigenen Überleben zu sichern? – Kultiviert der Mensch die Feige, um sich die begehrten Früchte, den Zucker und wohl auch den Stoff, aus dem die Träume sind, den Alkohol zu sichern. Oder funktioniert es nicht vielleicht ganz genau andersrum: Die Pflanze manipuliert uns alle, das Tier und den Menschen. Sie zieht uns in ihren Bann, sie führt in Versuchung, sie macht uns zu ihrem Sklaven.
Jetzt denken Sie sicher: Was hat Markus denn gerade getrunken? Ja, es wird erzählt, dass in einigen Kulturen das Feigenessen, die massenweise Vereinnahmung von Feigen, zu rauschhaften Zuständen führe. Könnte es sein, dass auch die intensive intellektuelle und schreibende Beschäftigung mit der Feige Wahrnehmungsstörungen verursacht?
Oder eine andere Sicht der Dinge, die diese erst ins rechte Licht rückt? Lesen Sie die Geschichte der Feige in 7 Kapiteln, von mir und von ihr (ja von der Feige selber!) erzählt, und Sie werden wissen und beurteilen können, was ich hier in der Einleitung so vor mir her raune …
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Wer’s lieber etwas sachlich und botanisch haben möchte, der kann sich noch meinen Beitrag zu den verschiedenen Feigentypen anschauen. Der erklärt schon vieles. Aber halt eben nicht alles.
Ganz kurz und knapp habe ich das Thema “Wie und wo Feigen blühen und befruchtet werden”, in meinem Facebook Live-Video geschildert (speziell über die Feigen geht es ab der 28. Minute):
Blüten, Blatt und Samen – Obstbäume können mehr
27. Mai 2017
Glauben Sie, dass die Obstbäume nur dafür da sind, um Früchte zu tragen? Auf keinen Fall, sie sind voller essbarer Geheimnisse und Überraschungen; Einige habe ich mit Hilfe des Buchs von Lia Leendertz “Petal, Leaf, Seed: Cooking with the treasures of the garden” bereits in meinem Garten entdeckt. Das Buch hilft uns, unsere Gärten anders zu sehen und in die geheime Speisekammer der bisher übersehenen Delikatessen einzutauchen. Mit wunderbaren Rezepten führt dieses Buch Sie durch Ernten, von ...
Glauben Sie, dass die Obstbäume nur dafür da sind, um Früchte zu tragen? Auf keinen Fall, sie sind voller essbarer Geheimnisse und Überraschungen; Einige habe ich mit Hilfe des Buchs von Lia Leendertz “Petal, Leaf, Seed: Cooking with the treasures of the garden” bereits in meinem Garten entdeckt. Das Buch hilft uns, unsere Gärten anders zu sehen und in die geheime Speisekammer der bisher übersehenen Delikatessen einzutauchen. Mit wunderbaren Rezepten führt dieses Buch Sie durch Ernten, von denen Sie noch nie geträumt haben.
“Petal, Leaf, Seed: Cooking with the treasures of the garden“ enthält nicht die Rezepte, die von vertrauten Kräutern und Gemüse Gebrauch machen, Lia Leendertz schaut sich jene Dinge an, die man normalerweise nicht ernten würde, die zu der “geheimen Speisekammer” der übersehenen Delikatessen zählen.
Leendertz startet das Buch mit einem Abschnitt, der den essbaren Blüten gewidmet ist, und zwar denen, die direkt nach den dunklen Tagen des Winters unsere Küche erhellen. Z.B. Zucchini-Blüten. Sie werden im Frühling in Hülle und Fülle produziert, sodass man sie ruhig auch für Salate nehmen könnte. Oder die Knoblauchschäfte, die sonst weg geschmissen werden, denn es ist ein Muss, sie – um die Zwiebelernte zu schützen – zu entfernen.
Dann sind die essbaren Blätter an der Reihe. Ich bin ein grosser Fan von Kräutern im Garten, denn sie nehmen nicht nur ganz wenig Platz in Anspruch, sie bringen Farben, Düfte und Texturen in den Garten und ihre Blüten ziehen nützliche Insekten an. Aus vielen mache ich mir einen schönen Kräutertee. Neu für mich jedoch waren die essbaren Blätter von Bananen, Kurkuma, Wasabi und Kaffirlimette.
Was ich am meisten an diesem Buch geniesse, ist die Tatsache, dass Leendertz gerade von solchen Pflanzen (oder Pflanzenteilen) schreibt, die wir normalerweise übersehen. Während Sie auf Ihre Obstbäume und Sträucher warten, bis sie Ihnen ihre Früchte geben, verpassen Sie sonst noch so viel Essbares und Gesundes an ihnen.
Ich habe im vergangenen Jahr zwei Weinreben eingepflanzt, und zwar deshalb gerade die Weinreben, weil man von dieser Pflanze sowohl reichlich Blätter als auch die Früchte essen kann. Allerdings sind die Pflänzchen noch zu jung, mit der Blätterernte muss noch ein wenig gewartet werden. Wir haben auch einen Pfirsichbaum, der im Frühjahr eine schöne Blüte zeigt und im Spätsommer Früchte trägt. Ich wusste nicht, dass ich zwischen diesen Zeiten seine mandelaromatischen Blätter verwenden kann, um Custards und Eiscreme oder Cocktail-Sirup zu bereiten.
