Apfel Gravensteiner

Rot gestreifte Äpfel mit Gravensteiner Aroma

Apfel Gravensteiner
Apfel Gravensteiner
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Der Apfel Gravensteiner ist bis heute in vielen Regionen und Anbaugebieten der Inbegriff des Sommerapfels. Mit ihm beginnt erst die richtige Apfelsaison – und das, obwohl der Gravensteiner erst Ende August reif wird. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass diese Sorte lange Zeit der erste und früheste Apfel mit einer wenigstens einige Wochen oder 1-2 Monate anhaltenden Lagerfähigkeit war, also der erste Apfel, der nicht wenige Tage nach der Ernte bereits mürbe und mehlig wird.  Unter modernen Sorten gibt es zwar unterdessen ein Dutzend Äpfel, die früher reifen und doch auch ein gutes Shelflife haben, aber die positive Prägung wirkt bis heute nach. Die verhältnismässig gute Haltbarkeit zusammen mit der knackigen und festen Textur und der Saftigkeit war sicher auch ein Grund, dass sich die im 17. Jahrhundert entdeckte Sorte so lange bis in die Neuzeit auch im Apfelanbau halten konnte. In einigen Regionen z.B. der Schweiz ist der Gravensteiner noch heute fast der Inbegriff des Apfels, ja fast ein Synonym; es kann z.B. im St. Galler Rheintal, wo Lubera in der Schweiz beheimatet ist, durchaus vorkommen, dass man im Oktober oder vor Weihnachten nach Gravensteiner Äpfeln gefragt wird, obwohl sie gar nicht so lange haltbar sind…

Vorteile des Gravensteiner Apfels

  • Gut für Höhenlagen geeignet
  • Sehr saftiger Apfel, würzig; mit einem typischen säuerlich süssen Aroma
  • Bis Ende September lagerfähig
  • Bestens zum Frischverzehr und für die Verwertung zu Apfelmus und Most geeignet
  • Beim Brennen entfaltet sich das sortentypische Aroma besonders intensiv
  • Aufgrund des schnellen und starken Wachstums hervorragend für die Hochstammerziehung oder für Halbstämme geeignet

Geschmackseigenschaften des Gravensteiners

Der Gravensteiner zeigt ein verlockende, hellgelbes, beinahe noch weisses und überaus saftreiches sowie edel gewürzte Fruchtfleisch mit einem sortentypischen Aroma. Hinzu kommt bei den reifen Früchten, dass sie mit einem leichten Fetthauch überzogen scheinen, was dann insgesamt zu diesem einzigartigen "gravensteinereigenen" Geruch bei dieser Apfelsorte führt. Die Gravensteiner Äpfel sind vielseitig einsetzbar und eignen sie hervorragend zum Backen, für Apfelmus oder Säfte sowie zum Rohverzehr. Beim Brennen gelingt es, den speziellen Gravensteiner-Geschmack oder eher Duft einzufangen, was den besonderen Reiz und die Wiedererkennbarkeit der Gravensteiner Schnäpse ausmacht. Aufgrund dieses unvergleichlichen Geschmacks war der Gravensteiner zum Anfang des 20. Jahrhunderts einer der beliebtesten und bestbezahlten Tafeläpfel und Handelsäpfel in Deutschland. In einigen Regionen, z.B. in der Ostschweiz wird er noch heute erwerbsmässig angebaut. Die Flächen nehmen aber immer mehr ab, weil die modernen Sommersorten entweder deutlich früher reifen oder eine bessere Haltbarkeit haben.

Der beste Standort für den Gravensteiner

Da wir es mit einem Baum der norddeutschen Tiefebene zu tun haben, liebt der Gravensteiner das raue Seeklima über alles. Sein Anbau- und Verbreitungsgebiet erstreckt sich aber historisch und bis heute heute praktisch von den norditalienischen Alpenregionen bis hoch in den nordeuropäischen Raum, also Schweden und Norwegen. Was Wärme anbelangt, ist er damit nur wenig anspruchsvoll, legt dafür aber allergrössten Wert auf konstante Bodenfeuchtigkeit und gute Durchlüftung. Sofern eine kontinuierliche Wasserversorgung über den Boden sichergestellt ist, gedeiht Ihr ‘Gravensteiner’ Hochstamm auch in einer weniger luftfeuchten Region. Zu vorzeitigem Fruchtfall kommt es gelegentlich auf wechseltrockenen bzw. zu feuchten Böden. Aufgrund der frostgefährdeten Blüten sind die wenig spätfrostgefährdete Lagen der ideale Standplatz für diese Apfelsorte. Gravensteiner sollte man also ja nicht in eine Frostsenke pflanzen.