Mein Garten ist erst zwei Jahre alt, wächst immer noch, und viele meiner Obstbäume sind noch in Kübeln. Dazu gehört der Feigenbaum, dessen Blätter (wenn er älter wird) zu einem Sirup verarbeitet werden können, der dann nach Kokosnuss und Holunderblüten schmecken wird. Leendertz bietet unter anderem ein herrliches Barbecue-Dessert-Rezept für Ricotta in Feigenblättern gewickelt, serviert mit Feigen, Lavendel und Honig.
Schliesslich preist sie die Tugenden der schwarzen Johannisbeerenblätter, die am gesündesten zu Beginn der Saison sind und in dieser Zeit am besten schmecken. Ihr schwarzer Johannisbeer-Geschmack eignet sich für Sorbets und Eis, sowie Tees und Cocktails.
Und im Spätjahr erntet man die Samen. Diese werden am meisten übersehen, sie werden zusammen mit der Altpflanze entfernt und landen im besten Fall auf einem Komposthaufen. Aber wir könnten doch einfach Fenchel, Liebstöckel, süsses Zettel, Kümmel, Koriander (um nur einige zu nennen) für spätere Verwendung verpacken. Sobald die Samen getrocknet werden, sind sie das schmackhafte Gewürz, das wir so lieben.
Mit Anregungen und Rezepten für jede Jahreszeit ist das Buch “Petal, Leaf, Seed: Cooking with the treasures of the garden” ein absolutes Nachschlagewerk. Es baut nicht nur eine Brücke vom Essbaren zum Ornamentalen, es ist ein aufmerksames, tief in die Seele der Natur schauendes Auge.
Emma Cooper
(Übersetzung: Lesya Kochubey)
Emma Cooper, ein neuer Name in unserem Newsletter und überhaupt bei Lubera. Emma ist Buchautorin und Bloggerin, hat ursprünglich Ethnobotanik studiert (ja das gibt es!) und interessiert sich ganz allgemein für die Schnittstelle zwischen Pflanze und Mensch. Was machen wir mit den Pflanzen? Und manchmal vielleicht auch: Was machen die Pflanzen mit uns? Emma schreibt in regelmässigen Abständen für unseren englischen Newsletter und das Magazin (mein Swiss English, das ich eleganter Weise Swenglish nenne, reicht dazu nicht wirklich). Wir werden Emmas Artikel natürlich auch für den deutschsprachigen Gartenbrief übersetzen und veröffentlichen – damit ich häufiger im Zitrustunnel lustwandeln kann und weniger schreiben muss
Bücher von Emma Cooper finden Sie HIER
Emmas Garten und Pflanzenblog lesen Sie HIER
Und HIER schreibt Emma Cooper regelmässig für unsere UK-Webseite
Die untötliche Feige
02. Juni 2017 | Markus Kobelt
Zuerst die schlechte Nachricht: Alle ausgepflanzten und ungeschützten Feigen in meiner Nachbarschaft in Buchs, im St. Galler Rheintal (und an vielen anderen Orten auch) sind in diesem Winter erfroren. Bei uns jedenfalls alle, an anderen Orten viele. Ganz offensichtlich fühlten sich die Feigen im Dezember zu wohl, glaubten an einen weiteren milden Winter, der sie so heimelig an ihre südlichen Ursprünge erinnert; und siehe da, im Januar kam der Frost ganz fruchtbar auf sie runter, und die ...
Zuerst die schlechte Nachricht: Alle ausgepflanzten und ungeschützten Feigen in meiner Nachbarschaft in Buchs, im St. Galler Rheintal (und an vielen anderen Orten auch) sind in diesem Winter erfroren. Bei uns jedenfalls alle, an anderen Orten viele. Ganz offensichtlich fühlten sich die Feigen im Dezember zu wohl, glaubten an einen weiteren milden Winter, der sie so heimelig an ihre südlichen Ursprünge erinnert; und siehe da, im Januar kam der Frost ganz fruchtbar auf sie runter, und die vorwitzigen Feigen froren ganz erbärmlich zurück. Darunter auch 10 jährige Pflanzen, bei denen ich das sicher nicht vorausgesagt hätte und bei denen ich mehr Frostresistenz erwartet hätte. Man merke sich: Der Frostresistenz ist kein absoluter Wert, sondern hängt immer vom Zustand der Pflanzen zum Zeitpunkt des Kälteeinbruchs ab.
Dann aber die gute Nachricht: Alle Feigen haben überlebt, alle treiben jetzt, Anfang Juni wieder aus, teilweise nur aus den Wurzeln, direkt aus dem Boden, teilweise aus der Basis, teilweise entstehen in 50 bis 150cm Höhe plötzlich neue frische Knöspchen an gänzlich unerwarteten Stellen.
Die Regenerationsfähigkeit der Feige ist wirklich ganz erstaunlich. Der späte Austrieb in 50-150 cm Höhe zeigt deutlich, dass sich sogar “erfrorene” Triebe wieder regenerieren können und dass sich das Leben und Überleben dann spät, doch nicht zu spät doch noch Bahn bricht. Eine meiner Nachbarinnen ist ganz begeistert von ihrer Feigenüberlebenskünstlerin, sie hat das Schauspiel in den letzten 20 Jahren schon 2-3 mal erlebt und kommt vor dem Ausbruch des Lebens aus den scheintoten Trieben immer wieder ins Schwärmen: “An den Feigen sollten wir uns ein Vorbild nehmen!”
Als ich am Sonntagnachmittag durch die Nachbarsgärten streifte und die mir bekannten Feigen “besuchte” und auf ihre Überlebenszeichen überprüfte, habe ich viel über die Feigen gelernt, vieles, das ich schon wusste, aber noch viel mehr, das mir nie so ganz klar war, obwohl es eigentlich ganz logisch und selbstverständlich ist.
Diese Faktoren erhöhen die Überlebensfähigkeit der Feige:
1. Tief pflanzen: Junge Triebe und frisch gepflanzte Feigen sind frostanfälliger als alte Pflanzen. Darum ist es wichtig, dass junge Feigen tief gepflanzt werden, ich würde unterdessen anraten, bis 10 cm tiefer als der obere Rand des Wurzelballens zu pflanzen. Das hilft der jungen Pflanze im schlimmsten Fall, aus dem Wurzelstock zu regenerieren. Keine Angst, Feigen sind nicht veredelt, sondern wurzelecht: Auch der Neutrieb aus der Erde stellt die gleiche Sorte dar, wird die gleichen schmackhaften und grossen Früchte bringen wie der leider zurückgefrorene alte Trieb.
2. Frostschutz an den Trieben bei jungen Feigen: Bei jungen frischgepflanzten Feigen braucht es in den ersten 3 Jahren über den Winter einen Frostschutz: also am besten im November/Dezember den Busch zusammenbinden und mit isolierendem Material einkleiden. Achtung, bitte keine Materialien verwenden, die zu Gewächshauseffekten führen (Plastik und Ähnliches) und die Pflanze am schönen Wintertage in verfrühte Frühlingsstimmung bringen könnten.
3. Anhäufeln und Wurzeln schützen: Gerade bei jungen Feigenpflanzen lohnt es sich, zusätzlich über den Winter den unteren Teil der Triebe anzuhäufeln und/oder den Wurzelbereich mit etwas Stroh und Laub zu schützen. Das erhöht die Chance, dass der junge Feigenbusch auch in einem gefährlichen Winter (wie dem letzten) überlebt, wenn nicht an der Triebspitze, so doch zumindest an der Triebbasis und im Wurzelstock.
4. Winterstabile Feigensorten: Ich glaube nicht, dass es bei der absoluten Winterhärte der Kulturfeigen (also der Feigen, die ohne Befruchtung parthenokarpe Früchte anlegen; siehe den andere Feigenartikel im letzten Newsletter) grosse Unterschiede gibt. Grundsätzlich hat sich die Kulturfeige auf ihrem Weg vom Süden in den Norden die Fähigkeit angeeignet, auch tiefe Temperaturen bis minus 16-20 °C zu überleben und wundersam zu regenerieren. Grössere Unterscheide gibt es aber bei der Winterstabilität, also bei der Fähigkeit der Feige, auch bei einmal wärmeren Temperaturen im Winter ruhig (oder mindestens ruhiger ) zu bleiben. Hier haben unsere Sorten, die in 20 jähriger Arbeit von Gusti Berchtold im Bündner Rheintal, in einem Föhntal inmitten der Alpen, ausgelesen worden sind, sicher einen Vorteil. Zu den stabilsten Sorten gehören hier Perretta und Twotimer.
5. Alt ist besser als jung? Ja klar, ein grösserer Holzkörper ist frostresistenter als ein junger, nicht ganz ausgereifter Trieb. Aber auf meinem Rundgang habe ich doch auch deutliche Anzeichen gesehen, dass mitteldick besser ist als ganz dick. Die Äste, die weiter oben ausschlagen, sind eher mitteldicke Triebe, nicht die ganz dicken. Offenbar haben diese eher die Fähigkeit zu regenerieren als die Holzungetüme. Oder vielleicht braucht man bei den letzteren einfach noch mehr Geduld: Sie treiben noch später aus als die mitteldicken Stämme.
6. Breit ist besser als schmal, mehrtriebig besser als ein Stamm: Diese Erkenntnis ist ganz deutlich und spricht gegen die gerne im Süden angebotenen Feigenstämmchen. Auch wir bei Lubera waren und sind immer der Versuchung ausgesetzt, schöne elegante Feigenstämmchen zu produzieren, aber eigentlich ist das in unserem Klima ein Blödsinn: Je breiter der Wurzelballen ist, je mehr Zusatztriebe und Austriebszentren er aufweist, desto stärker und intensiver ist die Regeneration aus der Basis.
Ja, ein Stämmchen könnte auch mal weg sein, aber ein mehrtriebiger Busch ist einfach nicht tot zukriegen, er hat genau so viel mehr Überlebenschancen, als er mehr Triebe und vor allem Basistriebe hat als ein Stamm. Eigentlich ist es der Frostwinter selbst, der dann bei Büschen die Regeneration aus der Basis fördert, der die Pflanze nochmals breiter und resistenter macht dank der neuen, breiter ausschlagenden Bodentriebe. Ein wunderbarer Verstärkungsfaktor: Je mehr und häufiger die Feige zurückfriert (und wieder austreibt), desto untötlicher wird sie.