Wuchs des Gravensteiners

Wenn Sie bei Lubera einen ‘Gravensteiner’ Hochstamm oder Halbstamm kaufen, können Sie mit einem starken bis sehr starken Wuchs rechnen. Die Leitäste wachsen gerne zu steil und sparrig nach oben und müssen in einen flacheren Winkel von 45° gebunden werden. Nur so entwickeln sich breit ausladende, dicht beblätterte und grosse Kronen. Ebenso typisch für die alte Apfelsorte Gravensteiner sind die langovalen und dunkelgrün glänzenden Blätter mit ihrer platten Kontur, einer aufgesetzten Spitze und dem gezähnten Rand – von der Fläche damit fast genau so gross wie die Äpfel selbst.

Gravensteiner ist eine triploide Apfelsorte

Der sehr starke, manchmal auch etwas sparrige Wuchs des Gravensteiners sowie seine grossen Blätter weisen auf eine weitere Eigenschaft hin: Der Gravensteiner ist ein sogenannte triploide Apfelsorte, also ausgestattet mit einem dreifachen Chromosomensatz anstatt mit einem zweifachen (wie bei Äpfeln üblich). Diese Disposition führt meistens zu einem starken Wuchs, und historisch sind bei alten Sorten überdurchschnittlich viele triploide Sorten ausgelesen und vermehrt worden, eben weil sie einen so starken Wuchs haben schnell grosse und stabile Hochstammkronen entwickeln. 

Gravensteiner Äpfel

Die Früchte beginnen beim Apfelbaum ‘Gravensteiner’ Hochstamm je nach Region zwischen Mitte und Ende August mit der Reife. Sie sind gross bis sehr gross (durchschnittlich kommen etwa 75 Prozent der Ernte auf eine Fruchtgrösse zwischen 70 bis 85 mm) und bringen es auf ein Gewicht von 170 bis 200 Gramm. Je nach Klima liegt der Zuckergehalt vollständig ausgereifter ‘Gravensteiner’ Äpfel bei etwa 9,7 bis 13,6 Prozent. Vom Geschmack her dürfen Sie sich trotz der gestalterisch etwas grob und nicht übertrieben ansprechenden Früchte auf ein einmaliges Apfelaroma bei ausgezeichneter Qualität freuen. Aufgrund ihrer angenehmen Würzigkeit sind die festen und sehr saftigen Äpfel erfreulich feinfruchtig und punkten mit ihrem besonders fruchtigen Duft. 

Befruchtungsverhältnisse beim Gravensteiner

Wie fast alle Apfelsorten ist auch der Gravensteiner selbstunfruchtbar, die Blüten können also nicht vom eigenen Pollen befruchtet werden. In der Regel tragen aber zur Apfelblütenzeit die Insekten und Bienen genügend Pollen auf sich, so dass die Befruchtung ausser in sehr apfelarmen Gegenden kein Problem darstellt. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Pollen des Gravensteiner Apfels selber nicht keimfähig und unfruchtbar ist, was mit der oben erwähnten triploiden Struktur des Chromosomensatzes zu tun hat… Das bedeutet: Der Gravensteiner kann selber keine anderen Apfelsorten befruchten. An sehr abgelegenen Orten ohne andere Apfelbäume (inklusive Zier- und Wildäpfel) im Umkreis von 500m bis 1000m sollten also zusammen mit einem Gravensteiner Baum oder Hochstamm immer mindestens zwei andere Sorten gepflanzt werden, die sich auch gegenseitig Befruchten können. Das heisst es sollte unter den 3 Sorten dann auch keine zweite triploide Sorte darunter sein.

Herkunft des Gravensteiners

Bei der sehr wuchsstarken Apfelsorte ‘Gravensteiner’ haben wir es vom Ursprung her mit einem zufällig entdeckten und im Jahr 1669 nach seinem Entstehungsort – dem Flecken "Gravenstein" in Schleswig-Hollstein – benannten Sämling zu tun. Laut dem "National Apple Register of the United Kingdom" von Muriel W. G. Smith aus dem Jahr 1971 lässt sich die Herkunft dieser alten Apfelsorte auf drei mögliche Arten erklären:
  1. Es handelte sich damals um einen Zufallssämling aus dem Garten des Herzogs von Augustenburg (Nordschleswig auf Schloss Gravenstein);
  2. Die Historie vom Gravensteiner Apfelbaum begann mit einem aus Südtirol oder Italien nach Schleswig eingeführten Exemplar der Sorte «Ville Blanc», von der der Gravensteiner abstammen könnte
  3. Der ebenfalls in Nordschleswig auf Schloss Graasten residierende Graf Ahlefeldt bekam von seinem italienischen Bruder Baumreiser dieser Sorte zugeschickt, die schliesslich vor Ort kultiviert und benannt wurde

Synonyme für den Gravensteiner Apfel

Aufgrund seiner Qualität verbreitete sich der Gravensteiner im 18. Und 19. Jahrhundert sehr schnell und bekam auch viele neue, jeweils lokal bezogene Namen: Blumenkalvill, Diels Sommerkönig, Grafenapfel, Pomme de Gravenstein, Sommerkalvill und so weiter. Ebenso sind aus der ursprünglichen Sorte im Laufe der Zeit viele Varianten, Mutationen entstanden. Wir bei Lubera vermehren unter der Sorte Gravensteiner den Typ Gravensteiner Rellstab mit einer schönen roten Streifung. Es gibt auch ganz rote Gravensteiner-Mutationen, die jedoch qualitativ nicht befriedigen.