7. Feigen an die Wand! Ich habe mich auch schon über die englischen Gärtner lustig gemacht, die Feigen so gerne an die Wand stellen und dann die Triebe kunstvoll-fächerartig verteilen und aufbinden. Die Feige ist doch keine Kletterpflanze, so spottete ich gerne über die Gartenspeens der Inselgärtner, die aus einer mediterranen Urpflanze eine Wandschmuckpflanze machen. Aber ich irrte! Was vielleicht der wilden mediterranen Schönheit ein wenig Abbruch tut, kann die Feige tatsächlich auch schützen und retten. Eine Nachbarin hat ihre Feigen an eine Südwand gepflanzt – nein, nicht an eine Hauswärme abstrahlende Hauswand, nur eine ziemlich schmucklose Betonwand zum Carport des Nachbarn. Und sie hat ihre Feigensträucher noch nicht einmal an die Wand gezwungen, wie meine spleenigen Engländer, sondern einfach frei wachsen lassen. Und siehe da: Ihre Feigensträucher regenerieren am besten in der ganzen Nachbarschaft!
Und wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, hier ist er: Ein eher schmächtiger Seitentrieb ist bogig gegen die Wand gewachsen und berührt diese jetzt mit seiner Spitze. Und genau diese Triebspitze ist jetzt schon wieder voll grün beblättert, wie eine Oase in der Wüste. Feigen an der Wand haben deutlich bessere Chancen, einen speziell kalten und gefährlichen Winter nicht nur in den Wurzeln, sondern auch mit ihren Ästen zu überleben und so auch nach Frostwintern Feigen zu tragen.
8. Feigensorten, die an den diesjährigen Trieben Feigen tragen, sind natürlich ebenfalls im Vorteil. Nein, eigentlich nicht die Feigenbäume selbst, sondern ihre Besitzer ;-) Bei diesen Sorten hat man auch nach Frostjahren eine gute Chance, einige reife Früchte zu ernten. In unserem Sortiment hat vor allem die Sorte Twotimer diese Fähigkeit.
9. Die Geduld des Gärtners hilft am meisten. Ungeduld tötet mehr Feigen als der Frost. Wie viele Gärtner sind in diesem Frühling verzweifelt und haben ihre vermeintlich toten Feigen viel zu früh ausgerissen und sich so um das unglaubliche Schauspiel ihrer Wiedergeburt gebracht? Es lohnt sich bei Feigen unbedingt, bis Anfang Juli zu warten und auf Lebenszeichen zu warten und zu hoffen. Wie gesagt, in meiner Nachbarschaft gab es nach diesem Winter leider keine Feige, die nicht erfroren war. Aber es gab auch keine einzige Feige, die sich nicht jetzt, Anfang Juni wieder zurückgemeldet hat: “Hier bin ich, glaub nur an mich, ich komme immer wieder, so schnell wirst du mich nicht los!”
Lieber Herr Kobelt,
als Nachkriegskind und mit einem großen Garten aufgewachsen, waren für mich Südfrüchte und Mediterranes Flair für lange Zeit etwas Besonders und in späterer Folge ein Wunschziel, so etwas im eigenen Garten zu versuchen.
Als etwa 2003 auf dem Grundstück befreundeter Nachbarn einige Bäume in der Nähe einer Hochspannungsleitung gefällt werden mussten, begann ich dort mit Aufräumungsarbeiten. Dabei weckte ein alter Baumstrunk mein Interesse, der mit dem rundum aufgeschichteten Totholz ...
Lieber Herr Kobelt,
als Nachkriegskind und mit einem großen Garten aufgewachsen, waren für mich Südfrüchte und Mediterranes Flair für lange Zeit etwas Besonders und in späterer Folge ein Wunschziel, so etwas im eigenen Garten zu versuchen.
Als etwa 2003 auf dem Grundstück befreundeter Nachbarn einige Bäume in der Nähe einer Hochspannungsleitung gefällt werden mussten, begann ich dort mit Aufräumungsarbeiten. Dabei weckte ein alter Baumstrunk mein Interesse, der mit dem rundum aufgeschichteten Totholz einen recht geschützten Platz ergab, sodass ich mich entschloss, es dort mit einer Feige zu versuchen (damals war von Klimawandel noch keine Rede und auf 800 m SH so eine Aktion schon ein eher kühnes Ansinnen).
Bei der Bodenvorbereitung kam eine Unmenge Geröll zu Tage, das rundum aufgeschichtet wurde, mit der Idee, als Windschutz und Wärmespeicher zu fungieren. Die eher spärliche Waldbodenerde wurde mit einem Wurfsieb mühsam von den Steinen getrennt. Knapp oberhalb dieser Stelle kragte ein Felsstück aus dem Hang, das mir geeignet erschien, es dort mit 3 Weinstöcken zu versuchen, da dort in die Tiefe am meisten Feuchtigkeit zu erwarten war.
Nachdem alles den Winter gut überstanden hatte (die Feige war mit einem starken Baufließ eingepackt), war der Tatendrang erst richtig geweckt. Die Rodungs- und Grabungs- und Gestaltungsarbeiten waren nur bedingt planbar und von den topographischen Verhältnissen und dem Verlauf der Felsformationen abhängig, die oft erst durch die Grabarbeiten ersichtlich wurde. Der mittelsteile SO bis SW geneigte und nach Norden durch einem Mischwald geschützte Hang bot grundsätzlich günstige klimatische Voraussetzungen für meine Bestrebungen. Der hohe Anfall an Steinen und Geröll führte fast zwangsläufig zu einer Terrassenanlage mit Trockensteinmauern, die ihre Problematik im Mangel an großen, aber meist rundlichen Steinen, bei einem Übermaß an Kleinmaterial hatte. Natürlich war auch der Wärmespeichereffekt der Steine ein Aspekt für die Schaffung eines Kleinklimas.
Gegen den vor allem im Winter kalten Ostwind wurde eine begehbare Windschutzhecke von inzwischen 2-4 m Höhe aus Totholz errichtet, die laufend mit organischem Abfall gefüttert wird und auch bereits als Humuslieferant dient. In anderen Bereichen dienen veredelte Kornelkirschen und Schlehen sowie hohe, dornenfreie Brombeeren als effizienter Windschutz.
Nun, so ging es über die Jahre halt immer weiter, wie aus einer separat zu übermittelnden exemplarischen Foto Doku zu entnehmen ist. Vielleicht noch eine Anmerkung: Das Gartengrundstück ist weder in meinem Eigentum, noch habe ich es gepachtet, aber mir wurde von den Eignern, die schon seit Jahren verzogen sind, eine gewisse “Narrenfreiheit” zugestanden. Das Projekt hält mich fit und bringt Zufriedenheit mit täglich neuen Glücksmomenten.
Herzliche Grüße
Heimo Knechtel
Lieber Herr Kobelt,
mit Interesse habe ich den letzten Beitrag “Die untötliche Feige” in Ihrem immer sehr informativen Gartenbrief gelesen und möchte ergänzend meine Erfahrungen mit Feigenbäumen darlegen:
Ich habe alle meine Pflanzen absichtlich in Strauchform erzogen, da sich dadurch die Fruchtausbeute einfach erhöht und bei strengem Dauerfrost von nachts 10-15 Minusgraden ohne Schneedecke, wie im heurigen Januar die Chance erhöht, dass einige Triebe überdauern.
Der Grad des erforderlichen Rückschnitts...
Lieber Herr Kobelt,
mit Interesse habe ich den letzten Beitrag “Die untötliche Feige” in Ihrem immer sehr informativen Gartenbrief gelesen und möchte ergänzend meine Erfahrungen mit Feigenbäumen darlegen:
Ich habe alle meine Pflanzen absichtlich in Strauchform erzogen, da sich dadurch die Fruchtausbeute einfach erhöht und bei strengem Dauerfrost von nachts 10-15 Minusgraden ohne Schneedecke, wie im heurigen Januar die Chance erhöht, dass einige Triebe überdauern.
Der Grad des erforderlichen Rückschnitts ist sehr bald an der rötlich-braunen Färbung der Frostschädigung ersichtlich, wenn man das Holz befeuchtet.
Je exponierter die Büsche stehen, desto widerstandsfähiger sind sie nach einigen Jahren. 4 meiner 4-5 m hohen Büsche zeigen kaum Frostschäden.
Natürlich sind manche Sorten empfindlicher, wie bei mir “Brown Turkey”, “Dalmatia” und bunt früchtige Feige “Vatiegata”.
Auffallend ist, dass die vielgepriesene Bayernfeige “Violetta” an allen Standorten vergleichsweise am frostempfindlichsten reagierte.
Kurzzeitige tiefe Temperaturen verkraften Feigen bei Winterruhe und entsprechender Holzreife recht gut. Dauerfrost bei tiefen Temperaturen und Schneelosigkeit sind verantwortlich für grobe Schäden.
Vielleicht findet mein terrassierter “Mediterrangarten”, den ich in händischer Kleinarbeit durch Rodung eines felsendurchsetzten Waldstückes und Aufschichten der anfallenden Steine zu Trockenmauern auf 800m SH in Obermillstatt angelegt habe, Ihr Interesse. Heuer sind es 13 Jahre, dass ich mit diesem Projekt begonnen habe, das über die Jahre eine gewisse Eigendynamik bekommen hat, geleitet von den topographischen Gegebenheiten.
Die besondere Herausforderung bestand für mich in der Kultivierung von Obstgehölzen, die unter normalen Umständen in dieser Klimalage auf 800 m SH nicht mehr gedeihen würden. Der offensichtliche Klimawandel hat meine Bestrebungen sicherlich unterstützt. So ernte ich inzwischen Früchte wie:
– div. Sorten an Marillen und Pfirsichen (außer im Vorjahr und heuer nach den Spätfrösten)
– div. Sorten Indianerbananen
– div. Sorten Trauben
– div. Sorten Feigen
– Mandeln
– Chines. Dattelbeeren (Ziziphus Jujuba)
– Kakis
– Maulbeeren
– Nashibirnen
– Gelbe Hauszwetschgen
– Kreten, Kornelkirschen, Schlehen, Asperln
– Maibeeren, Jap. Weinbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren
– div. Birnen, Zwetschgen und Pflaumen
– Nüsse von einem ?geschlitzblättrigen? Walnussbaum
– der Pekanussbaum hat noch nicht gefruchtet
Erfolgreich war ich auch mit Wasser- und Zuckermelonen im Freiland und natürlich Auberginen, Paprikas, Artischocken, Fenchel, etc.
Im Bereich meines Wohnhauses stehen einige über 30 Jahre alte Kiwi Pflanzen, die inzwischen zu Baumstärke herangewachsen sind und jedes Jahr riesige Mengen schmackhafter Früchte liefern.
Vielleicht führt Sie einmal eine Ihrer Reisen in die Nähe von Kärnten, es würde mich als Hobby Gärtner freuen, mit einem Fachmann durch mein Paradies Gartl zu streifen. Ein paar exemplarische Fotos finden Sie in der Anlage.