Verwendungsmöglichkeiten von ‘Gravensteiner’ Äpfeln

Dank er wenigstens einige Wochen bis 2 Monate andauernden Stabilität des Fruchtfleischs passen die Gravensteiner Äpfel hervorragend als leckere Tafelfrucht für die ganze Familie, haben aber ebenso als frühreifender Mostäpfel eine lohnende Ausbeute an vorzüglich schmeckendem und aromatischem Apfelsaft. Auch bei der Verwertung zu Apfelmus und beim Brennen entfalten die Früchte ihr sortentypisches Aroma und sind allererste Wahl.

Ein Gravensteiner Apfelrezept: Schlafförderndes Gute-Nacht-Betthupferl 

"Man schält und reibt auf einem Reibeisen 6 bis 8 schöne ‘Gravensteiner’ Äpfel ab, thut das Geriebene in eine Schüssel, klein geschnittene Zitronenschale, 2 bis 3 Löffel voll guten Kirschengeist und Zucker, bis es süss genug ist, dazu, rührt es mit 6 bis 8 Eiern recht gut durcheinander; macht alsdann in einer Casserolle Schmalz heiss, giesst die Masse darein, gibt einen Deckel mit Kohlen darauf, stellt es auf Kohlen und zieht es schön gelb auf. Diess ist ein gutes Nachtgemüss."
(Quelle: "Die vollkommene Köchin", Stuttgart 1844)

Kurzbeschreibung Apfelbaum ‘Gravensteiner’ Hochstamm

Grösse: 5 bis 7 m hoch und 6 bis 8 m breit; etwa 50 bis 60 m2 Kronenfläche
Wuchs: aufrecht, buschig, breit
Standort: sonnig bis halbschattig
Boden: durchlässig und nährstoffreich
Pflege: Erziehungsschnitt während der ersten Jahre, danach ca. alle zwei Jahre Erhaltungsschnitt
Reifezeit: Anfang August
Blütezeit: April bis Mai
Lagerfähigkeit: 4 Wochen
Frucht Aussehen/Form: gross; rot gestreift; Ertrag bei einem älteren Apfelbaum ‘Gravensteiner’ Hochstamm bis um die 100 kg / Jahr
Geschmack: säuerlich erfrischend; mit zunehmender Reife wird er immer süsser
Herkunft/Geschichte: Zufällig entdeckter Sämling im Jahr 1669. Hat sich schnell in Dänemark und Schleswig verbreitet. Er ist vielseitig einsetzbar zum Backen, für Apfelmus oder Säfte sowie als Tafelapfel. 
Befruchtung: selbstunfruchtbar, brauchen aber keinen in der Nähe stehenden Befruchter, da die Insekten & Bienen zur Blütezeit genug Pollen auf sich tragen, um eine Befruchtung zu ermöglichen.
Vorzüge: attraktiver Apfel Hochstamm Baum mit hohem Ertrag bei sehr guter Frosthärte und ausgeprägter Standfestigkeit; Bäume werden sehr alt wobei ältere und gesunde Exemplare nur wenig Pflege benötigen; triploide Apfelsorte
Nachteile: Wie sehr viele alte Sorten und vor allem triplode Apfelsorten kann der Gravensteiner Alternieren, trägt also als Hochstamm jedes zweite Jahr deutlich stärker als im Zwischenjahr

Fragen, Antworten und Gartenstorys zu Apfel Gravensteiner (1)

Frage
13.02.2017 - Apfelbäume
Guten Tag

ich suche Apfelbäume der Sorten Gravensteiner, Cox-Orange und Boskoop. Sind diese auch als Halbstamm oder Spindelbusch erhältlich oder nur als Hochstamm. Könnten sie alternativen empfehlen?

beste Grüsse
Thomas Steinlin
Antworten (1)
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Name: Apfel Gravensteiner Botanisch: Malus
Blütezeit: Anf. April bis Ende Mai Reifezeit: Anf. Aug. bis Ende Aug.
Blätterfarbe: grün Blütenfarbe: weiss
Endhöhe: 5m - 7.5m Endbreite: 4m - 5m
Sonne: Halbschatten, Vollsonne Boden Feuchtigkeit: feucht, trocken
Boden Schwere: schwer, mittelschwer, leicht Boden pH-Wert: schwach alkalisch, neutral, schwach sauer
Winterhärte: winterhart Verwendung: Einzelpflanze
Süsse: mittelsauer Laubkleid: laubabwerfend
Erhältlich: März, April, November
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