Mit freundlichen Grüßen
Heimo Knechtel
Lieber Herr Knechtel,
wow, da haben Sie wirklich etwas geschafft in den gut 10 Jahren. Mir gefällt Ihr Mediterrangartenprojekt sehr! Es zeigt auch, dass meine Lieblingsaussage stimmt: Gärtnern braucht Zeit und Geduld! Ich glaube, Ihre Story wird vielen Gärtnern Mut machen, selbst mal kontinuierlich ein grösseres Projekt anzupacken!
Markus Kobelt
Feigenskandal in Kalifornien
01. Juli 2017 | Markus Kobelt
Im Verlauf ihrer langen Geschichte wird sich die Feige nicht selten herrlich amüsiert haben über all die Verwirrungen, die sie mit ihren unterschiedlichen Fruchttypen und ihrer komplizierten Befruchtungsbiologie stiftete. Mit am spannendsten ist der totale Misserfolg des kalifornischen Feigenanbaus in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts.
Dabei war das doch genau die Zeit, die das Bild vom Sonnenstaat und vom wahr gewordenen amerikanischen und kalifornischen Traum prägte. Man kann das ...
Im Verlauf ihrer langen Geschichte wird sich die Feige nicht selten herrlich amüsiert haben über all die Verwirrungen, die sie mit ihren unterschiedlichen Fruchttypen und ihrer komplizierten Befruchtungsbiologie stiftete. Mit am spannendsten ist der totale Misserfolg des kalifornischen Feigenanbaus in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts.
Dabei war das doch genau die Zeit, die das Bild vom Sonnenstaat und vom wahr gewordenen amerikanischen und kalifornischen Traum prägte. Man kann das wahrscheinlich am besten mit der heutigen Rolle des Silicon Valley vergleichen: So wie heute (fast) alle technischen Innovationen dort zu beginnen scheinen und alle Welt ins gelobte Tal pilgert, so herrschte damals die Goldgräberstimmung in der kalifornischen Landwirtschaft. Systematisch wurden neue wertvolle Kulturen aus den südlichen Ländern der alten Welt nach Kalifornien importiert und gleich zu richtigen Industrien ausgerollt.
Das Geld lag nicht auf der Strasse, es lag auf den Feldern und in den Pflanzen. Neben mutigen Unternehmertypen und auch Abenteurern spielte auch das amerikanische Landwirtschaftsdepartement mit ihren «Agricultural Explorers», die in alle Welt ausgeschickt wurden, eine entscheidende Rolle. Aber natürlich ging neben den von den Skandal- und Sensationsblättern verbreiteten Erfolgsgeschichten auch einiges schief: Luther Burbank scheiterte glorios mit seinen dornenlosen Fruchtkakteen ? und die 1880 bis 1882 in grosser Anzahl importiert Smyrna-Feigen trugen einfach und stur während fast zweier Jahrzehnte keine Früchte.
Was das besonders Bösartige und regelrecht Aufreizende an der Geschichte war: Die importierten Feigenbäume trugen sehr wohl Früchte, kleine grüne Dinger, die dann aber jedes Jahr nach einer Anstandspause (in der sie vergeblich auf die Befruchtung warteten) einfach abfielen. Was lief da falsch, wer war schuld an dem Desaster? Natürlich die Türken, so vermutete man, die hätten ja alles Interesse daran, ihre Exportmärkte zu schützen und hätten darum sterile Feigen in die USA geschickt? Nur DAS könne der Grund sein, denn die alten Feigensorten, die seit dem 18. Jahrhundert in Kalifornien wuchsen (z.B. die Sorte Mission), trugen ja zuverlässig Früchte. Nur ganz Wenigen war klar, dass die Mission (als Kulturfeige) und die importierten Smyrnafeigen aus der Türkei ganz einfach unterschiedliche Feigentypen mit unterschiedlichen Befruchtungsanforderungen waren (lesen Sie den Artikel “Die 4 Feigentypen” in unserem Magazin).
Die Blastophagen-Blasphemie
Dabei war eigentlich alles notwendige Wissen vorhanden. Es war gute und altbekannte agronomische Praxis vor allem in Griechenland und in der Türkei, Feigenwespen, die sogenannten Blastophaga, zur Befruchtung der Smyrna-Feigen einzusetzen. Und den kalifornischen Anbauern war ja auch aus der Zitruskultur bekannt, dass einige Orangen, z.B. die Washington Navel, ohne Befruchtung Früchte ansetzen, andere aber ohne Befruchtung leer bleiben. Irgendwie konnte nicht wahr sein, was nicht wahr sein durfte: Ein Tier, ein Insekt, das in die kleinen Früchte schlüpft und dann da, im Dunkeln (!) das unziemliche Befruchtungswerk verrichtet, das war abartig, das war fremd, das wollte man nicht akzeptieren. Widerwärtig! Und nicht selten wurde die Caprifikation (die Befruchtung der Smyrna-Feigen durch die Feigenwespe) auch als Aberglaube «peasant superstition» der Bauern aus der Alten Welt verunglimpft. Was der türkische Bauer in seiner Zurückgebliebenheit machte, hatte die moderne kalifornische Feigenindustrie sicher nicht nötig. Früchte allerdings wären schon gut gewesen ?
Der Sieg der Wissenschaft
Und gerade als sich dann die Vernunft durchzusetzen begann, und die Ersten an die zu glauben wagten, kam ein weiterer Rückschlag: Eine 1892 veröffentlichte Übersetzung eines schon viel älteren wissenschaftlichen Textes des italienischen Professors Guglielmo Gasparrini machte die ganze Blastophagen-Aufklärung wieder zunichte. Er behauptete sogar, dass sich der Einsatz der Befruchterwespen negativ auf die Fruchtqualität auswirke.
Der Professor aber hatte zu seiner Zeit nur die in Italien viel weiter verbreiteten Kulturfeigen im Auge. Und natürlich war es auch ihm zutiefst zuwider, an die Insekten und allenfalls gar an ihre Exkremente denken zu müssen, wenn man in eine Feige biss? Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und vor allem dank der Forschungen und Reisen von Walter T. Swingle, einem der produktivsten und erfolgreichsten «Agricultural Explorer» der USDA, kam sprichwörtlich Licht ins Dunkel der Caprifikation und wurden die inneren (ja inneren!) Widerstände bei Anbauern und Feigen überwunden. Vor allem der zweite grosse Import von Caprifeigen aus der Türkei 1898 war ausserordentlich erfolgreich: Die Smyrna-Feigenbäume, die vorher fast 20 Jahre lang stur gestreikt hatten, trugen riesige, saftige Feigen. Ja, vielleicht ging es halt wirklich nicht ohne die blasphemischen Blastophagen.
Ein Sieg der Feige
Die Feige aber, das schlaue Ding, lächelte verschmitzt und dachte ihres dabei. Wieder hatte sie Insekten und Menschen zu Höchstleistungen veranlasst, unzählige Zeitungsartikel, Übersetzungen und Pamphlete waren erschienen und sie hatte schlussendlich ein neues Territorium erobert. Wieder hatte sie den Menschen gezeigt, dass sie nicht vorhatte, sich ihren Vorlieben und Komplexen anzupassen. Nein, die Menschen sollten sich gefälligst den Anforderungen der Feige unterordnen!
Weitere spannende Feigengeschichten in unserem Lubera-Magazin:
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Feige, der Mensch, die Wespe ? und ich, Einleitung
Die Geschichte und Biologie der Feige, Teil 1
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Ur-Feige, Teil 2
Die Geschichte und Biologie der Feige: Auftritt Feigenwespe, Teil 3
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Smyrna-Fruchtfeige, Teil 4
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Caprifikation, Teil 5
Die Geschichte und Biologie der Feige: Die Kulturfeige, Teil 6
Die Geschichte und Biologie der Feige: Der Mensch als Feigensklave, Teil 7
Danke für Ihre Fragen und Gartenstories!
01. September 2017
Leider komme ich nur noch selten dazu, Ihre Fragen und Probleme, die Sie auf unserer Seite deponieren, zu beantworten. Leider! Das meine ich ehrlich. Ihre Fragen und Bemerkungen sind eine unglaubliche Fundgrube für neue Ideen, für Verbesserungen, und es wäre und ist ein grosser Fehler, Ihre Einwürfe nicht ernst zu nehmen. Leider (nochmals leider) bleibt dafür im Tagesgeschäft manchmal nicht genug Zeit.
Ihre Fragen sind spannend – und bewegen etwas!
Jedenfalls durfte ich gestern Abend wieder einmal 30 ...
Leider komme ich nur noch selten dazu, Ihre Fragen und Probleme, die Sie auf unserer Seite deponieren, zu beantworten. Leider! Das meine ich ehrlich. Ihre Fragen und Bemerkungen sind eine unglaubliche Fundgrube für neue Ideen, für Verbesserungen, und es wäre und ist ein grosser Fehler, Ihre Einwürfe nicht ernst zu nehmen. Leider (nochmals leider) bleibt dafür im Tagesgeschäft manchmal nicht genug Zeit.
Ihre Fragen sind spannend – und bewegen etwas!
Jedenfalls durfte ich gestern Abend wieder einmal 30 Ihrer Fragen beantworten. Hier eine kleine Statistik der Anregungen und Änderungen, die sich aus diesen 30 Fragen und Gartenstories ergaben:
- 2 Anfragen an unsere Betriebsleiter in der Produktion wegen Lieferbarkeit und Qualität
- Entdeckung, dass eine Aktion, die längst schon abgeschlossen sein sollte, noch immer still und schweigend und von uns (aber nicht vom Kunden!) unbemerkt weiterläuft
- Hinweis auf drei bedeutende Fehler auf der Webseite. Ich habe darauf gleich Aufträge für unseren Progammierer geschrieben
- Ein missverständliches Bild bei einem Produkt
- Mindestens 3 Themen entdeckt, über die wir mal scheiben sollten.
Fazit: 30 beantwortete Fragen für Sie – 10 wichtige Informationen und Verbesserungen für Lubera, die Ihnen dann irgendwann auch wieder zugutekommen. Das nenne ich eine klassische Winwinsituation
Was ich aber eigentlich damit sagen will: Danke!
Danke für Ihre Fragen, ihre Kritik und Einwürfe. Wir sind (zum dritten Mal: leider) alles andere als perfekt, aber durch Sie werden wir besser.
Schreiben Sie Gartenstories
Leider kann ich mich bei den Fragen mit nichts anderem bedanken als mit unseren Antworten (sonst reisst mir mein Buchhalter endgültig den Kopf ab), aber bei den Gartenstories ist das anders: Wenn Sie eine Gartenstory auf einer Produktseite oder einer Kategorieseite auf Lubera.com publizieren, und diese wird freigeschaltet, erhalten Sie einen Tells Apfel gutgeschrieben, den Sie bei Ihrer nächsten Bestellung als Rabatt (1 Tells =1% Rabatt; 5 Tells =5% Rabatt) einlösen können (bitte zuerst einloggen und Tells Programm freischalten).
Was ist eine Gartenstory?
Eine Gartenstory ist ein eigener kleiner Beitrag über Ihren Garten, über Ihre Pflanzen darin. Was Sie damit gemacht haben, wie Sie die Früchte unserer Sorten ernten und geniessen, wie Sie ein Problem gelöst haben, wie unsere Pflanzen bei Ihnen gedeihen etc. Das können ein bis drei Bilder sein mit einem kurzen Kommentar dazu, das kann aber auch eine kleine Abhandlung zu Ihrer liebsten Dahliensorte aus unserem Dahliensortiment sein.
Sie entscheiden und laden ihre Gartenstory bei der passenden Pflanze oder bei der passenden Pflanzenkategorie rauf. Und Sie schreiben da nicht nur für sich und für uns (und auch nicht nur für die Tells), Sie schreiben da vor allem für die vielen andere Gartenfreunde, die letztlich auf ihre Erfahrung, auf ihren Rat warten.
Wie machen wir die Gartenstories besser und attraktiver (für Schreiber und Leser)
Und noch etwas. Wir haben die Gartenstories erst kürzlich eingeführt, und möchten sie wenn möglich noch attraktiver für Schreiber und Leser machen. Wenn Sie dazu Ideen oder Anregungen haben, schreiben Sie einfach an lesya.kochubey@lubera.com.
Viele herzlichen Dank im Voraus!!!!
Wer einen Feigenbaum kaufen möchte, kommt an den Gustissimo® Fruchtfeigen von Lubera nicht vorbei. Sie wurden im Schweizer Rheintal aus über 100 Arten ausgewählt und gezüchtet. Feigenbäume von Lubra überstehen nicht nur kalte Winter sondern auch große Temperaturunterschiede. Damit sind die Feigenbäume winterhart und ideal als Feigenbaum für Gärten von Berlin bis in die Pfalz, von Hamburg bis nach Graz. Ohne weiteres können Gustissimo® Fruchtfeigen bei Süße und Ertrag mithalten mit bekannten Sorten beim Feigenbaum wie Brown Turkey oder die Dalmatier Feige.
Feigen ernten - einen Gustissimo® Feigenbaum kaufen
Die Sortenvielfalt unserer Gustissimo® Feigen ist beeindruckend und ein guter Grund, einen Lubera Feigenbaum zu kaufen. Dabei hat jede Sorte ihre besondere Eigenschaft. Gustissimo® Califfo Blue ist das „Blaue Wunder“ und bildet blauviolette und besonders süße Früchte. Schnelle Ernteerfolge bringt Gustissimo® Morena. Eine frühe Ernte bringt Gustissimo® Rosetta, bei der die Früchte zunächst grüngelb, zur Reife hin aber rot sind. Sie ist eine der produktivsten Feigen und auch für kältere Standorte geeignet. Wer einen helleren Feigenbaum kaufen möchte, ist mit Gustissimo® Bianca sehr gut bedient. Sie hat mittelgrosse weißgrüne Früchte und liefert zuverlässig hohe Erträge. Besonders groß ist die Gustissimo® Early Dark, die violette Früchte bei mittlerem Wachstum des Feigenbaums liefert. Schließlich ist die Gustissimo® Mère Veronique besonders für die Kultur im Topf geeignet. Auch dort liefert sie aromatische Früchte mit rotem Fruchtfleisch.
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Die mit dem Lubera®-Züchtungslogo bezeichneten Pflanzen sind von Lubera gezüchtet worden.
Seit unserer Gründung 1993 züchten wir intensiv neue Pflanzen: neue Äpfel, Birnen, Kirschen,
Pflaumen, Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, neue Rosen und auch viele weniger
bekannte Arten, darunter neuerdings auch diverse Ziergehölze. Unsere Ziele sind dabei immer
die Ziele unserer Kunden, der Hobbygärtner, die Pflanzen wünschen, die einfacher zu kultivieren sind,
die resistent und robust sind, die besser schmecken und reichhaltiger blühen und die-
wenn möglich - auch "anders" sind, neue Qualitäten in den Garten einbringen.
Neben unserer intensiven Züchtungsarbeit (siehe Lubera® Züchtung) testen wir auch
unzählige Sorten von anderen Züchtern, vielfach auch Pflanzenschätze, die wir
auf unseren Pflanzenjägerreisen aufgespürt haben. Werden diese Pflanzen nach
ausgiebigen Tests in unser Verkaufsssortiment aufgenommen, werden sie mit dem
Lubera® Selection Logo ausgezeichnet, wenn wir sie weitgehend exklusiv vertreiben
können. An diese Lubera Selection Pflanzen stellen wir die gleichen Anforderungen,
die auch unsere Züchtung steuern: Sie sollen besser schmecken, reicher blühen,
einfacher zu kultivieren, resistenter sein und wenn möglich auch "andere",
neue Eigenschaften in den Garten einbringen. Ihre Ziele, die Ziele unserer
Kunden, sind immer auch unsere Ziele.